Schießt die TSG Hoffenheim den VfB Stuttgart in die 2. Liga?
Trainerduell Hoeneß gegen Matarazzo - 3.800 TSG-Fans in Stuttgart dabei
Freitag, 26. Mai 2023

Am 33. Spieltag konnte sich die TSG Hoffenheim mit einem 4:2-Heimerfolg über Union Berlin den Bundesliga-Klassenerhalt vorzeitig sichern und kann daher relativ entspannt zum Saisonfinale am Samstag (Beginn 15:30 Uhr) zum baden-württembergischen Nachbarn VfB Stuttgart reisen. Bei den Schwaben herrscht derweil alles andere als Entspannung, denn sie stecken bis zum Saisonabpfiff mitten im nervenaufreibenden Abstiegskampf. Im Fernduell mit dem VfL Bochum (empfängt Bayer 04 Leverkusen) und FC Schalke 04 (gastiert bei RB Leipzig) ist für den VfB der direkte Abstieg, der Relegationsplatz oder ein Nichtabstiegsplatz möglich.

Wird die TSG das Zünglein an der Waage?

Entscheidend dabei wird auch die Herangehensweise des "ungeliebten badischen Nachbarn" sein. TSG-Trainer Pellegrino Matarazzo hofft auf keinen Spannungsabbau bei seiner Mannschaft: „Mein erster Fokus ist, dass wir das Spiel gewinnen. Wir haben viele Gründe, gut zu performen, aber keinen einzigen, nachzulassen.“ Werden die Hoffenheimer sich im Derby nochmal voll ins Zeug legen und die Stuttgarter womöglich in die 2. Liga schießen? Von einem direkten Abstieg ist wohl angesichts des schweren Auswärtsspiels der Schalker in Leipzig nicht auszugehen, aber der Relegationsplatz droht im Zweikampf mit Bochum gewaltig.

 Wer hat die Lufthoheit in einem erwartet heißen Baden-Württemberg-Derby?

Kraichgaufoto

Die Trainer stehen im Fokus

In diesem Derby stehen vor allem auch die beiden jeweiligen Cheftrainer im Fokus: Auf Stuttgarter Seite Sebastian Hoeneß, auf Hoffenheimer Seite Pellegrino Matarazzo. Es sind diese besonderen emotionalen Geschichten, die eigentlich nur der Fußball schreiben kann, wenn zum Beispiel Trainer, die in einer Saison mit einem neuen Team auf den alten Arbeitgeber treffen, was nun im Saisonfinale der Fall ist. Unter Matarazzo sind die Bad Cannstatter 2020 in die 1. Liga aufgestiegen und in der vergangenen Saison feierte man in allerletzter Sekunde mit einem 2:1-Sieg über Köln den Klassenerhalt. Nachdem der VfB in den ersten neun Partien der laufenden Saison sieglos blieb, die Unruhen im Verein immer größer wurden, entschied man sich auf dem vorletzten Tabellenplatz zur Trennung von Chefcoach Matarazzo, der über 1.000 Tage dort tätig war.

Hoeneß folgte auf Matarazzo

Unter den Nachfolgern Michael Wimmer als Interimscoach und anschließend Bruno Labbadia wurde es nicht besser, so dass mit Hoeneß im April der bereits vierte Trainer verpflichtet wurde. Der gebürtige Münchner war nach einem für die Kraichgauer enttäuschenden neunten Tabellenplatz und einer Sieglosserie von neun Partien in Folge am Ende der Spielzeit 2021/22 entlassen worden. Das Scheitern an der angestrebten Europa-Pokalteilnahme wurde vor allem am Trainer festgemacht. In Stuttgart ging es unter Hoeneß wieder aufwärts. Nachdem nur eines der letzten sieben Ligaspiele verloren ging, ist am Neckar wieder Hoffnung auf die schon nicht mehr für möglich gehaltene Rettung aufgekommen. Mit einem Heimsieg gegen die TSG könnte, ähnlich wie vor einem Jahr unter Matarazzo, der Last-Minute-Klassenerhalt perfekt gemacht werden.

 Freundschaftliche Nachbarschaftshilfe beim Hinspiel
silvio

Matarazzo folgte auf Breitenreiter

Beim Gegner Hoffenheim kannte man den Italo-Amerikaner aus den Zeiten, als er noch Co-Trainer unter Julian Nagelsmann war. Nachdem es unter Hoeneß-Nachfolger André Breitenreiter nicht lief, entschieden sich die TSG-Verantwortlichen zur Rückholaktion. Nach schwierigem Start mit fünf Niederlagen in Serie gelang es Matarazzo die Nordbadener aus dem Tabellenkeller zu führen. Für den Hoffe-Coach ein tolles Gefühl, wenngleich er den Abstiegskampf mit den Kraichgauern als noch schwieriger einstuft als seinerzeit mit den Schwaben: „Wenn der Druck am höchsten ist, kann man die größten Emotionen feiern. Die Jungs haben es sich verdient, sie haben sich mit Leistung belohnt. Aus dem Tal wieder herauszukommen und immer wieder aufzustehen, war brutal.“

Erleichterung über die vorzeitige Rettung

Aufatmen auch bei TSG-Sportdirektor Alexander Rosen: „Ein Spielplanszenario, das braucht kein Mensch. Ich bin sehr froh, dass das Spiel in Stuttgart für uns eine relativ geringe Bedeutung hat.“ Dennoch wollen die Blau-Weißen die Partie ernst nehmen. Nach der Rettung gegen Berlin sagte Torjäger Andrej Kramaric, der beim 2:2 in Hinspiel beide Treffer gegen den VfB erzielte: „So eine Saison wollen wir nicht wiederholen, sondern wieder an die alten Zeiten anknüpfen. In Stuttgart wollen wir Mentalität zeigen und an die heutige Leistung anknüpfen.“

 TSG-Coach Matarazzo kehrt am Samstag an seine alte Wirkungsstätte zurück

Dem 1900. Bundesligaspiele sollen weitere folgen

Stuttgart ist gegen Hoffenheim seit fünf Heimspielen ungeschlagen (vier Siege, ein Remis). Die letzte Niederlage in der Mercedes-Benz-Arena datiert vom 20. September 2014 (0:2). Auf dieser positiven Bilanz ruhen die Hoffnungen in der Landeshauptstadt, auch geschuldet der Tatsache, dass man dem bevorstehenden 1900. Bundesligaspiel noch weitere folgen lassen möchte. Man kann davon ausgehen, dass die Gastgeber mit Unterstützung ihrer großen, lautstarken Anhängerschaft gegen die TSG von Beginn mächtig Druck machen werden und möglichst frühzeitig die Partie zu ihren Gunsten entscheiden möchten. Ein Zittern bis zum Abpfiff wie im Vorjahr möchte man sich auf alle Fälle ersparen. Schiedsrichter der Partie ist Robert Schröder aus Hannover, assistiert wird er an den Seitenauslinien von Dr. Jan Clemens Neitzel-Petersen und Thomas Gorniak.

Reisefreudige Kraichgauer

Beim Saisonfinale werden 3.800 TSG-Fans ihre Mannschaft in Stuttgart unterstützen. Im Fanhaus neben der Sinsheimer PreZero-Arena wird die Partie für alle nicht Auswärtsreisenden übertragen. Nach dem Spiel ist ein gemeinsamer Saisonabschluss mit Musik, Getränken und Speisen geplant, zu dem auch viele die Auswärtsfahrer nach ihrer Rückreise hinzustoßen werden.

Personalplanungen laufen auf Hochtouren

Nach dem gesicherten Klassenerhalt laufen die Personalplangen bei der TSG bereits auf Hochtouren. Nachdem die Leihverträge der beiden dänischen Nationalspielern Thomas Delaney und Kasper Dolberg zum 30. Juni 2023 auslaufen, kehren sie zu ihren Heimatvereinen FC Sevilla und OGC Nizza zurück. Als Rückkehrer von ihren Ausleihen kommen unterdessen Marco John (aus Fürth), Maximilian Beier (aus Hannover) und Diadie Samassekou (von Olympiakos Piräus) zurück. Bei den anderen ausgeliehenen Profis Stefan Posch (FC Bologna), Kasim Adams (FC Basel) sowie Melayro Bogarde (PEC Zwolle) stehen die Zeichen auf Abschied. Auch der Vertrag von Ersatzkeeper Philipp Pentke wurde nicht verlängert.

Fotos: Kraichgaufoto

 

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Freude, Begeisterung und Erleichterung - TSG bleibt "Erstklassig"
Hoffenheim feiert Klassenerhalt nach 4:2-Sieg über Union Berlin
Sonntag, 21. Mai 2023

Es war Begeisterung pur, als Schiedsrichter Christian Dingert die Bundesligapartie zwischen der TSG Hoffenheim und Union Berlin am späten Samstagnachmittag um 17:30 Uhr abpfiff. Die Kraichgauer hatten in einer emotionalen und spannenden Partie durch einen 4:2-Heimerfolg vor ausverkauftem Haus gegen den Champions League-Anwärter aus der Bundeshauptstadt das Abstiegsgespenst endgültig vertrieben. Das Team von Trainer Pellegrino Matarazzo hat einen Spieltag vor Saisonschluss mindestens drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang und das um 26 Tore bessere Torverhältnis gegenüber dem VfL Bochum. Die Treffer vor 30.150 Zuschauern erzielten für die vor allem in der ersten Hälfte effizienten Gastgeber Ihlas Bebou (23.), Andrej Kramaric (36./90.) und Munas Dabbur (90.+9), für die Berliner trafen Danilho Doekhi (45.+5) und Alssa Laidouni (90.+4). Durch seinen Doppelpack hat Hoffenheims Rekordtorschütze Kramaric nun 100 Bundesliga-Tore erzielt.

 Die Freude bei den Hoffenheimern kannte nach dem Abpfiff keine Grenzen mehr
Gardinen Schlenker

Spielunterbrechung aufgrund dichtem Nebel

Bevor das Spiel überhaupt an Fahrt aufnehmen konnte, musste es für vier Minuten unterbrochen werden. Vor Spielbeginn gedachte die Südkurve mit einer großen Choreografie des vor drei Jahren verstorbenen Fans Moritz, der am Spieltag gegen Union 26 Jahre alt geworden wäre. Einige Anhänger hatten jedoch hinter dem großen schwarzen Banner angefangen zu zündeln und dabei verbotene Rauchtöpfe und Pyrotechnik abgebrannt. Aufgrund der dichten Rauchschwaden war keine Sicht mehr möglich.

TSG bestraft Berliner Nachlässigkeiten effizient

Nach zögerlichem Beginn nahm die Partie danach an Fahrt auf und beide Teams rieben sich in intensiven Zweikämpfen auf. Nach einem dicken Patzer des Unioners Diogo Leite, dem eine Kopfball-Rückgabe misslang, schaltete Bebou am schnellsten, umkurvte Torhüter Frederik Rönnow und brachte die TSG 1:0 in Führung (23.). Mit der nächsten gefährlichen Aktion erhöhen die Kraichgauer auf 2:0. Nach einem Foulspiel im Strafraum an Christoph Baumgartner entschied Schiedsrichter Dingert mit Hilfe des VAR auf Strafstoß, den Kramaric sicher verwandelte (36.). In einer chancenarmen ersten Hälfte konnten die Eisernen kurz vor der Pause durch Doekhi auf 1:2 verkürzen, als dieser nach einer Ecke den Ball mit seinem fünften Kopfballtreffer in dieser Saison wuchtig unter die Querlatte beförderte (45.+4).

Union macht mächtig Druck

Im zweiten Abschnitt machen die Köpenicker mächtig Druck und drücken den Gegner zunehmend in die Defensive. Die Gastgeber verteidigten leidenschaftlich und hatten in einigen Aktionen Glück, dass die Unioner bei einigen guten Möglichkeiten (54., 64.) nicht über das nötige Zielwasser verfügten. Angetrieben durch ihre 4.000 mitgereisten lautstarken Anhänger drängte die Fischer-Elf gegen die gut gestaffelte gegnerische Hintermannschaft auf den Ausgleich. Nachdem Doekhi (79.) und Becker mit einer verunglückten Flanke (84.) weitere Chancen ungenutzt ließen, schlugen die konterstarken Nordbadener eiskalt zu.

Hoffe schlägt eiskalt zu

Auf Vorarbeit des eingewechselten Dabbur drückte Kramaric den Ball aus kurzer Distanz über die Linie zum 3:1 (90.). In der hektischen und nervenaufreibenden Nachspielzeit konnte Laidouni zwar die Berliner noch mal auf 2:3 heranbringen (90.+5), doch mit der letzten Aktion der Partie beendete Dabbur die kurze Zitterphase für die Gastgeber auf Vorarbeit von Kramaric mit dem 4:2-Endstand (90.+9). Danach war Party-Stimmung in Sinsheim angesagt. Die Begeisterung und der Jubel über den vorzeitigen, wenn auch rechnerisch noch nicht hundertprozentigen Klassenerhalt kannte keine Grenzen. Die TSG-Fans feierten die Mannschaft, Trainer Pellegrino Matarazzo wurde eine halbe Stunde nach dem Abpfiff lautstark von der Südkurve an den Zaun beordert, wo er das „Humba Täterä“ mit anstimmen musste. Bei der anschließenden Pressekonferenz sagte der Hoffe-Coach voller Erleichterung: „Wenn der Druck am höchsten ist, kann man die größten Emotionen feiern. Es tut dem Herz gut, wenn einen die Fans feiern. Die Jungs haben es sich verdient, sie haben sich belohnt. Aus dem Tal wieder herauszukommen, war brutal.“

 Jubel beim zweifachen Torschützen Andrej Kramaric
Hochmuth Rolladen & Sonnenschutz

Abstiegskampf war eine neue Erfahrung

Für Grischa Prömel war der Sieg gegen seinen ehemaligen Verein etwas besonderes: „Es fällt viel von uns ab. Wir genießen den Moment und saugen die Emotionen auf. Ich bin unfassbar glücklich, dass wir gewonnen haben. Wir haben immer zusammengehalten und gekämpft. Der Abstiegskampf war eine komplett neue Erfahrung für dieses Team. Wir wollen das Gefühl heute genießen und gegen Stuttgart zum Abschluss gewinnen.“

"Schwierigste Saison meiner Karriere"

Ein glücklicher zweifache Torschütze Kramaric: „Auch wenn es vielleicht mathematisch noch nicht fix ist, haben wir den Klassenerhalt geschafft. Es war kein leichtes Spiel, für mich war es eine der schwierigsten Saisons in meiner Karriere. Heute haben wir verdient gewonnen und ein gutes Spiel gezeigt. Von der ersten Minute an haben wir alles gegeben. Die Fans haben uns klasse unterstützt. Wir waren komplett fokussiert und haben insbesondere in der ersten Hälfte eine starke Leistung gezeigt. Heute dürfen wir feiern.“ Neben aller Euphorie ging der Blick des Kroaten in die Zukunft: „So eine Saison wollen wir nicht wiederholen, sondern wieder an die alten Zeiten anknüpfen. Nächste Woche in Stuttgart wollen wir Mentalität zeigen und an die heutige Leistung anknüpfen.“

"Haben es redlich verdient"

TSG-Sportdirektor Alexander Rosen sagte nach dem Spiel bei Sky„Wir haben es uns am Schluss redlich verdient. Aber wir müssen auch ganz selbstkritisch sagen, dass wir uns als TSG Hoffenheim mit dieser Mannschaft, mit dieser Qualität, grundsätzlich nicht darüber freuen sollten, wenn wir am 33. Spieltag den Klassenerhalt schaffen. Auf der anderen Seite muss man auch sagen, wir sind gestartet nach zehn Spieltagen auf Platz vier, gewinnen dann kein Spiel mehr. Wie wir aus der Situation wieder herausgekommen sind, das ist eine besondere Leistung und da bin ich sehr stolz auf dieses Team.“

 Trainer Pellegrino Matarazzo wurde von den Fans an den Zaun beordert

Imprimatur GmbH

Das Zittern im Derby bleibt der TSG erspart

Beim Saisonfinale am nächsten Samstag um 15:30 Uhr gastiert die TSG im baden-württembergischen Nachbarschaftsduell beim VfB Stuttgart, während sich die „Eisernen“ in einem spannenden Fernduell mit dem punktgleichen SC Freiburg (beide 59 Zähler/Union vier Tore besser) um einen Champions League-Platz duellieren. Die Erleichterung bei den Hoffenheimern ist groß, dass man sich am Finalspieltag im Derby in Stuttgrat das große Zittern um den Klassenerhalt ersparen konnte.

Statistik:

TSG Hoffenheim: Baumann – Ozan Kabak, Brooks, Akpoguma (70. Bicakcic) – Becker, Geiger (60. Rudy), Angelino – Prömel, Kramaric– Baumgartner (65. Dabbur), Bebou
Union Berlin: Rönnow – Doekhi, Jaeckel (80. Jordan), Leite (46. Baumgartl) – Trimmel (69. Juranovic), Khedira, Roussillon – Thorsby (46. Laidouni), Haberer (69. Leweling) – Becker, Behrens
Tore: 1:0 Bebou (23.), 2:0 Kramaric (36., Foulelfmeter), 2:1 Doekhi (45.+4), 3:1 Kramaric (90.), 3:2 Laidouni (90.+5), 4:2 Dabbur (90.+9)
Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle)
Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)

Fotos: Kraichgaufoto

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TSV Dühren feiert als erster B-Ligist den Kreispokalsieg
Strittige Schiri-Entscheidung und Traumtor beim Außenseitersieg
Donnerstag, 18. Mai 2023

Der neue Kreispokalsieger 2023 des Fußballkreises Sinsheim heißt TSV Dühren. Der Tabellenführer der Kreisklasse B1 siegte vor knapp 900 Zuschauern im Sinsheimer Helmut-Gmelin-Stadion gegen den Kreisligisten SV Rohrbach/S. 1:0. Das Tor des Abends erzielte in der 17. Minute Spielertrainer Rico Unser mit einem fulminanten Distanzschuss in den Torwinkel. Die Freude und Begeisterung beim unterklassigen Außenseiter war nach dem Abpfiff über den ersten Pokalerfolg der Vereinsgeschichte riesengroß. Die Fans stürmten den Platz und feierten ihre Pokalhelden, dabei wurden auch Bengalos gezündet, es floss reichlich Bier und die eigens angefertigten Pokalsieger-Shirts wurden übergezogen.

Freud und Leid lagen dicht beisammen

Dühren feierte – Rohrbach trauerte. Die Enttäuschung beim SVR, der in der Favoritenrolle eine schwache Saison mit einem Finalsieg vergessen machen wollte und am Ende nach schwacher Leistung mit leeren Händen dastand, war groß. Dabei flossen auch Tränen und die Blicke der Spieler gingen in einer Art Tunnelblick ins Leere. SV-Vorstand Wolfgang Mrasek brachte es kurz vor Mitternacht im Vereinsheim treffend auf den Punkt: „Dieses Finale war ein Spiegelbild unserer ganzen Saison.“ Während die Verlierer nach dem verpassten fünften Pokaltitel im Vereinsheim „Restaurant zur Rosenbrücke“ bei Schnitzel, Pommes und Kuchen ihren Ärger und ihre Enttäuschung versuchten zu verdauen, stieg im acht Kilometer entfernten Dühren im griechischen Vereinslokal die Pokalparty bei lauter Musik bis früh in den Himmelfahrtsmorgen.

 Die Spieler des TSV Dühren jubeln nach dem Führungstreffer von Rico Unser

Kraichgaufoto

Strittige Szene: Rot oder nicht Rot

Zum Spiel: Bei optimalen äußeren Bedingungen erwies sich der Finalspielort als perfekte Lösung. Das wegen des Fohlenmarkts befürchtete Parkplatzproblem wurde bestens gelöst, zumal viele Zuschauer bei ihrer Anreise aufs Auto verzichteten. Die Rahmenbedingungen passten, der gastgebende SV Sinsheim hatte viele fleißige Helfer im Einsatz. Das Spiel begann schleppend, beide Mannschaften scheuten das Risiko, der Respekt vor dem Gegner war erkennbar.  Die erste Torannäherung gab es nach zwölf Minuten, als Carlos Thier knapp übers Rohrbacher Tor schoss. Dann wurde es plötzlich hektisch: Ein weiter Ball in die gegnerische Hälfte landete bei SV-Stürmer Philipp Öhler, der in Richtung Tor stürmte und dabei vom weit aus seinem Tor herauseilenden Torhüter Tim Wacker zu Fall gebracht wurde (15.). Im Nachhinein eine vielleicht spielentscheidende Szene, denn Schiedsrichter Dominik Fuhrig ließ Gnade vor Recht gewähren und zückte „nur“ Gelb für den Schlussmann. Für viele Zuschauer eine klare Fehlentscheidung, denn sie sahen in dem Foulspiel eine Notbremse des letzten Mannes. Der Unparteiische zu dieser Szene nach der Partie gegenüber bwa-sport.de„Der Torwart war in der Szene nicht der letzte Mann. Für mich war es daher keine Notbremse, da noch zwei Mitspieler hinter bzw. auf seiner Höhe waren, die hätten eingreifen können. Das einzige, wo ich überlegt hatte Rot zu geben, war sein hartes Einsteigen. Schließlich habe ich mich für Gelb entschieden und denke, dass dies die richtige Entscheidung war.“

Traumtor von Unser bringt TSV in Führung

Nur zwei Minuten später gelang dem TSV durch Unser die Führung. Der ehemalige, langjährige Rohrbacher Defensivspieler fasste sich ein Herz und traf von halblinks mit einem leicht abgefälschten 25-Meter-Distanzschuss in den rechten Torwinkel (17.). Jetzt nahm die Partie an Fahrt auf, denn auf der anderen Seite verhinderte Torhüter Wacker den möglichen Ausgleich, als er einen 20-Meter-Freistoß von Christian Heinlein aus dem Torwinkel fischte (20.). Nach diesen aufregenden fünf Minuten flachte die Partie zunehmend ab. Dühren zog sich weiter zurück und Rohrbach rannte plan- und ideenlos an. Torraumszenen blieben auf beiden Seiten Mangelware. Bis auf zwei Halbchancen für die Dührener durch Marvin Ziegler (43.) und Kevin Frei (45.) blieb es bei der knappen Pausenführung.

 TSV-Keeper Wacker fischt den Freistoß von Heinlein aus dem Torwinkel

Schreinerei Schock

Rohrbach fehlt es an Durchschlagskraft

Auch in der zweiten Hälfte änderte sich zunächst wenig am Spielgeschehen. Der TSV stand gut sortiert in der Defensive, verteidigte kämpferisch und leidenschaftlich gegen harmlos anrennende Rohrbacher, die in der Offensive die Durchschlagskraft völlig vermissen ließen. Dühren versuchte es immer wieder mit Kontern und hatte nach knapp einer Stunde durch Noah Ottenthal eine Möglichkeit, doch sein Schuss konnte kurz vor dem Tor gerade noch von Sebastian Gehrig abgewehrt werden (58.). Die Heger-Truppe suchte, fand aber kaum eine Lücke in der dichtgestaffelten gegnerischen Hintermannschaft. Die beste Möglichkeit hatte dabei Abwehrspieler Markus Brecht, als er nach einer Ecke knapp übers Tor köpfte (78.). In der immer hektischer werdenden Schlussphase gingen die Blau-Weißen angesichts der drohenden Niederlage volles Risiko und drängten den TSV in dessen Strafraum. Doch alle Bemühungen dabei scheiterten, der B-Ligist besaß in den meisten Aktionen die Lufthoheit und setzte in den Schlussminuten durch Konter vereinzelt Nadelstiche. Torjäger Dominik Schock hatte in der 90. Minute die Entscheidung auf dem Fuß, als er das leere Tor aus der Entfernung knapp verfehlte.

Stürmischer Keeper

In einer turbulenten Nachspielzeit hielt es auch Rohrbachs Torhüter Nico Romig nicht mehr hinten. Dabei bewies er auch Stürmerqualitäten, als er zwei Gegenspieler an der Strafraumgrenze ausspielte, jedoch beim Torschuss von einem eigenen Mitspieler im dichten Gedränge gestört wurde. Schließlich blieb es beim knappen und in der Gesamtsumme verdienten Sieg des Außenseiters, der in eineinhalb Wochen mit der möglichen Meisterschaft das Double perfekt machen kann.

 Ausgelassene Pokalsiegerfeier des TSV Dühren

Stimmen nach dem Spiel:

Johannes Schinko (Fußballkreisvorsitzender): „Spielerisch hatte ich mehr erwartet, vor allem von Rohrbach. Der SV hat mich im Spiel nach vorne sehr enttäuscht, konnte sich kaum Chancen erspielen. Dühren stand in der Defensive sehr stabil und hatte am Ende mehr investiert und ist deshalb verdienter Sieger“.

Joachim Heger (SV-Trainer): „Die Schiedsrichterleistung war für mich enttäuschend und eines Finales nicht würdig. Bezeichnend die Szene, als er Dührens Torhüter nach dessen Foulspiel nicht vom Platz stellte. Wenn er auf Foulspiel entscheidet, dann muss er Rot geben - das war eine krasse Fehlentscheidung. Ansonsten war es von uns heute viel zu wenig, wir konnten uns kaum Torchancen erspielen. Wir rannten unkontrolliert und planlos an. Nach meiner vierten Finalniederlage ist die Enttäuschung natürlich groß. Dennoch großes Lob an unsere Fans, vor allem an die vielen Jugendliche, die eine tolle Stimmung gemacht haben.“

Rico Unser (Spielertrainer TSV Dühren): „Wir hatten ganz wenig Spielanteile, das war uns aber bewusst. Wir sind sehr tief gestanden und hatten Glück, dass unser Torhüter nicht vom Platz flog. Da hätte man Rot geben können, ja sogar müssen. Für mich war es natürlich etwas besonderes, dass ich mit dem Tor gegen den Ex-Verein das Spiel entscheide. Der Blick geht nach dem Feiern voll und ganz in Richtung Meisterschaftsendspurt.“

Lukas Authenrieth (SV-Kapitän): „Wir haben in der 1. Hälfte kaum Chancen kreiert. Im zweiten Abschnitt waren wir zwar spielbestimmend, aber der letzte Ball in den Sturm kam nicht an. Das Spielglück mit dem Sonntagsschuss war heute auf des Gegners Seite. Rückblickend war es eine enttäuschende Runde, in der wir immer wieder mit großem Verletzungspech zu kämpfen hatten.“

Tim Wacker (TSV-Torhüter): „Zu der strittigen Szene kann ich nur sagen, dass ich den Gegenspieler und auch den Ball erwischt habe. Hinter mir waren aber noch zwei Mitspieler, so dass es keine Notbremse war. Ich selbst habe wegen der Intensität in dieser Aktion damit gerechnet vom Platz zu fliegen. Das Glück war heute auf unserer Seite, der Finalsieg ist einfach eine geile Sache. So etwas vergisst man nie im Leben.“

Jürgen Habich (Rohrbachs ehem. Spielertrainer und Pokalheld von 1992): „Bei mir fehlte die Verbindung in der Rohrbacher Mannschaft. Ein Zusammenhalt, eine Einheit im Spiel war nicht erkennbar. Dühren war spielerisch in vielen Aktionen einfach besser. Für mich war die Aktion vom TSV-Torhüter kein Rot, denn er spielte in der Aktion auch den Ball. Ich hätte ihm nur Rot wegen Dummheit in dieser Situation gegeben.“

Fotos: BWA

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Ein Sieg muss her – alles andere könnte ganz eng werden
Die TSG Hoffenheim hat es weiterhin selbst in der Hand
Donnerstag, 18. Mai 2023

Die TSG Hoffenheim kämpft auf der Bundesliga-Zielgeraden - zwei Spieltage vor Saisonende -  weiter um den Klassenerhalt. Nach der vermeidbaren 1:2-Niederlage in Wolfsburg geht das Zittern im Bundesligadorf nach wie vor weiter. Auch wenn die TSG in der Autostadt eine ordentliche Leistung bot und spielstatistische Vorteile für sich verbuchen konnte, waren am Ende die Wölfe bissiger und wie beim 2:1-Hinsieg effektiver und kaltschnäuziger.

Eine Niederlage, die nicht hätte sein müssen

TSG-Trainer Pellegrino Matarazzo sprach zu Recht von einer „unnötigen Niederlage“. Ärgerlich war zudem, dass Stürmer Munas Dabbur nach knapp einer Stunde freistehend vor dem VfL-Tor eine hundertprozentige Torchance beim Stande von 0:1 leichtfertig vergab. Mittelfeldspieler Christoph Baumgartner zu dieser womöglich entscheidenden Aktion: Hätten wir den Ausgleich erzielt, wäre das Spiel vielleicht nochmal anders gelaufen.“

 Für Grischa Prömel hat die Partie gegen seinen Ex-Verein Endspiel-Charakter
Hochmuth Rolladen & Sonnenschutz

Dichtes Gedränge im Tabellenkeller

Es war nicht die erste klare, spielentscheidende Chance, die die Kraichgauer in den letzten Wochen leichtfertig vergaben und so unnötig Punkte verschenkten. Gerade im aktuell nervenaufreibenden, hartumkämpften Abstiegskampf kann sich dies am Ende böse rächen. Tabellarisch stehen die Blau-Weißen weiterhin über den Abstiegsrängen. Der Abstand auf den Relegationsplatz, den der FC Schalke 04 einnimmt, beträgt zwei Punkte, der VfB Stuttgart - letzter Gegner am 34. Spieltag -  liegt mit drei Punkten hinter Hoffe auf dem direkten Abstiegsplatz 17.

Zwei Partien mit Endspiel-Charakter

Beim letzten Saisonheimspiel am Samstag um 15:30 Uhr gegen Union Berlin wird für die Kraichgauer ein Sieg zur Pflichtaufgabe, um nicht unnötig am letzten Spieltag beim ungeliebten Nachbarn in der Landeshauptstadt noch zittern zu müssen. Baumgartner gibt fürs Saisonfinale klar die Richtung vor: „Wir haben noch zwei Partien mit Endspiel-Charakter und müssen diese gewinnen. Wir müssen fokussiert sein und hart im Training arbeiten, um bereit für die nächste Aufgabe zu sein. Union wird ein starker Gegner, aber wir glauben an uns.“

„Haben es selbst in der Hand“

In die gleiche Kerbe stößt Teamkollege Grischa Prömel, der fünf Jahre lang für Union spielte und mit ihnen 2019 in die Bundesliga aufstieg: „Wir müssen noch aggressiver sein, das Feld kompakter halten und noch besser in die Zweikämpfe kommen. Nächste Woche haben wir die Chance, das direkt umzusetzen. Wir müssen nun fokussiert arbeiten und haben alles selbst in der Hand. Union hat einen super Lauf, aber wir spielen zu Hause und wollen dreifach punkten.“

 Munas Dabbur (li.) - hier gegen den Unioner Robin Knoche - vergab zuletzt einige klare Tormöglichkeiten

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Vorzeitige Rettung ist möglich

Die Matarazzo-Elf kann sich bei einem Dreier gegen die Köpenicker vorzeitig retten, wenn mindestens zwei der drei folgenden Ereignisse eintreten: Bochum verliert, Schalke gewinnt nicht, Stuttgart gewinnt nicht. Bei einem Remis wäre immerhin der direkte Abstieg ausgeschlossen, wenn der schwäbische Nachbar verliert. Matarazzo hält von solch Rechenspielchen wenig: „Mein Fokus liegt auf der nächsten Partie gegen Union Berlin. Für mich sind die Resultate auf den anderen Plätzen nicht wichtig. Wir werden auf Sieg spielen, egal wie es bei den anderen Vereinen steht. Uns interessieren keine Spielansetzungen. Ich achte auf die 90 Minuten meiner Mannschaft am Samstag und will den Fokus nicht verlieren.“

Schwerer Gegner - möglicher Klassenerhalt

Der Hoffe-Coach weiß um die Schwere der nächsten Aufgabe: „Gegen Union kann keine Mannschaft spielerisch glänzen. Sie sind ein ganz besonderer Gegner, daher brauchen wir einen effektiven Auftritt. Sie stehen defensiv kompakt und haben ein sehr gutes Konterspiel. Dazu ist Union stark bei Standardsituationen. Es ist kein Zufall, dass sie so weit oben stehen, sie haben sich enorm weiterentwickelt.“ Für Matarazzo könnte bereits dennoch am Samstag eine Entscheidung fallen: „Der Wunsch ist groß, über die Ziellinie zu gehen. Dazu haben wir am Samstag die Möglichkeit. Es liegt nicht nur an uns, aber wir können einen sehr großen Schritt machen. Wir wollen am Wochenende den Klassenerhalt feiern. Wir müssen erkennen, dass es keine Zeit mehr zum Hadern gibt. Wir müssen aufstehen und unsere Chance nutzen.“

 Für TSG-Coach Pellegrino Matarazzo war die Niederlage in Wolfsburg völlig unnötig. Jetzt ruhen die Hoffnungen auf einem Sieg im letzten Heimspiel.

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Die Eisernen wollen in die Königsklasse

Auch für die Hauptstädter steht einiges auf dem Spiel. Der aktuell Tabellenvierte möchte sich als 15. deutscher Verein in den illustren Kreis der Champions League-Teilnehmer einreihen. Bei drei Punkten Vorsprung auf den Fünften SC Freiburg und nur einem Zähler Rückstand auf den Dritten RB Leipzig (spielen bei den Bayern) sind die Chancen für eine Teilnahme an der nächstjährigen Königsklasse groß. Die Eisernen spielen eine bärenstarke Saison, haben mit 59 Punkten zwei Spieltage vor Saisonende bereits eine Vereinsbestmarke aufgestellt. Ein kleiner Vorteil für Hoffenheim ist, dass die an der Alten Försterei noch ungeschlagenen Berliner alle ihre sieben Saisonniederlagen auswärts kassierten und daher in der Ferne leicht verwundbar sind.

Hoffe kann im Direktvergleich ausgleichen

Nachdem die Nordbadener ihre ersten beiden Bundesligaduelle gegen die Fischer-Schützlinge für sich entscheiden konnten, blieben sie in den vergangenen fünf Duellen bei drei Niederlagen und zwei Unentschieden gegen sie ohne zählbaren Erfolg. Personell müssen die Gastgeber auf Kevin Vogt und Pavel Kaderabek verzichten, dazu fehlt Stanley Nsoki noch gesperrt. Einsätze von Robert Skov, Dennis Geiger und Ozan Kabak sind noch fraglich.

Die Spannung steigt

Ein spannender vorletzter Bundesliga-Spieltag steht bevor - dabei sind noch viele Entscheidungen im oberen und unteren Tabellenbereich offen. Am Ende wird neben der sportlichen Qualität mit Sicherheit auch das nötige Glück eine entscheidende Rolle spielen.

Fotos: Kraichgaufoto

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Eine Kraftprobe für die Freundschaft
Zwischen den Pokalfinalisten Rohrbach und Dühren gibt es viele Verbindungen
Mittwoch, 17. Mai 2023

Der Verlierer wird das Handy ein paar Tage auslassen, da sind sich beide einig. Der Rohrbacher Jürgen Bauer und der Dührener Reiner Schock sind eigentlich beste Freunde. Am Mittwoch ab 19.30 Uhr ruht ihre Freundschaft fürs Kreispokalfinale, wenn Kreisligist SV Rohrbach/S. im Sinsheimer Helmut-Gmelin-Stadion auf den B1-Tabellenführer TSV Dühren trifft. „Es ist das erste Pflichtspiel, das unsere Beziehung auf die Probe stellt“, sagt Bauer, der sich ums Rohrbacher Marketing kümmert, selbst als Trikotsponsor fungiert.

Die Söhne stehen sich gegenüber

Beide haben sich einst kennengelernt, als Bauer Schocks Sohn Dominik in der Rohrbacher Jugend trainierte. Nun stehen die Söhne sich im Finale gegenüber. Mittelfeldmann Dennis Bauer (23) im Rohrbacher Trikot, Dominik Schock (22) ist Dührens Torjäger, hat 33 Tore in 26 Ligaspielen erzielt. „Man ist natürlich auch noch mal anders dabei, wenn der eigene Sohn mitspielt“, sagt Reiner Schock. Der Schreinermeister lebt und wohnt direkt am Dührener Sportplatz. „Da ist die Verbundenheit automatisch da“, sagt der 52-Jährige, der seinem Heimatverein auch schon den ein oder andern Trikotsatz spendiert hat.

 Das Fußball-Duell tragen die Söhne aus: Der Dührener Reiner Schock (li.) und der Rohrbacher Jürgen Bauer haben es beim Armdrücken in den Vereinstrikots belassen.

Als Hoffenheim verlor

Jürgen Bauer kickte einst selbst für den SVR, er gehörte zu jener Mannschaft, die im Jahr 1992 als A-Ligist mit einem Finalsieg gegen eine gewisse TSG Hoffenheim erstmals den Kreispokal nach Rohrbach holte. 31 Jahre später soll der Sohnemann nun nachziehen. Allerdings unter anderen Voraussetzungen. Denn anders als 1992 ist der SV Rohrbach nun der Große, der Kreisligist. Der TSV Dühren der Kleine. Dazu existieren eben viele Querverbindungen rechts und links der Autobahn 6. In vielerlei Hinsicht ist man sich näher als die acht Kilometer, die beide Teilorte trennen. Auch für Rohrbachs Trainer Joachim Heger ist es kein normales Finale. „Man kennt sich natürlich besonders gut“, sagt Joachim Heger, weil ein Dührener Trio lange Jahre die Rohrbacher Farben trug. Die mitspielenden Trainer Rico Unser und Marvin Ziegler verantworten den TSV Dühren seit der Saison 2020/21. Auch Christian Flaig war lange Jahre Rohrbacher, trägt nun aber Rot statt Blau.

 Die beidseitige Fußballbegeisterung gilt auch der TSG Hoffenheim, zu deren Europapokalspielen beide immer gemeinsam reisten.
Gardinen Schlenker

Klassenunterschied nur auf dem Papier

„Die Begeisterung und Euphorie bei den Jungs, dass es gegen einen Lokalrivalen geht, ist vor so einem Finale irgendwie nicht mehr so da wie früher“, sagt Jürgen Bauer. Die Erklärung liegt vielleicht darin, dass viele, die sich im Finale gegenüberstehen, eben auch schon gemeinsam in einer Mannschaft gespielt haben. Manche in der Jugend, manche bei den Aktiven. „Die Favoritenrolle müssen wir natürlich annehmen“, sagt Heger. Der Zwei-Ligen-Unterschied besteht für ihn jedoch nur auf dem Papier: „Das ist für mich kein normaler B-Ligist. Dühren würde auch in der Kreisklasse A oben mitspielen“, sagt er. Sein Team hingegen hat eine schwache Kreisligasaison gespielt. Mit einem Kreispokalsieg soll diese gerettet werden und versöhnlich enden.

Fokus auf den Aufstieg

Für den Außenseiter Dühren steht, wie für Rohrbach vor 31 Jahren, die Meisterschaft in der Kreisklasse B1 im Vordergrund. Der Plan, bereits als feststehender Aufsteiger in die A-Klasse ins Pokalfinale zu gehen, ist allerdings nicht aufgegangen. Die direkten Liga-Duelle gegen den SV Grombach (Dritter der B1) und den SV Sinsheim (Zweiter der B1) stehen nämlich nach dem Finale an. Für Rohrbach-Trainer Heger ist es bereits das siebte Sinsheimer Kreispokalfinale als Spieler und Trainer mit dem SV Rohrbach. Bisher mit ausgeglichener Bilanz von 3:3. Als der SVR vor ziemlich genau zehn Jahren zuletzt im Finale stand (0:2 gegen den TSV Michelfeld) agierten Rohrbachs Co-Trainer Heinlein und Dührens Trainer Rico Unser noch gemeinsam für den SV Rohrbach/S. auf dem Feld.

 Schock und Bauer gehörten viele Jahre zur Vorstandschaft des 1899-Fanclubs FUSSBALLFEUNDE BLAU-WEISS
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Der Gewinner spendiert ein Bier

Durch Jürgen Bauer ist Reiner Schock übrigens auch zum Business-Partner des SV Rohrbach/S. geworden. „Er gewinnt also auf jeden Fall. Egal, wie das Finale ausgeht“, sagt Jürgen Bauer und lacht. Klar ist: Der Gewinner gibt ein Bier aus. An der Theke des Vereinsheims des SV Rohrbach wäre Bauer dabei am liebsten. „Die Theke hat nämlich Schreinermeister Schock gebaut“, sagt Jürgen Bauer.

Pressebericht aus der Heilbronner Stimme (Redakteur Florian Huber)
Fotos: Huber und BWA

Junioren-Nationalspieler Beier und John kehren zur TSG zurück
Ausleihe beendet
Mittwoch, 17. Mai 2023

Maximilian Beier und Marco John kehren zur TSG Hoffenheim zurück. Die in der Akademie des Fußball-Bundesligisten ausgebildeten Spieler waren zuletzt an die Zweitligisten Hannover 96 (Beier) und Spvgg Greuther Fürth (John) ausgeliehen. Die Verträge der beiden deutschen Junioren-Nationalspieler laufen noch bis zum 30. Juni 2025. „Spielpraxis ist ein elementarer Baustein für die Entwicklung von Talenten. Dies hat sich auch wieder im Falle von Maxi und Marco gezeigt. Beide wurden nicht nur zu Stammspielern in der Zweiten Liga, sie vermochten bei ihren Klubs auch Akzente zu setzen“, sagt TSG-Direktor Profifußball Alexander Rosen. „Maxi und Marco sind zwei weitere Paradebeispiele für den Hoffenheimer Weg.“ 

 Maximilian Beier kehrt aus Hannover zurück zur TSG
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Zwei Kandidaten für den neuen Kader

Rosen freut sich auf zwei ebenso ehrgeizige wie veranlagte Spieler, denen er zutraut, im neuen TSG-Kader eine bedeutsame Rolle zu spielen. „Maxi Beier ist ein extrem schneller Stürmer, der nicht nur in der Offensive jederzeit für Gefahr sorgen kann, sondern er ist durch sein aggressives Anlaufverhalten auch prädestiniert dafür, den Gegner im Spielaufbau ständig zu stressen. Marco John hat bei uns bereits in der Bundesliga konstant und zuverlässig seine Leistung gebracht und er hat im vergangenen Jahr in Fürth noch einmal an Stabilität, Sicherheit und Selbstvertrauen gewonnen.“

 Nach der leihe zur SpVgg Greuther Fürth kehrt Marco John zurück nach Hoffenheim

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Außergewöhnlicher Top-Speed

Beier wurde zur Saison 2021/2022 nach Hannover ausgeliehen. In seinen bislang 66 Pflichtspielen für die 96er erzielte er 14 Tore und legte sieben weitere Treffer auf. Sein Top-Speed liegt laut aktueller Datenerfassung bei 36,43 km/h – in der Bundesliga weisen nur Alphonso Davies (FC Bayern), Moussa Diaby (Bayer Leverkusen), Sheraldo Becker (Union Berlin) und Karim Adeyemi (Borussia Dortmund) höhere Werte auf. John wechselte im August 2022 auf Leihbasis zum Zweitligisten Spvgg Greuther Fürth und gehörte bei den Franken direkt zum Stammpersonal. Für Fürth stand der Linksverteidiger in 23 Zweitligaspielen auf dem Platz und bereitete drei Treffer vor.
Vor ihren Leihen konnten sowohl Beier als auch John ihr Talent bereits bei der TSG unter Beweis stellen. Beier absolvierte für die Hoffenheimer Profis neun Bundesliga-Spiele und zwei Europa-League-Partien, bei denen er auch zwei Mal traf. Mit seinem Debüt am 21. Spieltag der Saison 2019/20 gegen den SC Freiburg (1:0) im Alter von 17 Jahren, drei Monaten und 22 Tagen wurde er damals zum jüngsten Bundesliga-Spieler der Hoffenheimer Klub-Historie. Mittlerweile wurde er in dieser Statistik von Tom Bischof (Alter bei seinem Debüt am 27. Spieltag der Saison 2021/2022: 16 Jahre und 263 Tage) überholt. John kommt für die TSG bisher auf 16 Bundesligaspiele und wurde in vier Europa League-Begegnungen (1 Assist) sowie einer Partie im DFB-Pokal eingesetzt. Im Herbst 2021 feierte er beim EM-Qualifikationsspiel in Lettland sein Debüt in der deutschen U21-Nationalmannschaft.

PM: TSG Hoffenheim
Fotos: Kraichgaufoto

Stadionmoderator Mike Diehl nimmt nach 20 Jahren Abschied
Die Stimme Hoffenheims ist gegen Union Berlin letztmals am Mikro
Dienstag, 16. Mai 2023

Am Samstag beim letzten Saisonheimspiel der TSG Hoffenheim gegen Union Berlin wird Mike Diehl zum letzten Mal in der Sinsheimer PreZero-Arena in seiner Funktion als Stadionmoderator für die Kraichgauer tätig sein. Der gebürtige und heute 59-jährige Oderwälder tritt von der großen Bundesligabühne ab. Ein Grund für bwa-sport.de mit ihm im Vorfeld auf seine langjährige Tätigkeit zurückzublicken.

Mike, Du wirst am Samstag gegen Union Berlin letztmals für die TSG als Stadionmoderator tätig sein. Was sind Deine Beweggründe für das seit längerem schon angekündigte Ende?
Mike Diehl: Ich habe immer gesagt: Wenn ich mal 20 Jahre als Stadionsprecher dabei bin und ein fast biblisches Alter von 60 Jahren erreicht habe, möchte ich an einen Jüngeren weitergeben.

"Bleibe dem Verein erhalten"

Du bleibst der TSG als Leiter der Abteilung Charity und Soziales erhalten. Was genau zählt ab Sommer zu Deinen neuen Aufgaben?
Diehl: Die Abteilung Charity und Soziales bietet vielfältige Aufgaben, die oft auch mit der Dietmar-Hopp-Stiftung in Verbindung stehen. Anfragen in diese Richtung, die direkt an Herrn Hopp adressiert sind, landen dann beispielsweise bei mir. Darüber hinaus organisiere ich mit einem kleinen Team an Rentnern Stadionführungen. Außerdem organisiere ich Veranstaltungen im Fanhaus und am Spieltag selbst werde ich auch noch das ein oder andere übernehmen.

 "Daumen hoch" in Richtung TSG-Fans - für Mike Diehl ist am Samstag Schluß

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Erster Einsatz war bei der Pokalsensation gegen Leverkusen

Ein Markenzeichen war stets Deine Kappe. Was hatte es damit auf sich?
Diehl:
 Ich fühle mich einfach wohl damit und mit meiner Glatze ist es mit der Kappe angenehmer. Ab und an zieht es da unten am Spielfeldrand ja schon etwas. (lacht)

Deinen Einstand hast Du beim legendären Pokalspiel gegen Bayer 04 Leverkusen am 2. Dezember 2003 gefeiert. Der Kraichgauer Regionalligist warf den damaligen Champions League-Finalisten mit 3:2 aus dem DFB-Pokal.
Diehl:
 Damals war ich noch nicht Stadionsprecher der TSG, sondern als Sportchef von Radio Regenbogen vor Ort. Ich habe vor dem Spiel Interviews mit TSG-Offiziellen geführt, unter anderem auch Dietmar Hopp. Das war sozusagen mein erster Einsatz bei der TSG. Der damalige Stadionsprecher hieß Horst Heinlein, er ist heute noch Sprecher bei der U23 und unterstützt mich bei den Heimspielen in der PreZero Arena.

Fanwesen entwickelte sich von null auf hundert

Während des kometenhaften Aufstiegs der TSG warst Du auch fürs Fanwesen verantwortlich. Die Anzahl an neuen Fans und Fanclubs stieg 2008 gewaltig an. Rückblickend war dies völliges Neuland und eine Mammutaufgabe für Dich.
Diehl:
 Das war in der Tat eine Mammutaufgabe. Beim Aufstieg in die Zweite Liga waren wir zur viert oder zu fünft, dann ging es direkt weiter hoch in Liga eins. Wir kamen gar nicht mehr hinterher. Die Zeit war so arbeitsintensiv, ging aber gleichzeitig richtig vorbei – es hat unheimlich viel Spaß gemacht. Das Fanwesen hatte sich so schnell entwickelt, von null auf hundert innerhalb eines halben Jahres. Das war wirklich unglaublich, alles in allem aber eine wundervolle Zeit.

"Meine schwierigsten Momente"

Einer Deiner schwierigsten Momente war sicherlich vor dem Schalke-Spiel am Ostersonntag das Verkünden, dass mit Christiane Rienesl eine langjährige Kollegin verstorben ist. Du musstest Deine Durchsage mehrfach unterbrechen.
Diehl: 
Christiane war die Seele des Vereins. Wir haben von Beginn an sehr eng zusammengearbeitet, waren gemeinsam auf allen Heim- und Auswärtsspielen. Wir haben so viel zusammen erlebt, natürlich entwickelte sich daraus mehr als eine kollegiale Beziehung. Zusammen mit dem Tod von Peter Hofmann waren das für mich die beiden schwierigsten Momente in diesen 20 Jahren.

 Für Mike Diehl ist Dietmar Hopp (re.) der wichtigste Mann der Region, dem er auch vieles zu verdanken hat.
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"Damit hätte ich nie gerechnet"

Auch das letzte Heimspiel vor der Corona-Zwangspause gegen die Bayern, das wegen Beleidigungen in Richtung Dietmar Hopp drohte abgebrochen zu werden, wird bei Dir unvergessen bleiben.
Diehl: 
Ich stand alleine am Spielfeldrand und war mit dieser Situation völlig überfordert. Es gibt Richtlinien die man bei solchen Vorkommnissen zu beachten hat, spezielle Durchsagen beispielsweise, das musste ich dann alles irgendwie abspulen. Ich hätte es einfach nie für möglich gehalten, dass so etwas passieren könnte.

Liverpool bleibt unvergessen

Gibt es noch weitere außergewöhnliche Momente in den zurückliegenden 20 Jahren, die besonders haften geblieben sind?
Diehl:
 Ganz klar der Auswärtstrip nach Liverpool mit fast 4.000 TSG-Fans, das sind 1.000 Menschen mehr als Hoffenheim Einwohner hat. Das werde ich niemals vergessen. Auch unsere Fahrt als Zweitligist mit 58 Bussen zum Auswärtsspiel im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund. Und natürlich das erste Champions-League-Spiel gegen Manchester City zu Hause und den schnelle Führung.

Was hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten aus Deiner Sicht im Profifußball und Fanwesen am gravierendsten verändert?
Diehl: 
Alles ist viel schnelllebiger geworden. Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt, du musst höllisch aufpassen, was du sagst. Schon allein die Tatsache, dass die Spieler auf dem Platz oft mit vorgehaltener Hand kommunizieren, da ist mir etwas verloren gegangen.

Unterstützung für Hilfsbedürftige

Du beschäftigst Dich auch intensiv mit den sozialen Projekten der TSG. Was hat dies für einen Hintergrund?
Diehl:
 Familie Hopp ist sehr sozial aufgestellt und engagiert sich stark in der ganzen Region. Über die letzten 18 Jahre habe ich diese Abteilung nach und nach aufgebaut. Wir unterstützen sehr viele Vereine in der Region. Menschen, denen es aus verschiedensten Gründen nicht ganz so gut geht. Mit unserem Präsidenten Kristian Baumgärtner besuchen wir vor allem Richtung Weihnachten Kindergärten und Krankenhäuser, um den Menschen dort etwas Freude zu bereiten. Das alles steht unter dem Leitfaden der TSG.

 Mike Diehl bei der Moderation auf dem Spielfeld - links Sejad Salihovic

"Werde voller Adrenalin sein"

Am kommenden Samstag, den 20. Mai beim Heimspiel gegen Union Berlin wirst Du zum letzten Mal mit dem Mikro am Spielfeldrand stehen. Was geht im Vorfeld bei so einem bewegenden Moment in einem vor?
Diehl:
 Da werde ich zum einen so voller Adrenalin sein und nur das Spiel im Kopf haben. Zum anderen kann ich hoffentlich völlig entspannt sein, weil wir den Klassenerhalt schon fix gemacht haben.
Dass ich das dann zukünftig nicht mehr machen werde, daran denke ich in dem Moment aber noch nicht. Das kommt sicherlich dann erst zum ersten Heimspiel der neuen Saison, wenn ich nicht mehr da unten stehe und die Mannschaft ankündige.

Wer wird Dein Nachfolger und wirst Du ihn beim letzten Saisonheimspiel den Fans vorstellen?
Diehl: 
Bis zum ersten Heimspiel ist ja noch ein wenig Zeit. Wir haben mehrere Optionen, der Fokus liegt jetzt aber erst einmal vollkommen auf den letzten beiden Spieltagen und dem Klassenerhalt. In der Pause werden wir das Thema dann in Ruhe finalisieren.

Spontanes

Was fällt Dir zu folgenden Stichwörtern spontan ein?
Fanfeste in Oberhof: 

In der Regionalliga-Zeit wurden diese Treffen ins Leben gerufen. Dabei sollte die Mannschaft vor der Saison den Fans vorgestellt werden. Das Ganze fand auf einem Bauernhof in Oberhof statt, es wurde gegrillt und gefeiert – immer in sehr familiärer Atmosphäre.

Platzsturm beim Saisonfinale 2018 gegen Dortmund: …
Ich bin immer noch ziemlich verwundert, wie gut das funktioniert hat. Die Fans stürmten den Platz, ich bat sie per Durchsage auf Ihre Plätze zurückzukehren, damit die Mannschaft wieder in Ruhe herauskommen kann. Die Fans haben sich umgedreht und sind zurück auf die Ränge. Sowas geht auch nur bei Hoffenheim (lacht).

Champions League-Auftritte der TSG: …
Da muss ich ehrlich zugeben, das hätte ich mir niemals träumen lassen. Diese Erlebnisse bleiben unvergessen.

Dietmar Hopp: …
Der wichtigste Mann der Region, dem ich alles zu verdanken habe.

Welchen Gegner hast Du besonders gerne in Sinsheim begrüßt? …
Darmstadt 98 in der Bundesliga-Saison, das ist mein Heimatverein.

Dein persönlich größter Hoffe-Spieler seit 2008? …
Da möchte und kann ich keinen einzelnen Spieler herauspicken, in fast 20 Jahren kommen da so einige zusammen …

Mike, wir wünschen Dir für Deine weitere Zukunft alles Gute und sagen auch im Namen des bwa-sport-Teams vielen Dank für die gute, harmonische und vertrauensvolle Zusammenarbeit in den zurückliegenden Jahren.

Fotos: Kraichgaufoto und BWA

Weitere Fotos zum Bericht
  
Die TSG möchte in Wolfsburg Punkte für den Klassenerhalt entführen
Die Spannung im Saisonendspurt wird immer größer
Donnerstag, 11. Mai 2023

Wenn am 32. Bundesliga-Spieltag am Samstag um 15:30 Uhr der VfL Wolfsburg die TSG Hoffenheim empfängt, steht für beide Mannschaften drei Spieltage vor Saisonende einiges auf dem Spiel. Während die gastgebenden Wölfe noch um den Einzug ins internationale Geschäft kämpfen, geht es für die Kraichgauer darum, Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln. Beide Vereine verbindet, dass sie noch nie aus der höchsten deutschen Fußballliga abgestiegen sind - der VfL spielt seit 1997, die TSG seit 2008 ununterbrochen in der Bundesliga. Für Zocker, die gerne tippen: Vier der letzten fünf Duelle endeten mit einem 2:1, beide Teams siegten in diesem Zeitraum je zweimal mit diesem Ergebnis.

Fokus liegt voll auf Wolfsburg

Hoffenheims Trainer Pellegrino Matarazzo sagte auf der heutigen Pressekonferenz zur aktuellen Situation nach dem 3:1-Heimsieg über Eintracht Frankfurt: „Für uns hat sich nichts geändert. Wir kämpfen weiter um den Klassenerhalt und spüren weiterhin den Druck. Wir schauen nicht auf die anderen Plätze, sondern wir möchten unseren nächsten Sieg einfahren. Wir sind voll fokussiert auf Wolfsburg.“ In den bisherigen 29 Bundesligaduellen führt der VfL gegenüber der TSG mit 13:9 Siegen.

 In Top-Form präsentierte sich in den letzten Partien Hoffenheims Mittelfeldspieler Christoph Baumgartner
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Mit Energie und Leidenschaft auftreten

Nach zuvor zwei Niederlagen in Folge machte sich nach dem Sieg über Frankfurt etwas Erleichterung breit. Für Christoph Baumgartner, Hoffenheims Matchwinner gegen die Hessen, war es ein wichtiger Schritt in Richtung Klassenerhalt. Der österreichische Nationalspieler: „Es ist noch nichts entschieden. Wir wissen, dass wir mindestens noch einen oder zwei Schritte bis zum Klassenerhalt gehen müssen.“ Sein Tor zur 1:0-Führung gegen den Pokalfinalisten stufte er zu einem seiner drei wichtigsten Treffer ein: „Aufgrund der Brisanz war mein Kopfballtreffer ein enorm wichtiges Tor. Es war uns bewusst, wenn wir gegen Frankfurt, bei denen es in der Bundesliga zuvor nicht so gut lief, in Führung gehen, wird uns dies definitiv Energie geben.“ Der 23-jährige Publikumsliebling sagte zur bevorstehenden schweren Aufgabe: „Gegen Wolfsburg, die momentan sehr gut drauf sind, müssen wir mit der gleichen Energie und Leidenschaft auftreten, um etwas zu holen. Die Qualität bei uns ist vorhanden, wir müssen sie nur öfters abrufen und konstanter werden.“

"Es geht darum Spiele zu gewinnen, egal wie"

In diese Richtung tendiert auch Grischa Prömel, der nach einem Zusammenprall mit „Baumi“ am 13. Spieltag sich einen Knöchelbruch zuzog und jetzt ein halbes Jahr später wieder in alter Kämpfermanier im Mittelfeld rackert. Der 28-jährige lobte gegen die Hessen vor allem die defensiv kämpferische Herangehensweise seiner Mannschaft: „Wir haben in der zweiten Halbzeit sehr konzentriert mit Mann und Maus verteidigt. Das bin ich von der letzten Saison bei Union gewohnt, da war es häufiger so. Es macht Spaß, hier das gleiche Gefühl auf dem Platz zu haben. Jeder kämpft für den anderen, jeder wirft sich in die Zweikämpfe rein, alle haben super verteidigt.“ Für den gebürtigen Stuttgarter ist noch keine Vorentscheidung im Abstiegskampf gefallen: „Es ist erst durch, wenn es durch ist. Wir müssen weiter an uns arbeiten, das Frankfurt-Spiel war der Maßstab. Das muss in die Köpfe der Mannschaft. Es geht darum Spiele zu gewinnen, egal wie. Es muss nicht immer ansehnlich sein. Es gehört dazu, komplett geschlossen zu verteidigen, auch wenn es nicht jeder hier im Stadion gerne sieht, aber das ist Fußballsport.“

 Grischa Prömel zählte gegen Frankfurt zu den Aktivposten bei den Kraichgauern
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Hohe Bälle könnten entscheidend sein

Trotz der 0:6-Packung am vergangenen Spieltag in Dortmund, was zugleich die höchste Bundesliganiederlage war, befinden sich die Niedersachsen bei zuvor drei Siegen und einem Unentschieden in guter Form. Das Team von Trainer Nico Kovac wirkt sehr gefestigt und konnte bereits acht Mal nach Rückständen noch punkten. Diesem Liga-Topwert steht jedoch die schlechteste Bilanz bei Gegentreffern nach Flanken gegenüber. Während die Wolfsburger in dieser Kategorie bereits zwölf Gegentore einstecken mussten, konnten die Hoffenheimer bereits zehn Tore nach Flanken erzielen.

"Sie werden mit viel Energie auftreten"

Trainer Matarazzo erwartet einen sehr motivierten Gegner: „Wolfsburg hat eine individuelle Qualität. Defensiv spielen sie häufig ein höheres Pressing, sie werden nach der 0:6-Niederlage in Dortmund sicher eine Reaktion zeigen wollen. Das Team kämpft um Europa, sie werden mit viel Energie auftreten.“

 Für John Anthony Brooks kommt es am Wochenende zum Wiedersehen mit seinem Ex-Verein
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Brooks-Rückkehr

Für Winterneuzugang John Anthony Brooks, der in der zweiten Saisonhälfte zweikampfstärkster Hoffenheimer ist, wird es am Wochenende eine Reise in die Vergangenheit. In der Autostadt schnürte er von 2017 bis 2022 in 126 Erstligaspielen für die Grün-Weißen die Fußballschuhe. Personell kommt es bei der TSG am Samstag zu geringfügigen Veränderungen: Kevin Vogt (Schleimbeutelfalte) und Pavel Kaderabek (muskuläre Verletzung) fallen weiterhin verletzt aus. Stanley Nsoki ist nach seiner Roten Karte aus dem Frankfurt-Spiel gesperrt, dafür kehrt Kevin Akpoguma nach seiner Gelbsperre wieder zurück.

Nur 300 Ausfährtsfans dabei

Die Gruppe der Auswärtsfahrer ist bei diesem Spiel, auch was die Bedeutung anbelangt, überraschend klein. Nur 300 TSG-Fans werden sich auf die Reise in die Autostadt begeben.

Fotos: Kraichgaufoto

Weitere Fotos zum Bericht
 
Hoffenheim siegt mit viel Kampf und Leidenschaft 3:1 über Frankfurt
Rassiges, packendes und emotionales Duell mit zwei Platzverweisen
Samstag, 6. Mai 2023

Die TSG Hoffenheim hat sich mit einem 3:1-Heimerfolg über Eintracht Frankfurt drei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt gesichert. Vor zum dritten Mal in Folge ausverkauftem Haus, darunter schätzungsweise 8.000 Eintracht-Fans, brachte Baumgartner die Kraichgauer in Führung (8.). Kurz vor der Halbzeitpause erhöhten Kramaric per Elfmeter (41.) und Bebou (45.+3) auf 3:0. Als nach dem Wechsel Hoffenheims Nsoki die Rote Karte (47.) sah, verkürzte wenig später Frankfurt durch Götze auf 1:3 (54.). Die Hoffenheimer belegen nach dem 31. Spieltag Tabellenplatz 14, vier Punkte vor dem Relegations- bzw. einem direkten Abstiegsplatz.  

 Baumgartner (li.) bringt die TSG per Kopfball 1:0 in Führung
kfzzentrumfluehr

"Baumi" sorgt für den Energieschub

Die Gastgeber kamen sehr engagiert in die Partie und gingen früh durch Baumgartner in Führung. Nach einer Flanke von Geiger stand der Österreicher goldrichtig und drückte aus kurzer Distanz den Ball mit dem Kopf über die Linie (8.). Für Publikumsliebling „Baumi“ war es bereits das siebte Saisontor und das vierte mit dem Kopf. „Das erste Tor heute war extrem wichtig, es war ein brutaler Energieschub für uns“, sagte der 23-Jährige nach dem Abpfiff.

Kramaric trifft vom Punkt

Die Gastgeber setzten nach und hatten durch Kramaric in dessen 250. Bundesligaspiel die große Chance zum Erhöhen. Auf Vorarbeit von Bebou kam der Kroate zum Torabschluss, aber Eintracht-Keeper Trapp konnten den Ball gerade noch an die Unterkante der Querlatte lenken (35.). Nachdem auf der anderen Seite Weltmeister Götze das lange Eck anvisiert, konnte Kabak kurz vor der Linie gerade noch retten (37.). In den Schlussminuten vor der Pause ging es nochmals hoch her. Nachdem sich Baumgartner im Strafraum zwischen die beiden Japaner Kamada und Hasebe durchgedribbelt hatte, kam er dabei zu Fall und Schiri Osmers entschied, trotz heftiger Proteste der Hessen, auf Strafstoß. Kramaric verwandelte sicher und brachte sein Team 2:0 in Führung (41.).

 Dabbur (li.) im Zweikampf mit Götze

Glasner muss auf die Tribüne - Bebou erhöht auf 3:0

Kurz darauf schickte der Unparteiische Frankfurt-Trainer Glasner, der einen zweiten Ball aufs Feld geschossen hatte, mit Rot auf die Tribüne. In dieser hektischen, aufgeladenen und heißen Phase behielten die Gastgeber die Übersicht und erhöhten in der Nachspielzeit der ersten Hälfte durch Bebou auf 3:0. Auf Flanke von Angelino drückt der togolesische Nationalspieler den Ball aus kurzer Distanz über die Linie (45.+3).

Nsoki fliegt vom Platz - Götze trfft zum 1:3

Die zweite Hälfte begann, wie die Erste geendet hatte. Die Emotionen auf beiden Seiten stiegen weiter an. Nach einem unbeabsichtigten hohen Bein im Zweikampf in Richtung Gesicht von Aaronson flog TSG-Verteidiger Nsoki mit Rot vom Platz (48.). In Überzahl machte der Pokalfinalist nun mächtig Druck und konnte durch Nationalspieler Götze per Abstauber auf 1:3 verkürzen (54.).

TSG bringt Führung über die Zeit

Frankfurt drängte den Gegner zwar verstärkt in die Defensive, konnte dabei aber kaum klare Toraktionen erspielen. Nachdem Angelino einen 22-Meter-Freistoß knapp neben das Eintracht-Tor setzte (63.), verfehlte Frankfurts Torjäger Kolo Muani mit einem Distanzschuss knapp das Hoffe-Tor (84.). Schließlich blieb es in einem spannenden, temporeichen und umkämpften Nachbarschaftsduell, bei dem beide Fanlager mächtig Stimmung machten, beim 3:1-Sieg der Blau-Weißen, die im nervenaufreibenden Abstiegskampf Boden gutmachen konnten.

 Brooks steigt am höchsten, kommt aber im Frankfurter Strafraum zum Köpfen
silvio

Fußball ist sexy

Für TSG-Trainer Matarazzo war es ein verdienter Sieg: „Wir können mit Drucksituationen umgehen, das haben wir schon mehrmals gezeigt. Die Jungs wollen, das spürt man.“ Prömel, der nach seinem Comeback eine starke Leistung bot, sagte zu seiner Stimmungslage: „Wir müssen weiterarbeiten, das Spiel ist der Maßstab, das muss in die Köpfe. Es geht nur darum, die Spiele zu gewinnen, egal wie – auch wenn das vielleicht nicht immer ansehnlich ist. Wir sind Profis und werden dafür bezahlt, Spiele zu gewinnen. Erfolgreicher Fußball ist sexy.“

Statistik:

TSG Hoffenheim: Baumann – Ozan Kabak, Brooks, Nsoki – Bebou, Geiger, Angelino – Kramaric (78. Becker), Prömel (90.+6 Tohumcu) – Baumgartner (78. Dolberg), Dabbur (51. Bicakcic)
Eintracht Frankfurt: Trapp – Ndicka, Hasebe, Toure (55. Borre) – Buta (83. Knauff), Kamada, Sow (73. Ebimbe), Lenz (73. Alidou) – Lindström (46. Aaronson), Götze – Kolo Muani
Tore: 1:0 Baumgartner (8.), 2:0 Kramaric (41.), 3:0 Bebou (45.+3), 3:1 Götze (54.)
Besondere Vorkommnisse: Rote Karte gegen Frankfurt-Trainer Glasner (45.+1), Rote Karte gegen Nsoki (47.)
Schiedsrichter: Osmers
Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)

Am kommenden Samstag gastiert die TSG um 15:30 Uhr beim VfL Wolfsburg.

Fotos: Kraichgaufoto

Weitere Fotos zum Bericht
        
TSG Hoffenheim unter Druck - Gegen Frankfurt zählt nur ein Sieg
TSG empfängt im vorletzten Heimspiel den hessischen Pokalfinalisten
Donnerstag, 4. Mai 2023

Im vorletzten Saisonheimspiel empfängt die TSG Hoffenheim am Samstag um 15:30 Uhr in Sinsheim den hessischen Nachbarn Eintracht Frankfurt. Nach zwei Niederlagen in Folge müssen die Kraichgauer nun alles in die Waagschale werfen, um nicht noch tiefer in den Bundesliga-Abstiegssog zu geraten. Bei nur einem Punkt Vorsprung auf den Relegations- und zwei Zähler vor einem direkten Abstiegsplatz ist die TSG gegen den DFB-Pokalfinalisten zum Siegen verdammt. TSG-Trainer Pellegrino Matarazzo zeigt sich zuversichtlich: „Wir haben bereits gezeigt, dass wir aus schwierigen Phasen herauskommen können. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir wieder einen Schritt nach vorn gehen werden. Wir legen den Fokus auf unsere Leistung. Das Entscheidende ist nicht der Gegner, sondern das sind wir.“

Gegen die Hessen gab es zuletzt wenig zu holen

Dass dies jedoch kein leichtes Unterfangen wird zeigen die letzten elf Aufeinandertreffen, in denen die Blau-Weißen nur einen Sieg (beim letzten Heimspiel im Dezember 2021) für sich verbuchen konnten. In der Gesamtbilanz könnten die Hoffenheimer am Wochenende ausgleichen, da die Hessen bei zehn Siegen, neun Niederlagen und acht Remis noch knapp vorne liegen.

Einzelspieler können Spiele entscheiden

Über den nächsten Gegner sagte TSG-Coach Matarazzo: „Die Form von Frankfurt liegt nicht in unserem Fokus. Sie spielen im 5-3-2-System ein kompaktes Angriffspressing. Sie haben vorn eine gute Geschwindigkeit und einen gewissen Spielwitz, dazu haben sie Einzelspieler, die Partien entscheiden können. Trotzdem schauen wir vor allem auf uns.“

 Hoffenheims Bebou wird von den Frankfurter Gegenspielern regelrecht in die Zange genommen
Ristorante-Pizzeria Da Nino

Frankfurt seit neun Bundesligaspielen sieglos

Die „launische Diva vom Main“, wie das Team von Trainer Oliver Glasner oft genannt wird, hat nach einer starken Hinrunde mit 31 Punkten und Tabellenplatz 4 in der Rückserie deutlich abgebaut und ist nach neun sieglosen Bundesligaspielen auf den neunten Platz abgerutscht. In 13 Rückrunden-Spielen holte die Eintracht nur zwölf Punkte, Hoffenheim sogar nur zehn. Durch den gestrigen 3:2-Sieg im DFB-Pokalhalbfinale beim VfB Stuttgart ist in der Bankenmetropole fünf Jahre nach der letzten Finalteilnahme wieder das Pokalfieber ausgebrochen.

Personelle Sorgen im Defensivbereich

Das Hoffenheimer Restprogramm ist nach wie vor anspruchsvoll. Mit Frankfurt, Wolfsburg, Union Berlin und Stuttgart warten schwer lösbare Aufgaben. Ausgerechnet in dieser entscheidenden Saisonendphase haben die Nordbadener neben der tabellarischen nun auch noch personelle Sorgen -  besonders im Defensivbereich. Aufgrund einer Oberschenkelzerrung dürfte für Pavel Kaderabek die Saison gelaufen sein. Der zuletzt stark spielende 31-jährige Tscheche zog sich die Verletzung beim 0:1 in Leipzig zu. Für ihn dürfte der dänische Linksfüßer Robert Skov auf der rechten Außenbahn zum Einsatz kommen. Kevin Vogt leidet weiterhin an Knieproblemen, was ihn schon seit längerem behindert und einschränkt. Zu allem Überfluss fehlt mit dem gelbgesperrten Kevin Akpoguma ein weiterer Innenverteidiger. Demnach dürften am Samstag die zuletzt öfters patzenden Abwehrhünen John Anthony Brooks, Ozan Kabak und Stanley Nsoki in der Startformation zu erwarten sein. Zudem kehren die wieder genesenen Angelo Stiller und Jacob Bruun Larsen zurück in den Kader.

 Akpoguma - hier beim Torschuss gegen Eintracht-Keeper Trapp - fehlt am Samstag gelbgesperrt

Heidelberger

Prömel ein Gewinn fürs Team

Erfreulich ist die Rückkehr von Grischa Prömel, der 175 Tage nach seinem Knöchelbruch am vergangenen Spieltag in Leipzig in der letzten halben Stunde ein gelungenes Comeback feierte. Der 28-jährige Kämpfertyp ist eine Bereicherung fürs Hoffenheimer Mittelfeld, er ist einer der vorangeht und die Richtung vorgibt. Lob gab es deshalb zurecht von seinem Trainer: „Grischa ist auf jeden Fall ein Gewinn. Er hat uns Stabilität und Struktur gegeben, er hat die 30 Minuten gut verkraftet, gut gearbeitet, Bälle gut gesichert, seine Laufwege in die Tiefe gehabt. Er hat die Meter gemacht, die er machen musste.“

„Müssen ans Limit gehen“

Prömel zur aktuellen Situation: „Es nützt nichts auf die anderen Plätze zu schauen und zu hoffen, dass andere für uns spielen, wir müssen unsere Aufgaben erledigen. Wir wissen alle worum es in den nächsten Spielen geht, wir kämpfen um den Klassenerhalt. Wir sind klar im Kopf und müssen in den nächsten Wochen ans Limit gehen, da möchte ich mich einbringen und der Mannschaft helfen.“

 Trainer Matarazzo feuert seine Spieler an

Kramaric vor Jubiläum

Andrej Kramaric steht vor seinem 250. Pflichtspiel für Hoffenheim und wird damit der alleinige Rekord-Internationale der TSG (er überholt Sejad Salihovic). Matarazzo über die Bedeutung seines Torjägers: „Er ist extrem wichtig. Er hat nicht nur Erfahrung und Qualität, sondern geht auch voran und übernimmt Verantwortung. Er ist gegen Leipzig fast 13 Kilometer gelaufen, aber nicht ziellos, sondern sehr intelligent. Auch seine Defensivarbeit ist top.“

Situation hat sich zugespitzt

Zur angespannten Situation in der Saisonendphase sagte Matarazzo: "In jedem Bundesliga-Spiel gibt es Druck. Wir nehmen wahr, dass sich die Situation zugespitzt hat, wir hatten aber bereits eine heftigere Situation in dieser Saison. Jetzt ist der Moment, da zu sein. Wenn wir das hinbekommen, gewinnen wir das Spiel.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Fotos: Kraichgaufoto

Weitere Fotos zum Bericht
 
TSG unterliegt 0:1 in Leipzig und steckt wieder dick im Abstiegskampf
Bebou vergibt Megachance- Prömel feiert Comeback
Samstag, 29. April 2023

Die TSG Hoffenheim zählt zu den Verlierern des 30. Bundesligaspieltages. Während die Kraichgauer bei RB Leipzig nach einem Treffer von Nkunku mit 0:1 ihre 17. Saisonniederlage kassierten, punktete die direkte Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt. Während Bochum und Augsburg jeweils unentschieden spielten, holte Stuttgart drei Zähler gegen Mönchengladbach und Schalke 04 siegte gegen Bremen. Der Abstand zum Relegationsplatz ist für die TSG dadurch auf nur noch einen und zu einem direkten Abstiegsplatz auf zwei Zähler geschrumpft.

"Die Energie auf dem Rasen hat gestimmt"

TSG-Trainer Matarazzo versuchte, nach dem Spiel etwas positives aus der Niederlage zu gewinnen: „Die Energie auf dem Rasen hat gestimmt. Die Situation ist uns bewusst, wir wissen, was auf uns zukommt. Das Spiel heute hat gezeigt, dass wir bereit dafür sind, was uns am Samstag gegen Frankfurt erwartet.“

 Bebou hatte in der 1. Hälfte den Ausgleich auf dem Fuß, vergab aber kläglich
Anpfiff ins Leben

RB geht verdient in Führung

Zum Spiel: Hoffenheim war den Leipzigern in der 1. Hälfte völlig unterlegen, tat sich schwer ins Spiel zu finden und hatte nur wenige Offensivaktionen zu verzeichnen. Anders die Gastgeber, die sich vor 45.294 Zuschauern gleich in der Anfangsphase durch Nkunku (2.) und Laimer (10.) zwei hochkarätige Torchancen erspielten. Beides mal verhinderte TSG-Keeper Baumann reaktionsschnell einen frühen Rückstand. Nachdem RB-Stürmer Werner frei vor dem Tor überhastet übers Tor schoss (14.), brachte RB-Star Nkunku die Sachsen 1:0 in Führung (28.). Vorausgegangen war ein Fehlpass von Brooks im Aufbauspiel, was RB eiskalt ausnutzte und durch das 13. Saisontor des Franzosen abschloss.

Bebou vergibt 100-prozentige Ausgleichschance

Die einzige, dafür aber hochkarätige Megachance der Gäste in Hälfte 1 hatte nach 38. Minuten Bebou, als ein Abpraller nach einem Schuss von Dabbur vor seinen Füßen landete und er völlig freistehend aus sieben Metern über das leere Tor schoss. Der Unglücksrabe sagte nach dem Abpfiff über seine vertane 100-prozentige Chance: „Ich hätte das Tor machen müssen, weil ich frei zum Abschluss kam.“ Bis zur Pause tat sich danach auf beiden Seiten wenig. Die Führung der Leipziger ging aufgrund flüssiger Kombinationen, eines deutlichen Chancenplus und der individuellen Klasse vollauf in Ordnung. Bei etwas mehr Effizienz hätten die „Roten Bullen“ deutlich höher führen können.

 TSG-Keeper Baumann ist überzeugt davon, dass sein Team die Qualität zum Klassenerhalt hat
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TSG kommt besser ins Spiel

In der zweiten Halbzeit kam Hoffenheim bedingt durch die Umstellung auf ein 4-4-2-System etwas besser in die Partie. Das Spiel war nun offener und abwechslungsreicher. Während die Blau-Weißen mehr Offensivrisiko gingen, verteidigte RB konsequent und verteidigte die knappe Führung. Nachdem RB-Coach Rose nach knapp einer Stunde mit einem Vierfachwechsel seiner Elf neues Leben einzuhauchen versuchte, durfte auf der anderen Seite Mittelfeldspieler Prömel 175 Tage nach seiner Knöchelverletzung im Hinspiel sein Bundesliga-Comeback feiern. Doch auch er vermochte es nicht, die sichere Hintermannschaft der Gastgeber zu knacken.

Silva scheitert am Aluminium

Diese zogen sich immer weiter zurück und waren durch Konter immer wieder gefährlich. So auch in der 74. Minute, als Silva nach Steilpass von Olmo aus 14 Metern an der Oberkante der Querlatte scheiterte. Vier Minuten später verfehlte Halstenberg mit einem Distanzschuss nur knapp die Zwei-Tore-Führung, und im Gegenzug köpfte Bebou nach einer Dabbur-Flanke aus kurzer Distanz übers Tor (79.). Letztendlich blieb es beim knappen, aber verdienten Sieg der heimstarken Leipziger, die dadurch einen großen Schritt in Richtung Champions-League-Qualifikation machten. Die Matarazzo-Truppe hingegen bleibt weiter in den Abstiegskampf verstrickt.

 TSG-Coach Matarazzo weiß, was ihn und die Mannschaft im Saisonfinale erwartet

Heidelberger

Kampf um den Klassenerhalt

Trotz der zweiten Niederlage in Folge zeigen sich die Spieler im Kampf um den Klassenerhalt zuversichtlich und kämpferisch: Kapitän Baumann: „Es wird tabellarisch bis zum Schluss eng bleiben. Ich bin überzeugt davon, dass wir die Qualität haben, um die Klasse zu halten. Wir hatten einen Negativlauf und sind da raus gekommen. Jedem ist bewusst, dass wir alles geben müssen.“ Für den wiedergenesenen Prömel geht es im Saisonendspurt nur über den Kampf: „Körperlich geht es mir gut, der Knöchel hat keine Probleme gemacht. Wir wissen alle, worum es in den nächsten Spielen geht, wir kämpfen um den Klassenerhalt. Wir sind klar im Kopf und müssen in den nächsten Wochen ans Limit gehen.“
Am nächsten Spieltag empfängt die TSG Hoffenheim am Samstag, um 15:30 Uhr in Sinsheim den hessischen Nachbarn Eintracht Frankfurt.

Statistik:

RB Leipzig: Blaswich – Klostermann, Orban, Gvardiol (60. Diallo) – Simakan (81. Henrichs), Laimer, Kampl, Raum (60. Halstenberg) – Forsberg (60. Dani Olmo), Nkunku (60. André Silva) – Werner
TSG Hoffenheim: Baumann – Ozan Kabak, Brooks, Akpgouma – Kaderabek (69. Skov), Geiger (61. Rudy), Angelino (46. Nsoki) – Kramaric, Baumgartner (61. Prömel) – Bebou (81. Dolberg), Dabbur
Tor: 1:0 Nkunku (28.)
Schiedsrichter: Stieler
Zuschauer: 45.294

Fotos: Kraichgaufoto

TSG Hoffenheim sieht sich in Leipzig nicht chancenlos
Kann die TSG ihre Negativserie gegen RB beenden?
Donnerstag, 27. April 2023

Es hätte der große Befreiungsschlag im Kampf um den Klassenerhalt sein können. Nach zuletzt zehn Punkten aus den letzten vier Bundesligapartien musste die TSG Hoffenheim gegen den 1. FC Köln eine bittere 1:3-Heimniederlage einstecken - die erste Niederlage gegen die Rheinländer seit acht (!) Jahren. Da am 29. Spieltag kein Verein aus dem unteren Tabellendrittel gewinnen konnte, verpasste die TSG die Megachance, sich aus der bedrohlichen Tabellenzone zu entfernen. Die nächste Möglichkeit hierfür bietet sich dafür am Samstag um 15:30 Uhr bei RB Leipzig. 

Niederlage war ein großer Rückschritt

Zumindest an Selbstkritik sparten die Kraichgauer nicht: Trainer Pellegrino Matarazzo: Wir haben die nötige Präzision vermissen lassen, zu oft die falsche Entscheidung getroffen und waren im letzten Drittel nicht gut genug." Für Dennis Geiger, der seinen Vertrag bis 2027 verlängert hatte, war es ein schmerzhafter Rückschritt: „Es war ein schlechtes Spiel und ein großer Rückschritt. Wir hätten einen riesigen Schritt machen können durch einen Sieg, deswegen ist die Leistung unerklärlich."

 Ratlose und enttäuschte Blicke bei den Hoffenheimer Spielern nach der Heimniederlage gegen Köln

Anspruchsvolles Restprogramm

Das Restprogramm der TSG ist recht anspruchsvoll. Die nächsten vier Gegner Leipzig, Frankfurt, Wolfsburg und Union Berlin spielen alle noch um eine Europapokalteilnahme, und am letzten Spieltag geht es zum Derby nach Stuttgart, wo der VfB (und die TSG ?) womöglich noch Punkte zum Klassenerhalt benötigt. Die Hoffenheimer sind also bei weitem noch nicht gerettet. Trainer Matarazzo sieht den Fokus voll auf seiner Mannschaft: „Es liegt an uns, unsere Leistung in Leipzig zu zeigen. Mein Fokus liegt nicht auf dem Gegner. Natürlich analysieren wir sie und sehen ihre Stärken, doch wir fokussieren uns auf unsere Leistung.“

"Haben es noch selbst in der Hand"

Publikumsliebling Christoph Baumgartner zeigte sich genervt über die vertane Chance: „Ich bin wirklich brutal enttäuscht, vor allem nach den vergangenen Wochen, wo es uns ausgezeichnet hat, dass wir den Sieg mehr wollten. Wir hätten einen großen Schritt nach vorn machen können, nun fühlt es sich nach einem großen Rückschritt an. Es war kein Spieler auf dem Feld, der seine Topleistung gebracht hat. Und das nervt mich." Der 23-jährige Österreicher ist dennoch zuversichtlich und optimistisch: „Wir haben uns in den vergangenen Wochen etwas erarbeitet und darum trotz dieses Dreckspiels weiterhin die Chance, in der Liga zu bleiben. Wir haben es in der eigenen Hand und fahren jetzt nach Leipzig, um dort zu punkten."

 Baumgartner setzt an zum Dribbling - im Hintergrund Kaderabek

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Interessantes Duell Raum gegen Angelino

Am Samstag treffen zwei Spieler aufeinander, die zu Saisonbeginn die Vereine getauscht haben. Auf der einen Seite ist die Leipziger Leihgabe Angelino, der mit sieben Torvorlagen mit Abstand bester TSG-Vorbereiter ist, während beim Gegner David Raum noch nicht annähernd an seine Hoffenheimer Form anknüpfen konnte, die ihn zum Nationalspieler machte. Während er in der vergangenen Saison acht Torvorlagen beisteuerte, konnte er bei RB noch keine einzige Flanke schlagen, die zum Torerfolg führte.

Heimstarke Sachsen etwas in der Formkrise

Die Sachsen gelten als besonders heimstark, konnten schon zehn Heimsiege feiern (zweitbester Ligawert). Dennoch ist die Teilnahme an der nächstjährigen Champions League-Saison weiterhin offen, zumal das Team von Trainer Marco Rose vier der vergangenen sieben Bundesligapartien verlor. RB muss gegen Hoffe gleich zwei Stammkräfte aufgrund von Sperren ersetzen: Amadou Haidara (Gelb-Sperre) und Dominik Szoboszlai (Gelb-Rote Karte).

Unterschied zwischen Stabilität der Leistungen und der Ergebnisse

Über den nächsten Gegner sagte der Hoffe-Coach bei der Spieltagspressekonferenz: „Man sollte unterscheiden zwischen der Stabilität der Leistungen und der Ergebnisse, denn bei Leipzig gibt es da eine Diskrepanz. Auch in Leverkusen haben sie ein sehr gutes Spiel gemacht, sich aber nicht belohnt. Sie haben sehr viele starke Spieler und viele Elemente in ihrem Spiel, die gut greifen. Wir wollen ihrem Gegenpressing entgehen und ihnen im Ballbesitz wenige Räume anbieten.“

 TSG-Cheftrainer Matarazzo (2. v.l.) im Gespräch mit seinen Co-Trainern

Zwei Schritte nach vorne machen

Über die Entwicklung und Einstellung der Mannschaft sagte Matarazzo: „Ich bin nun elf Wochen mit der Mannschaft zusammen. Wir haben kontinuierliche Schritte nach vorn gemacht, das Spiel gegen Köln war unser erster Rückschritt. Nun geht es darum, wieder zwei Schritte nach vorn zu machen.“ Personell gibt es wenig Veränderungen: Neben dem Langzeitverletzten Jacob Bruun Larsen wird Kevin Vogt aufgrund neuer Probleme am Knie ausfallen.

Ausbaufähige Bilanz

Die Voraussetzungen hierfür sind rein statistisch gesehen alles andere als rosig, zumal man seit sechs Pflichtspielen in der sächsischen Messestadt sieglos ist. Im bisherigen Saisonverlauf siegte RB gleich zwei Mal 3:1 über die Blau-Weißen: Zunächst in der Hinrunde in Sinsheim und dann am 1. Februar im DFB-Pokal-Achtelfinale. 15 Pflichtspiele haben beide Vereine gegeneinander bestritten. Neunmal ging RB als Sieger vom Feld, die TSG gewann lediglich drei Partien.

Fotos: Kraichgaufoto

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TSG unterliegt nach schwacher Leistung 1:3 gegen Lieblingsgegner Köln
Köln beendet den Ergebnisfluch gegen Hoffenheim
Samstag, 22. April 2023

Die TSG Hoffenheim hat es am 29. Bundesligaspieltag verpasst, mit einem möglichen Heimsieg gegen den 1. FC Köln sich in der Tabelle von den unteren Region deutlich abzusetzen. Vor 30.150 Zuschauern, darunter schätzungsweise 7.000 Gästefans in der ausverkauften Sinsheimer PreZero-Arena unterlagen die Kraichgauer nach Treffern von Kainz (Handelfmeter/18.), Selke (39.) und Thielmann (90.+2), sowie dem Ehrentreffer von Dolberg (90.+4) mit 1:3.

Gunst der Stunde verpasst

Aufgrund der Tatsache, dass keines der hinter der TSG platzierten Teams gewinnen konnte, hat sich tabellarisch zwar nichts verändert, aber wegen des anspruchsvollen Restprogramms konnten sich die Blau-Weißen immer noch nicht ihrer Abstiegssorgen entledigen.

 Enttäuschung bei Kramaric. Die TSG verpasste die große Chance, sich von der Abstiegsregion abzusetzen.
Gardinen Schlenker

Erfolgsserie beendet

Gegen den bisherigen Lieblingsgegner aus der Domstadt, gegen den man keines der letzten 13 Bundesligaspiele verloren hatte und fünf Heimspiele in Folge mit einer deutlichen Tordifferenz von 21:1 für sich entschied, präsentierten sich die Gastgeber im Spiel nach vorn viel zu umständlich und harmlos. Bezeichnend, dass in Hälfte 1 keine erwähnenswerte Torchance zustande kam.

Handelfmeter war Schlüsselszene

Eine Schlüsselszene ereignete sich in der 18. Minute: Ein Schuss von Linton Maina versuchte Abwehrspieler Brooks zu blocken, berührte den Ball aber mit der Hand und so entschied Schiedsrichter Dr. Braun mit Hilfe des VAR zurecht auf Strafstoß. Kainz trat an und verwandelte sicher (18.). Das Spiel der Hoffenheimer kam nach dem Rückstand ins Stocken, vom zuvor flüssigen Passspiel war nichts mehr erkennbar. Anders die kämpferisch und leidenschaftlich agierenden Kölner, die bei einem Kopfball von Selke Pech hatten, als Keeper Baumann den Ball reaktionsschnell über die Latte lenken konnte (32.). Wenig später war der TSG-Kapitän jedoch machtlos, als Selke gegen Akpoguma bei einer Kainz-Flanke schneller war und aus kurzer Distanz zur 2:0-Führung einköpfte (39.).

"Das kann nicht unser Anspruch sein"

Nach der Partie sagte Hoffe-Coach Matarazzo zur enttäuschenden ersten Hälfte: Wir sind eigentlich gut reingekommen, aber nach dem Gegentor gab es einen Bruch. Die Leistung in der übrigen ersten Hälfte kann nicht unser Anspruch sein.

 Bebou (li.) setzt an zum Konter. Der Stürmer konnte jedoch wenig Torgefahr ausstrahlen.
Clubhaus

Nur 15 starke Minuten reichen nicht

Hoffenheims erste Möglichkeit im zweiten Abschnitt bot sich Angelino, dessen Schuss aus spitzem Winkel FC-Keeper Schwäbe entschärfte (48.) Zwei Minuten später verfehlte Bebou nach einem Konter mit einem unplatzierten Schuss den Anschlusstreffer (50.). Nachdem Baumgartner mit einem Distanzschuss von halbrechts knapp am Tor vorbeischoss (61.), verflachte die Partie etwas, der Hoffenheimer Druck lies wieder deutlich nach. Köln stand sicher in der Defensive und war immer wieder durch Konter gefährlich. So auch in der 74. Minute, als Tigges knapp das TSG-Tor verfehlte.

Zwei Treffer in der Nachspielzeit

Auch wenn die Partie längst entschieden war, wurde es in der sechsminütigen Nachspielzeit noch mal ereignisreich. Zunächst erhöhte Thielmann aus kurzer Distanz auf 3:0 (90.+2) und kurz darauf gelang dem eingewechselten Dolberg mit seinem ersten Bundesligatreffer bei einem Schuss von der Strafraumgrenze der 1:3-Endstand.

 Kramaric zeigte zwar gute Ansätze, war aber gegenüber den letzten Spielen nicht so effektiv und torgefährlich

Metallbau Rath

"Es fühlt sich wie ein großer Rückschritt an"

Die Enttäuschung stand Hoffenheims österreichischem Nationalspieler Baumgartner nach dem Abpfiff ins Gesicht geschrieben. In der Mixed Zone sagte er: „Wir hätten einen großen Schritt nach vorn machen können, nun fühlt es sich nach einem großen Rückschritt an. Es war kein Spieler auf dem Feld, der seine Topleistung gebracht hat. Wir wussten, wie wichtig das Spiel war, haben aber nur die 15 Minuten nach dem Seitenwechsel gut gespielt. Hätten wir da getroffen, wäre es vielleicht nochmal gekippt. Das haben wir aber nicht geschafft und darum haben wir verdient verloren.“

"Müssen das abhaken und nach vorne schauen"

Auch der zuletzt stark spielende, heute eher schwach spielende Stürmer Bebou war enttäuscht: „Wir waren nicht griffig genug und haben dem Gegner zu viel Raum gelassen. Das haben wir zuletzt viel besser gemacht, da müssen wir wieder hinkommen. Wir haben den Gegner eingeladen, Köln hat das eiskalt ausgenutzt. Das Spiel war schlecht, aber wir müssen das nun abhaken und nach vorn schauen.“

Statistik:

TSG Hoffenheim: Baumann – Vogt, Brooks, Akpoguma (67. Skov) – Kaderabek, Geiger (73. Rudy), Angelino (80. Dolberg) – Kramaric, Becker (46. Dabbur) – Baumgartner (73. Bischof) – Bebou
1. FC Köln: Schwäbe – Schmitz (89. Kilian), Hübers, Chabot, Hector – Martel, Skhiri – Ljubicic (62. Thielmann), Kainz (80. Schindler), Maina (80. Huseinbasic) – Selke (62. Tigges)
Tore: 0:1 Kainz (Handelfmeter/18.), 0:2 Selke (39.), 0:3 Thielmann (90.+2), 1:3 Dolberg (90.+4)
Schiedsrichter: Dr. Braun (Wuppertal)
Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)

Der ursprünglich vorgesehene Schiedsrichter Benjamin Brand konnte die Partie aufgrund einer heftigen allergischen Reaktion, auch auf Anraten des Hoffenheimer Mannschaftsarztes, nicht leiten. Für ihn springt Dr. Robin Braun kurzfristig aus Wuppertal ein. Nächste Woche am 30. Spieltag gastiert die TSG Hoffenheim am Samstag um 15:30 Uhr bei RB Leipzig. Hierbei ist eine deutliche Leistungssteigerung von Nöten, um nicht erneut aus Sachsen ohne Punkte zurückzukehren.

Fotos: Kraichgaufoto

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Kann die TSG gegen Lieblingsgegner Köln ihren Aufwärtstrend fortsetzen?
Hoffenheim kann einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt machen
Donnerstag, 20. April 2023

Das Punktepolster der TSG Hoffenheim auf Relegationsplatz 16 hat sich vor dem 29. Spieltag auf fünf Zähler vergrößert. Nach drei Siegen und einem Überraschungsremis bei Tabellenführer Bayern München hat sich die Situation im Abstiegskampf für die Kraichgauer deutlich verbessert. Nachdem die TSG Mitte April noch auf dem letzten Tabellenplatz rangierte, bietet sich jetzt die Chance, mit einem Heimsieg am Samstag (Beginn 15:30 Uhr) gegen den 1. FC Köln bis auf Platz 11 zu klettern. So schnell kann es im Fußball gehen, die Stimmung im Bundesligadorf hat sich schlagartig geändert, Frust und Enttäuschung sind gewichen, Zuversicht und Selbstbewusstsein sind eingekehrt.

"Sind noch nicht durch, gehen Schritt für Schritt"

Trainer Pellegrino Matarazzo sagte bei der heutigen Pressekonferenz zur aktuellen Situation: „Unsere aktuelle Form gibt uns ein gutes Gefühl. Wir sind noch nicht durch, das wissen wir. Die anderen Mannschaften punkten auch.“ Mit Blick auf das Restprogramm sagte der er: „Wir gehen Schritt für Schritt. Wir können uns nicht sicher sein, solange wir rechnerisch nicht durch sind. Deshalb müssen wir so viele Spiele wie möglich gewinnen.“

 Geiger, der gerade seinen Vertrag um vier Jahre verlängert hat, setzt sich gegen zwei Kölner Gegenspieler durch - links in der Beobachterrolle Baumgartner

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Makellose Bilanz

Da trifft es sich gut, dass jetzt mit den Rot-Weißen aus der Domstadt ein Lieblingsgegner in der Sinsheimer PreZero-Arena zu Gast ist, gegen den man keines der letzten 13 Bundesligaspiele verloren hat. Die Bilanz: Neun Siege und vier Unentschieden – gegen keinen anderen Erstligisten blieb die TSG in ihrer Geschichte so oft in Folge ungeschlagen. Fünf Heimsiege in Folge (4:0, 6:0, 3:1, 3:0 und 5:0) bei einem Torverhältnis von 21:1 über den 1. Effze bedeuten die längste Siegesserie, ein 6:0-Erfolg am 31. März 2018 den höchsten Bundesligasieg der Blau-Weißen.

Speziallisten über die Außenpositionen

Trotz aller positiver Statistiken wird das Duell mit dem Baumgart-Team kein Selbstläufer. Die Gastgeber wären gut beraten, die Kölner Remis-Könige nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Das Geißbock-Team spielte in dieser Saison elf Mal unentschieden, so oft wie kein anderes Team, gewann zuletzt auswärts 3:1 beim FC Augsburg. Beide Mannschaften setzen auf viele Flanken aus dem Spiel und erzielten im Anschluss daran ligaweit die meisten Treffer (Köln zehn, Hoffenheim neun).

Intensiv spielender, laufstarker Gegner

Für Matarazzo sind die Kölner ein unangenehmer Gegner: „Der FC spielt sehr intensiven Fußball und läuft sehr viel. Die Kölner attackieren zielstrebig in Richtung Tor. Wir müssen im eigenen Ballbesitz die Räume sehen und den Spielaufbau variabel halten.“

 Akrobatische Einlage von Kramaric (re.) im Zweikampf mit Kölns Uth

Metallbau Rath

Kramaric wieder in aufsteigender Form

Mit ein Garant für den Hoffenheimer Höhenflug ist Stürmerstar Andrej Kramaric, der zuletzt vier Treffer in seinen letzten vier Bundesliga-Spielen erzielte. Der Kroate sieht sein Team aber noch längst nicht überm Berg: „Wichtig ist jetzt nachzulegen, weiter zu punkten. Die Situation hat sich zwar verbessert, aber wir sind im Abstiegskampf noch nicht gesichert.“ Zusätzliches Selbstbewusstsein hat sich der Hoffenheimer Rekordtorschütze am letzten Spieltag geholt, als er mit einem herrlichen Freistoßtor den 1:1-Ausgleich erzielteSein Trainer lobt ihn nicht nur deswegen: "Ich habe vor ein paar Wochen gesagt, dass Andrej ein Spieler ist, der das Potenzial hat, uns zum Klassenerhalt zu schießen. Er hat die Entscheidung getroffen, das auch zu tun.“

Heimvorteil nutzen

Für Kramaric wäre ein Heimsieg gegen Köln sehr wichtig: „Wir wollen gewinnen und Köln in der Tabelle überholen. Dann wären wir zwar noch nicht gesichert, aber es würde wieder ein deutliches Stück besser aussehen. Ein Sieg wäre ein großer Schritt für unsere Ziele. Auch wenn es nicht einfach wird, bin ich zuversichtlich, weil wir zu Hause spielen und zuletzt gut drauf waren.“

 Unter Trainer Matarazzo hat die TSG wieder die Wende geschafft

"Abstiegskampf ist eine Herausforderung"

Ebenfalls in Top-Form befindet sich Sturmpartner Ihlas Bebou, der die aktuelle Verfassung in der Mannschaft treffend beschreibt: „Der Abstiegskampf ist eine Herausforderung für uns, aber wir wissen, in welcher Situation wir stecken. Man sieht auf dem Platz, dass jeder für jeden Gas gibt und wir als Mannschaft da sind. Das zählt in so einer Situation, darum haben wir zuletzt so viele Punkte geholt. Wir haben keine Angst und wissen, wie wir Spiele angehen müssen. So wollen wir weitermachen, um aus der Situation rauszukommen.“

Dabbur wieder einsatzfährig - Spiel ist ausverkauft

Neben den verletzten Jacob Bruun Larsen, Stanley Nsoki (krank) und Finn Ole Becker (Wadenprobleme) steht Munas Dabbur nach seiner Rot-Sperre wieder zur Verfügung. Die Partie ist mit 30.150 Zuschauern bereits ausverkauft.

Geiger verlängert bis 2027

Die TSG konnte ein weiteres eigenens Talent weiter längerfristig an sich binden. Der in Mosbach geborene Mittelfeldspieler Dennis Geiger hat seinen im Sommer 2023 auslaufenden Vertrag bis zum 30. Juni 2027 verlängert. Der 24-Jährige, der seit seinem elften Lebensjahr (!) für die Hoffenheimer spielt, absolvierte bisher 98 Bundesliga-Spiele für die TSG (sechs Tore) und sieben DFB-Pokal-Einsätze. Zweimal kam er in der Champions League zum Einsatz, achtmal in der Europa League. "Die TSG ist meine sportliche Heimat und ich will weiter hier Fußball spielen“, äußert sich Geiger zur Vertragsverlängerung.

Foto: Kraichgau

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Kramaric war in vielerlei Hinsicht in aller Munde
TSG-Profis feierten mit bayerischem alkoholfreien Bier
Montag, 17. April 2023

Es lief die 71. Minute, als Hoffenheims Andrej Kramaric beim 0:1-Rückstand gegen Gastgeber FC Bayern zum Freistoß anlief. Der Kroate zirkelte den Ball gefühlvoll über die Abwehrmauer ins linke Eck zum 1:1-Ausgleich. Auch wenn Torhüter Yann Sommer das Leder noch leicht mit den Fingerspitzen an den Innenpfosten lenken konnte, der Ball war drin. Hoffe jubelte, während anschließend kritische Stimmen laut wurden, ob der verletzte Stammkeeper Manuel Neuer den Treffer hätte verhindern können. Dem Schützen war es letztendlich egal: „Man schießt nicht alle Tage gegen die Bayern ein Tor und schon gar nicht jedes Wochenende ein Freistoßtor“, sagte er in kleiner Medienrunde nach dem Spiel.

Schlau und clever den "billigen Pfiff" herausgeholt

Es wurde diskutiert, ob die vorangegangene Aktion beim Zweikampf zwischen Kramaric und Thomas Müller überhaupt ein Foulspiel war. Kramaric war es im Nachhinein egal: „Ich habe gehofft, dass ich heute zu einem Freistoß komme. Ich habe das clever gemacht, als ich einen leichten Kontakt von Thomas Müller gespürt habe und dann gefallen bin. Der Schiri hat auf Foul entschieden.“ Der 31-Jährige versuchte die Situation etwas schön zu reden und bat insgeheim um Verständnis: „Wenn man gegen Bayern München spielt bekommt man nicht viele Gelegenheiten, um ein Tor zu erzielen. Deshalb war dies eine ganz gute Möglichkeit. Du musst immer schlau und clever sein. Müller weiß das auch, er ist der beste Spieler auf der Welt, wenn wir über solche Dinge sprechen.“ Bayern-Legende und Weltmeister Müller sah dies natürlich etwas anders und sprach von einem „billigen Pfiff“.

 Hoffenheimer Torjubel nach dem 1:1-Ausgleich von Kramaric (Mitte)

Kraichgaufoto

Freistoßtreffer kostete ein Essen

Diskutiert wurde auch auf der Pressetribüne. Jedoch nicht wegen des fragwürdigen Foulspiels sondern vielmehr, ob die Kraichgauer in Form von Kramaric diese gute Freistoßgelegenheit zu einem Torerfolg nutzen würden. Schnell wurde überlegt, wann die TSG ihren letzten Freistoßtreffer erzielt hatte. Dabei wurden Erinnerungen an einen Freistoß-Hammer von Robert Skov im November 2019 beim 3:0-Heimsieg gegen Aufsteiger SC Paderborn wach. Auch der Name Sejad Salihovic aus vergangenen glorreichen Zeiten machte schnell die Runde. Als Kramaric zur Ausführung anlief, sagte der Heidelberger Kollege: "Ich wette, der macht den rein!". Daraufhin entgegnete der Herausgeber von bwa-sport.de euphorisch und spontan: „Wenn der Ball reingeht, lade ich Euch zum Essen ein“. Das Grinsen und die Schadenfreude der beiden netten Kollegen, als der Ball im Bayern-Tor zappelte, muss nicht näher beschrieben werden.

Kramaric umdribbelte auch eine Beteiligung

Eine Stunde nach Spielende konfrontierte der großzügige Essen-Sponsor den Torschützen in der Mixed-Zone der Allianz-Arena, ob er sich eventuell zur Hälfte an einem kroatischen Cevapcici-Essen beteiligen würde. Doch dieser umdribbelte geschickt die Frage, wie schon das ein und andere Mal zuvor seine Gegenspieler: „Ha, das ist gut! Es ist immer etwas besonderes gegen die Bayern zu treffen“, sagte er lächelnd und verschwand in die Kabine.

 Die TSG-Fans im Gästeblock feiern den Auswärtspunkt in München
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Bayerisches Bier mit 0,0-Prozent

Dort war die Stimmung entsprechend ausgelassen und laut. Das Unentschieden wurde wie ein gefühlter Sieg gefeiert. Busfahrer Matze Bauer reagierte spontan und holte aus dem Mannschaftsbus, der direkt vor der Mixed-Zone geparkt war, einen Kasten Bier der Marke „Brauhaus Tegernsee“ für die feiernden Kicker. Betreuer Christian Seyfert wollte den etwas überraschten Journalisten jedoch klarmachen, dass es sich dabei um einen Gerstensaft mit 0,0-Prozent Alkoholanteil handelt. Das Grinsen stand ihm dabei ins Gesicht geschrieben.

Verabschiedung von TW-Trainer Rechner

Nach dem Aufwärmprogramm gegen 15:15 Uhr wurde Torwarttrainer Michael Rechner offiziell und nachträglich von TSG-Sportdirektor Alexander Rosen auf dem Spielfeld der Allianz-Arena verabschiedet. Der Schefflenzer wechselte nach 15 Jahren von der TSG zum deutschen Rekordmeister, wo er jetzt Keeper Yann Sommer trainiert. Als er Anfang Februar dem Ruf von Trainer Julian Nagelsmann zum Wechsel an die Isar gefolgt war, konnte er nicht im entferntesten ahnen, dass dieser wenige Wochen später schon nicht mehr Cheftrainer an der Säbener Straße sein werde. Eine Verabschiedung auf des Gegners Platz ist auch nichts alltägliches.

 Verabschiedung von TW-Trainer Michael Rechner (re.) durch TSG-Sportdirektor Alexander Rosen

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Außergewöhnliche Gefühlslage durchs Parallelspiel

Die Gruppe der regionalen Medienvertreter (Rhein-Neckar-Zeitung, Heilbronner-Stimme und bwa-sport.de) auf der weitläufigen Pressetribüne der Allianz-Arena war sehr überschaubar. Neben der geschilderten Wette beim Kramaric-Freistoß war auch das parallel laufende Bundesligaspiel zwischen dem VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund ein großes Thema. Die Partie wurde auf dem Handy live mitverfolgt, während die Gefühlslage bei beiden Kollegen sehr angespannt war. Während der eine nach der Dortmunder 2:0-Führung - dazu noch in Überzahl - sehr zufrieden und gut gelaunt wirkte, erholte sich sein Nachbar von seiner Enttäuschung, als sein „Vau eff Bee“ zunächst den Rückstand aufholte und dann noch in der Nachspielzeit einen erneuten 2:3-Rückstand mit einem Last-Minute-Treffer zum 3:3-Endstand egalisierte. Freud und Leid lagen ganz dicht beieinander. Beim schwäbischen Kollegen fühlte sich das Unentschieden, ähnlich wie das der Nordbadener, wie ein gefühlter Sieg an. Wenn die Freistoßwette eingelöst wird, kommt mit Sicherheit auch dieses Thema nochmal zur Diskussion.

Fotos: BWA

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Kramaric versaut den Bayern die Generalprobe auf Man City
TSG feiert verdienten Auswärtspunkt beim FC Bayern
Samstag, 15. April 2023

Die TSG Hoffenheim hat ihren positiven Lauf nach zuletzt drei Siegen in Folge im Bundesligaabstiegskampf fortgesetzt und mit einem verdienten 1:1-Unentschieden bei Tabellenführer FC Bayern München fortgesetzt. Nachdem die Gastgeber die erste Hälfte klar dominierten und durch Pavard 1:0 in Führung gingen (17.), boten die Hoffenheimer in Hälfte 2 eine deutliche Leistungssteigerung und erspielten sich einige gute Chancen. Eine davon verwertete Kramaric mit einem direkt verwandelten Freistoß (71.) zum letztendlich verdienten Punktgewinn. Für TSG-Stürmer Bebou ein ganz wichtiger Zähler: In unserer Situation zählt jeder Punkt. In München 1:1 zu spielen, ist wunderbar. Dieser Punkt hilft uns enorm im Abstiegskampf.“

 Sommer kann den Freistoß von Kramaric nur noch mit den Fingerspitzen an den Innenpfosten lenken - die TSG gleicht aus zum 1:1.

Matarazzos Serie gegen die Bayern

Für Trainer Matarazzo war es nach zwei 2:2-Unentschieden mit dem VfB Stuttgart im Jahr 2022 nun mit der TSG das dritte Remis bei den Bayern in Folge. Seinen Aussagen im Vorfeld folgten Taten: „Wir wollen mit breiter Brust auch gegen München etwas holen. Wir fahren nicht hin, um sie zu beschäftigen, sondern um zu punkten". Danach sah es in den ersten 45 Minuten zunächst überhaupt nicht aus, denn die Kraichgauer wirkten sehr zögerlich, fehlerlastig im Spiel nach vorn und alles andere als selbstbewusst.

Pavard bringt den FCB in Führung

Der Rekordmeister dominierte das Geschehen und ging nach etwas über einer Viertelstunde durch den Franzosen Pavard in Führung, als dieser nach einer Ecke den Ball aus kurzer Distanz über die Linie drückte (17.). Die nächste Großchance bot sich Nationalspieler Gnabry, dessen Schuss knapp am linken Pfosten vorbei ging (36.). Bis zur Pause konnten sich die Rot-Weißen trotz klarer Überlegenheit gegen leidenschaftlich verteidigende Hoffenheimer keine weiteren guten Möglichkeiten erspielen.

 Pavard bringt den FC Bayern 1:0 in Führung

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TSG wie verwandelt

Die Gäste legten ihre Zurückhaltung im zweiten Abschnitt gegen spielerisch stark nachlassende Münchner ab und erspielten sich einige gute Torchancen. Nachdem Bayerns Coman mit einem Flachschuss am reaktionsschnellen Torhüter Baumann scheiterte (46.), hatte Kaderabek den Ausgleich auf dem Fuß, als er nach einer Angelino-Flanke am langen Pfosten mit einer Direktabnahme das Tor nur knapp verfehlte (55.). Eine Minute später kam der Ex-Münchner Stiller nach einer Faustabwehr von Bayern-Torhüter Sommer zum Kopfball, doch aus 20 Metern verfehlte er das leere Tor (56.). Die Bayern antworteten durch die ManCity-Ausleihe Cancelo, der aus halbrechter Position aus 22 Metern abzog, aber im starken Baumann seinen Meister fand (65.). Auf der anderen Seite vergab erneut Kaderabek den Ausgleich, als er auf Vorlage von Geiger aus sechs Metern zum Abschluss kam, aber statt ins Tor unglücklich Mitspieler Bebou traf (68.).

Cleverer Kramaric gleicht aus

Wiederum drei Minuten danach entschied Schiedsrichter Dankert nach einem leichten Körperkontakt von Müller an Kramaric 25 Meter vor dem Bayern-Tor auf Freistoß. Nach dem Spiel sagte der Kroate in der Mixed-Zone im Bauch der Allianz-Arena: Vor dem Freistoß gab es einen ganz kleinen Kontakt in einer sehr gefährlichen Zone. Ich wusste, dass es eine Torchance gibt und musste fallen. Das war clever in der Situation“. Der TSG-Rekordtorjäger schnappte sich das Leder und schlenzte es vorbei an Sommer zum 1:1 ins linke Eck (71.).

 TSG-Keeper Baumann verhindert mit einer erneuten Parade einen Münchner Gegentreffer
s#Badische_Restaurant

Hoffenheim hält das Remis

Die Antwort des Meisters kam postwendend, doch Pavards zweiter Treffer wurde wegen knappem Abseits aberkannt (73.). In der Schlussphase zog die Tuchel-Truppe nochmals das Tempo an, aber bis auf einen Gnabry-Schuss, den Baumann entschärfte, kam nicht zählbares dabei heraus (90.+3). Schließlich blieb es beim leistungsgerechten Unentschieden, das die Hoffenheimer zusammen mit ihren begeisterten, lautstarken 3.000 mitgereisten Fans wie einen gefühlten Sieg feierten. Kapitän Baumann: „Das war ein Big Point und fühlt sich sehr gut und sehr positiv an. Wie wir hier gespielt haben, Torchancen rausgespielt haben, wie wir alles verteidigt und uns in jeden Ball reingeschmissen haben – das zeigt gerade unseren Charakter.“

Wenig Hoffnung auf ein Wunder

Die Münchner müssen sich gewaltig steigern, sollten sie sich noch eine Minimalchance im Rückspiel des Champions League-Viertelfinales am kommenden Mittwoch gegen Manchester City offen lassen. Die Leistung, die das Bayern-Starensemble gegen die Kraichgauer an den Tag legte, lässt hinsichtlich eines Fußballwunders wenig Hoffnungen zu, das 0:3 vom Hinspiel auf der Insel noch zu drehen.

Statistik:

FC Bayern München: Sommer – Pavard, Upamecano, de Ligt, Cancelo – Kimmich, Goretzka (60. Musiala) – Coman (60. Davies), Müller, Sane (60. Tel) – Gnabry
TSG Hoffenheim: Baumann – Ozan Kabak (62. Nsoki), Brooks, Akpoguma – Kaderabek, Geiger (90. +1 Bischof), Angelino – Kramaric, Stiller (62. Becker) – Baumgartner (83. Dolberg) – Bebou (90. +1 Rudy)
Tore: 1:0 Pavard (17.), 1:1 Kramaric (71.)
Schiedsrichter: Dankert (Schwerin)
Zuschauer: 75.000

Am nächsten Spieltag empfängt die TSG Hoffenheim um 15:30 Uhr in Sinsheim den 1. FC Köln.

Fotos: BWA

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Ein Spiel der großen Gegensätze - Bayern empfängt Hoffenheim
Gelingt der TSG unterstützt von 3.000 Fans ihr zweiter Überraschungscoup in München?
Freitag, 14. April 2023

Während die einen nach dem Ausscheiden im DFB-Pokal und dem drohenden Aus im Viertelfinale der Champions League mit dem Schicksal hadern, haben die andern im gleichen Zeitraum nach drei Siegen in Folge im Bundesligaabstiegskampf neues Selbstvertrauen gewonnen. Die Vorzeichen der Partie des 28. Bundesligaspieltages am Samstag (Beginn 15:30 Uhr) in der mit 75.021 Zuschauern ausverkauften Münchner Allianz Arena zwischen dem FC Bayern und der TSG Hoffenheim sind äußerst unterschiedlich. Für die Bayern scheint beim anvisierten Tripple nur noch der Meistertitel machbar zu sein, während die Kraichgauer sich weiterhin Sorgen um den Klassenerhalt machen müssen.

 Kevin Akpoguma (li.) im Zweikampf mit Bayerns Sadio Mané, der am Samstag aufgrund disziplinarischer Gründe nicht im Bayern-Kader stehen wird

Was erwartet die TSG?

Doch gerade dann, wenn die Bayern angeschlagen sind, wenn der Druck steigt und der Kessel so richtig dampft, sind die „Mia-san-Mia-Bayern“ am gefährlichsten, dann bekommt es der nächste Gegner besonders zu spüren. Die TSG kann davon ein Lied singen, am 10. März 2012 gab es im Münchner Stadtteil Fröttmaning eine deutliche 1:7-Klatsche. Nur ein einziges Mal seit ihrer Bundesligazugehörigkeit vor 15 Jahren durften die Hoffe-Fans im Oberrang der im Mai 2005 eingeweihten Arena jubeln: Im Oktober 2019 entführte der Dorfverein durch zwei Treffer von Sargis Adamyan beim 2:1-Überraschungserfolg drei Punkte. Ansonsten gab es in den bisherigen 14 Gastspielen bei elf Niederlagen wenig zu holen. Dies trübt jedoch nicht die Reiselust der Kraichgauer, die besonders gerne die Fahrt in der bayerischen Landeshauptstadt auf sich nehmen. Auch an diesem Samstag werden laut TSG-Pressesprecher Jörg Bock 3.000 Hoffe-Fans vor Ort dabei sein.

"Wollen mit breiter Brust etwas holen"

TSG-Trainer Pellegrino Matarazzo, der mit dem VfB Stuttgart im Jahr 2022 zwei Mal mit jeweils einem 2:2-Remis im Münchner Schlauchboot Punkte entführte, reist selbstbewusst an die Isar. Auf die Frage von bwa-sport.de, wie er nach drei Siegen in Folge nun das Gastspiel bei Tabellenführer anzugehen gedenke, sagte er voller Überzeugung: “Mit breiter Brust, wir wollen auch gegen München etwas holen. Wir fahren nicht hin, um sie zu beschäftigen, sondern um zu punkten". Der 45-Jährige vertraute zuletzt beim 2:0-Sieg im Abstiegsduell mit dem FC Schalke 04 auf eine erfahrende Mannschaft, die mit 28,4 Jahren im Schnitt die älteste Startelf in ihrer Bundesligageschichte war.

 Pavel Kaderabek entwischt in geduckter Stellung Bayerns Alphonso Davies - rechts Sadio Mané

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Die Hoffnungen ruhen auf Bebou

Große Hoffnungen setzen die Hoffenheimer auf ihren wiedererstarkten schnellen Stürmer Ihlas Bebou, der in den vergangenen drei Partien zwei Treffer erzielte und eine Torvorlage gab. Nachdem er vor der Winterpause verletzungsbedingt pausieren musste, zeigte er sich zuletzt stark verbessert. Der pfeilschnelle 28-jährige Togolese sieht sein Team am Samstag nicht chancenlos: „Natürlich sind die Bayern eine Supermacht, aber man fährt dahin, um auch dort etwas zu holen." Dabei könnte die Gunst der Spielplan-Konstellation vielleicht ausschlaggebend sein. Gut möglich, dass - anders als zuvor im Bericht erwähnt – bei der Tuchel-Truppe nach einer 0:3-Hinspielniederlage bei Manchester City in der Königsklasse gegen das Guardiola-Starensemble etwas an Frische und Konzentration verloren ging und das Hauptaugenmerk in diesen Tagen mehr dem Rückspiel am nächsten Mittwoch gegen die Engländer gilt.

"Wollen mit Selbstvertrauen auftreten"

Nicht chancenlos sieht TSG-Abwehrspieler John Anthony Brooks, der in seinen bisherigen zwölf Partien gegen die Bayern noch nie gewinnen konnte, sein Team: Wir fahren dahin, um etwas mitzunehmen. Das ist unser klares Ziel. Natürlich gibt es leichtere Aufgaben, aber wir werden uns bestens darauf vorbereiten und mit Selbstvertrauen auftreten.“

 TSG-Keeper Oliver Baumann fängt den Ball vor Jamal Musiala (re.)
Hochmuth Rolladen & Sonnenschutz

Vergleichsdaten

Interessant sind weitere Vergleiche, was das Spielerische betrifft: Beide Teams erzielten jeweils nur 16 Prozent ihrer Tore nach Standardsituationen – das ist der geringste Anteil unter allen Bundesligisten. Die Bayern erzielten 64 Prozent ihrer Treffer nach Passkombinationen (Top-Wert in der Bundesliga), die TSG traf neunmal nach Flanken (nur Köln häufiger). In einer anderen Statistik liegen die Nordbadener deutlich vorne: Mit 368 Fouls sind sie in dieser Saison Spitzenreiter, während die Münchner bei 239 Fouls die wenigsten aller 18 Erstligisten aufweisen.

Wiedersehen mit dem langjährigen Wegbegleiter

Für Hoffenheims neuen Rekordspieler Oliver Baumann kommt es am Samstagnachmittag vor dem Warm-up auf dem Weg von der Kabine zum Spielfeld durch den 14 Meter langen und drei Meter hohen Spielertunnel, vorbei an modernsten LED-Wände auf denen mit 4K-Technologie die Konterfeis der Spieler des deutschen Rekordmeisters bespielt werden, zum Wiedersehen mit seinem jahrelangen Torwarttrainer Michael Rechner. Acht Jahre haben beide erfolgreich zusammengearbeitet, ehe Rechner Anfang Februar dem Lockruf der Bayern, speziell dem von damaligen Trainers Julian Nagelsmann folgte, um Nachfolger des geschassten Neuer-Freundes Toni Tapalovic zu werden. „Ich freue mich definitiv, ihn wiederzusehen, aber wir haben auch einen sehr guten Torwarttrainer", sagte Baumann in der Mixed-Zone nach dem Schalke-Spiel in Bezug auf seinen neuen Torwarttrainers Alexander Stolz.

Baumann vermisst Lewandowski nicht

Gegen keinen anderen Gegner kassierte Baumann in seiner langen Karriere so viele Tore wie gegen die Bayern. Von den 62 Gegentreffern in seinen 420 Bundesligaeinsätzen kassierte der TSG-Kapitän die meisten vom ehemaligen FCB-Torjäger Robert Lewandowski. Darauf angesprochen sagte er: „Gut, dass er nicht mehr da ist, so kann er wenigstens seine Bilanz gegen mich nicht weiter ausbauen."
Schiedsrichter der Partie ist Bastian Dankert, attestiert wird er an den Seitenlinien von Rene Rohde und Marcel Unger.

Fotos: Kraichgaufoto

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Hoffenheim feiert "2:0-Auswärtssieg“ daheim gegen Schalke 04
TSG vergrößert nach drittem Sieg in Folge den Abstand zu den Abstiegsrängen
Sonntag, 9. April 2023

Im Kellerduell des 27. Bundesligaspieltages feierte die TSG Hoffenheim mit einem 2:0-Heimerfolg über den FC Schalke 04 den dritten Sieg in Folge. Die Hoffenheimer verschafften sich auf dem aktuell 14. Tabellenplatz ein 5-Punkte-Polster zum Abstiegsrelegationsplatz. In einer lauten, begeisterten und emotionalen Atmosphäre vor ausverkauftem Haus - darunter rund 13.000 Schalke-Fans - gingen die Kraichgauer durch ein Eigentor von Alex Kral (22.) in Führung, ehe Ihlas Bebou per Foulelfmeter zum 2:0-Endstand traf (70.). TSG-Kapitän Oliver Baumann sprach nach der Partie von einem Sieg mit viel Herz und Charakter: „Der Sieg ist extrem viel wert, denn es war Druck auf dem Kessel. Wir sind viel besser geworden nach der ewig langen Serie, in der wir nur auf die Fresse bekommen haben.“

 Die TSG-Spieler feiern mit den Fans den dritten Sieg in Folge
Clubhaus

Situation hat sich deutlich verbessert

Trainer Pellegrino Matarazzo sah einen verdienten Sieg, der die Situation im Abstiegskampf deutlich verbesserte: „Der Erfolg gibt uns eine breite Brust für den restlichen Weg. Die Situation sieht besser aus als vor drei Spieltagen, aber wir müssen weiterhin jede Woche unsere Leistung abrufen, sonst kommen wir in Schwierigkeiten.“ Für den enttäuschten Schalke-Trainer Thomas Reis war es eine verdiente Niederlage: „Ich war sehr enttäuscht von unserer ersten Hälfte, da hat nur Hoffenheim alles gegeben. Unsere Leistung hat über 90 Minuten nicht gereicht, um den Klassenerhalt zu erreichen.“

Furioser Start

Zum Spiel: Es ging von Beginn an gleich richtig zur Sache. Nach 37 Sekunden (!) trifft Bülter nach einer Ecke für die Gäste nur die Oberkante der Latte, und im Gegenzug köpft Baumgartner völlig freistehend vor dem FC-Tor knapp vorbei (2.). Die Gastgeber machten weiter Druck und erspielten sich eine deutliche Überlegenheit. Nach Vorarbeit des sehr stark aufspielenden Bebou kam Becker relativ frei zum Torabschluss, scheiterte aber an der Fußabwehr von FC-Keeper Fährmann (20.).

 Baumgartner wird elfmeterreif zu Fall gebracht

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Eigentor bringt die TSG in Führung

Doch nur zwei Minuten später zappelte der Ball erstmals im Schalker Tor. Nach einer scharfen Hereingabe von Angelino versuchte Kral zu klären, dabei fälschte er aber den Ball ins eigene Tor ab (22.). Kurz darauf hatten die Gastgeber das Glück auf ihrer Seite, nachdem Yoshida per Kopfball am rechten Lattenkreuz scheiterte (25.). Zwei große Chancen auf 2:0 zu erhöhen vergab jeweils Kramaric, der zunächst nach herrlichem Steilpass von Baumgartner frei vor Torhüter Fährmann im letzten Moment per Grätsche von Krauß geblockt wurde und wenig später alleine vor dem Tor auftauchte und beim Versuch den Torwart zu umspielen gegen diesen den Kürzeren zog (32.). Es blieb trotz drückender Überlegenheit bei der knappen Hoffenheimer Pausenführung, die bei besserer Chancenverwertung deutlich höher hätte ausfallen können, ja sogar müssen.

Bebou erhöht im zweiten Versuch vom Punkt auf 2:0

Im zweiten Abschnitt präsentierten sich die Königsblauen deutlich engagierter und offensiver, ohne sich jedoch zwingende Chancen zu erspielen. Die Nordbadener zogen sich etwas weiter zurück und waren immer wieder durch schnelle Konter brandgefährlich. So auch in der 69. Minute, als Baumgartner nach einem Zweikampf von Maya Yoshida im Strafraum zu Fall gebracht wurde und der sehr umsichtig und gut leitende Freiburger Schiedsrichter Dr. Matthias Jöllenbeck völlig zurecht auf Strafstoß entschied. Schütze Bebou trat an und scheiterte zunächst an Fährmann, doch der Torwart hatte sich zu früh von der Linie bewegt, so dass der Strafstoß wiederholt wurde. Dieses Mal entschied sich Bebou für die linke Ecke und traf zum 2:0 (70.). Der Schütze sagte nach Abpfiff in der Mixed-Zone: „Beim ersten Elfmeter habe ich mir etwas zu viele Gedanken gemacht, hatte aber das Glück, dass ich noch eine zweite Chance bekommen habe. Da habe ich mir gesagt, den mache ich einfach rein.“

 Bebou trifft im zweiten Versuch vom Punkt zum 2:0-Endstand

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TSG-Fans feiern "Auswärtssieg"

Es sprach zwar für die Moral der Gelsenkirchener, die nie aufgaben und bis zum Schluss auf den Anschlusstreffer drängten, dabei aber gegen die leidenschaftlich verteidigende gegnerische Hintermannschaft keine Lücken fanden. Und wenn mal ein Ball durch kam, war Torhüter Baumann zur Stelle. Die große Chance zur endgültigen Entscheidung vergab der 17-jährige Tom Bischof, der sich den Ball erkämpfte und alleine aufs S04-Tor zulief, aber im Abschluss zu hektisch und überhastet deutlich übers Tor schoss (85.). Schließlich blieb es beim verdienten 2:0-Erfolg der Hoffenheimer, der von den TSG-Fans euphorisch als „Auswärtssieg“ lautstark gefeiert wurde. In ihrer Feierlaune forderten sie den nächsten Sieg am kommenden Samstag beim (richtigen) Auswärtsspiel in München gegen den Tabellenführer FC Bayern.

Statistik:

TSG Hoffenheim: Baumann – Vogt (46. Kabak), Brooks, Akpoguma – Kaderabek, Geiger (64. Rudy), Angelino – Kramaric (64. Bischof), Becker (90.+3 Stiller) – Baumgartner – Bebou (78. Tohumcu)
FC Schalke 04: Fährmann – Brunner, Yoshida, Matriciani, Ouwejan (36. Aydin) – Krauß (71. Latza), Kral – Zalazar (79. Drexler) – Skarke (76. Topp), Frey (71. Terodde), Bülter
Tore: 1:0 Kral (22./Eigentor), 2:0 Bebou (70./Foulelfmeter)
Schiedsrichter: Dr. Jöllenbeck (Freiburg)
Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)

Fotos: Kraichgaufoto

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Gelingt der TSG gegen Schalke 04 der große Schritt in Richtung Klassenerhalt?
Hoffe empfängt am Ostersonntag im Kellerduell die Königsblauen
Freitag, 7. April 2023

Am 27. Spieltag kommt es zum Abstiegsduell der beiden Blau-Weißen TSG Hoffenheim – FC Schalke 04. Das Bundesligaspiel am Sonntagabend (19:30 Uhr) ist bereits das dritte Aufeinandertreffen in dieser Saison. Nach einem 3:0-Auswärtssieg im Oktober in der Liga warf die TSG vier Tage später die Königsblauen in der 2. DFB-Pokalrunde mit einem souveränen 5:1-Erfolg aus dem Wettbewerb. Dies war zugleich der Beginn einer langen Leidenszeit für die Kraichgauer, die erst wieder im März 2023 mit einem Sieg über Hertha BSC ein Erfolgserlebnis feiern konnten. Und da Siege bekanntlich Freude machen, ließen die Nordbadener gleich einen 2:1-Sieg in Bremen folgen.

Gelingt der TSG der dritte Sieg in Folge?

Damit hat sich die Matarazzo-Truppe, die am letzten Spieltag als einziges Team in der unteren Hälfte gewinnen konnte, etwas Luft im Tabellenkeller verschafft. Mit dem dritten Dreier in Folge könnten sich die Hoffenheimer als aktuell Fünfzehnter mit 25 Punkten auf der Habenseite deutlich von den Schalkern auf Rang 17 mit 21 Zählern absetzen. Gerne wird bei solchen Ausgangslagen von einem 6-Punkte-Spiel gesprochen, wenngleich es weiterhin „nur“ drei Punkte zu holen gibt. Mit einem fünften Heimsieg könnte die zweitschlechteste Heimmannschaft (nur Schalke ist bei drei Siegen noch schlechter) einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt machen.

 Kabak erzielt im Pokalspiel gegen Schalke einen Kopfballtreffer

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Auswärts noch ungeschlagen

Doch die Gastgeber werden es nicht einfach haben, zumal der nächste Gegner sich in der Rückrunde deutlich gesteigert hat und mit zwölf Punkten aus neun Partien dem von vielen schon vorprophezeiten Abstieg die passende Antwort gegeben hat. S04 ist mit einem Sieg und drei Unentschieden das einzige Erstligateam, das in der Rückrunde auswärts noch ungeschlagen ist. Nur ein Gegentreffer auf des Gegners Platz ist in der Rückrunde Liga-Bestwert.

Verstärkte Defensive

14 Pflichtspiele bestritten die Hoffenheimer bislang zu Hause gegen den Ruhrpott-Klub. Nur einmal unterlag die TSG dabei, in der Bilanz stehen zudem acht Siege und fünf Unentschieden. In der Hinrunde kassierten die Gelsenkirchener noch 41 Gegentreffer und damit mehr als jedes andere Team. In der Rückrunde musste Torwart Ralf Fährmann jedoch erst siebenmal hinter sich greifen, einzig Union Berlin (sechs Gegentore) ließ noch weniger Treffer zu.

 Nsoki (li.) behauptet den Ball vor seinem Schalker Gegenspieler
Anpfiff ins Leben

Prömel wieder dabei

Vor einem möglichen Comeback steht nach langer Verletzungspause Grischa Prömel, der wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen ist. Matarazzo ließ im Vorfeld offen, ob der Mittelfeldspieler am Sonntagabend auflaufen wird: „Natürlich ist er noch kein Kandidat für 90 Minuten. Wir werden die zwei verbleibenden Trainingseinheiten abwarten, ob er es in den Kader schafft. Mit seiner Ausstrahlung wird er eine große Hilfe für uns sein, wenn er wieder dabei ist.“ Die Personalsituation hat sich deutlich verbessert. Bis auf Jacob Bruun Larsen stehen alle Profis zur Verfügung.

"Wollen ein geiles Spiel abliefern"

Matarazzo sagte bei der Spieltags-Pressekonferenz über den nächsten Gegner: „Wir treten gegen einen direkten Kontrahenten im Kampf um den Klassenerhalt an. Wir wollen an die Energie anknüpfen, die wir in den vergangenen zwei Spielen gezeigt haben. Wir wollen ein geiles Spiel abliefern.“ Dabei lässt er nicht unerwähnt, dass S04 zurzeit einen unglaublichen Lauf hat: „Vor allem in der Defensive stehen sie stabil und schalten dann schnell um. Wir wollen unser Spiel aufziehen und das Geschehen in die gegnerische Hälfte verlagern. Wenn wir das konsequent auf den Platz bringen, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir drei Punkte holen können.“

 Baumgartner (Mitte) zählt seit Wochen zu den Aktivposten im Hoffenheimer Spiel
s#Badische_Restaurant

Baumann jetzt Rekordspieler

Für zwei TSG-ler steht am Sonntagabend ein Jubiläum bevor. Torhüter Baumann bestritt am letzten Spieltag in Bremen sein 288. Bundesliga-Spiel als Hoffenheimer, holte damit den historischen Rekordmann Rudy ein. Und der Tscheche Kaderabek, der seit Sommer 2015 im Kraichgau unter Vertrag steht, steht vor seinem 200. Bundesliga-Einsatz.Die historische Bilanz spricht für die Gastgeber, die bei 11:9 Siegen und sieben Unentschieden vorne liegen.

Fotos: Kraichgaufoto

Hopp dementiert Rosen-Aus: "Das entbehrt jeglicher Grundlage"
Personelle Unstimmigkeiten bei der TSG Hoffenheim
Mittwoch, 5. April 2023

Sportlich scheint die TSG Hoffenheim nach zwei Siegen gegen Hertha BSC Berlin (3:1) und Werder Bremen (2:1) die Wende im Abstiegskampf eingeleitet zu haben. Mit einem Heimsieg am Ostersonntag (19:30 Uhr) gegen den FC Schalke 04 könnten die Kraichgauer einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt und 16. Erstligajahr in Folge machen. Gerade in dieser wichtigen Phase der Saison sorgen personelle Schlagzeilen für Unruhe im Bundesligadorf. Dabei geht es speziell um die Personalie Alexander Rosen, der am vergangenen Sonntag in Bremen sein 10-jähriges Dienstjubiläum als Direktor Profifußball bei der TSG gefeiert hat.

 Rosen soll laut Boulevard vor der Ablösung stehen

Wiesendanger Bedachungen

Manager soll die Mitschuld tragen

Der Manager soll mit ververantwortlich für den sportlichen Niedergang und verschiedener Personalentscheidungen in der Trainerfrage und Kaderplanung sein. Bei der Wahl des Trainer-Nachfolgers von André Breitenreiter hatte sich Rosen für Pellegrino Matarazzo entschieden, während die Vereinsverantwortlichen und Hopp-Berater Roger Wittmann eher in Kenan Kocak die geeignete Person für den Kampf um den Klassenerhalt gesehen haben. Als möglicher Rosen-Nachfolger wurde bereits der frühere Leiter des Hoffenheimer Nachwuchsleistungszentrums Dirk Mach gehandelt.

 Fantransparent in der Südkurve

Kraichgaufoto

Schlechte Bilanz unter drei Trainern

In der Bild war zu lesen: „Erst gefeiert, bald wohl gefeuert...“ Alex Rosen, auch „Null-Euro-Transfer-Meister“ genannt,soll mitverantwortlich zu sein, dass sich die TSG vom einem Champions League- zu einem Abstiegskandidaten entwickelt hat. Neun sieglose Spiele unter dem ehemaligen Trainer Sebastian Hoeneß, 15 Partien ohne Sieg unter den Cheftrainern Breitenreiter und Matarazzo waren zu viel. Während Rosen Spielern wie den drei 33-Jährigen Sebastian Rudy, Ermin Bicakcic oder Benjamin Hübner neue Verträge gab, obwohl sie sportlich kaum noch eine Rolle spielen, missfiel Hopp, dass Linksverteidiger David Raum im letzten Sommer für 26 Millionen Euro plus Boni zu RB Leipzig verkauft wurde.

 Dietmar Hopp dementiert Trennungsgerüchte
kfzzentrumfluehr

Hopp dementiert Meldungen über das Rosen-Aus

Nachdem sich Gesellschafter und Mäzen Dietmar Hopp bislang mit seinen Äußerungen in der Öffentlichkeit zurückgehalten hat, meldete sich nun der Vereinsboss gegenüber dem kicker zu den Ankündigungen in der Bild, wonach Rosen im Sommer abgelöst werden soll. "Mit Erstaunen habe ich Meldungen gelesen, denen zufolge unser sportliches Management unmittelbar vor dem Aus stehe. Das entbehrt jeglicher Grundlage", widerspricht Hopp den Boulevard-Meldungen. Auch das angebliche bevorstehende Aus von Finanz- und Sport-Geschäftsführer Frank Briel wollte Hopp nicht bestätigen.

Den Blick auf Schalke 04 richten

Der 82-Jährige richtet den Fokus vielmehr auf die aktuelle sportliche Situation: „Ich freue mich über die Erfolge der vergangenen Wochen und schaue zuversichtlich auf den Rest der Saison. Am Sonntag erwartet uns ein wichtiges Spiel gegen einen starken Gegner, dem gilt unsere volle Konzentration." Unabhängig vom Saisonausgang, die personellen Diskussionen werden noch länger nachwirken bzw. aufzuarbeiten sein. Gut möglich auch, dass in der aktuell wichtigen und schwierigen Situation im Abstiegskampf Druck von den Beteiligten genommen wird und der Fokus zu 1899-Prozent nur auf das sportliche Geschehen auf dem Spielfeld gerichtet wird. In dieser Sache ist mit Sicherheit noch nicht das letzte Wort gesprochen!

Fotos: BWA

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Ein wichtiger Auswärtssieg mit Köpfchen
TSG Hoffenheim verschafft sich nach 2:1-Erfolg in Bremen etwas Luft
Sonntag, 2. April 2023

Für die TSG Hoffenheim war es ein ganz wichtiger Sieg im Kampf um den Klassenerhalt. Die Kraichgauer holten in der letzten Partie des 26. Spieltages am Sonntagabend beim SV Werder Bremen durch zwei Kopfballtreffer von Kramaric (50.) und Baumgartner (52.) - bei einem Gegentreffer von Pieper (76.) - drei ganz wertvolle Punkte im Abstiegskampf. Die Matarazzo-Truppe beendete damit ihren Auswärtsfluch nach sechs Niederlagen in Folge und bleibt im achten Spiel in Folge im Weserstadion ungeschlagen.

Gegenüber den Konkurrenten gepunktet

Durch den zweiten Sieg in Folge hat sich die TSG im Direktduell mit Hertha BSC Berlin (16.), FC Schalke 04 (17.) und VfB Stuttgart (18.) etwas Luft im Tabellenkeller als Fünfzehnter verschafft. Der Vorsprung zum Relegationsplatz beträgt vor dem wichtigen Heimspiel am Ostersonntag (19:30 Uhr) gegen Schalke 04 drei Punkte. Torschütze Kramaric: „Wir sind auf dem richtigen Weg und müssen in der nächsten Woche gegen Schalke wieder nachlegen. Sie haben in den vergangenen Wochen große mentale Stärke gezeigt, es wird nicht einfach.“

 Kramaric (re.) brachte die TSG per Kopfball 1:0 in Fühung
Hochmuth Rolladen & Sonnenschutz

Baumann verhindert Rückstand

Zum Spiel: Nachdem Bebou bei der ersten Chance der Partie von einem Bremer im letzten Moment noch geblockt wurde (13.), reagierte TSG-Keeper Baumann im Duell Eins-gegen-Eins mit Schmidt reaktionsschnell und verhinderte einen möglichen Rückstand (26.). Kurz darauf war der TSG-Kapitän erneut zur Stelle, als er einen Schuss von Ducksch mit beiden Fäusten entschärfte (32.).

Doppelschlag per Kopf

In der zweiten Hälfte brachten zwei Kopfballtreffer innerhalb von zwei Minuten die Gäste 2:0 in Führung. Zunächst besorgte Kramaric aus kurzer Distanz nach einer Angelino-Flanke den Führungstreffer (50.), und kurz darauf vollendete Baumgartner eine Kaderabek-Hereingabe zum 2:0 (52.). Der Druck der Hanseaten nahm in der Folge zu und wurde belohnt, als Pieper nach einer Weiser-Flanke mit einem wuchtigen Kopfballtreffer auf 1:2 verkürzte (76.).

Pfosten und VAR sichern TSG-Sieg

In einer hektischen und turbulenten Schlussphase stand den Nordbadenern das Glück zur Seite. Nachdem Philipp aus 20 Metern knapp das TSG-Tor verfehlte (85.), scheiterte er in der Nachspielzeit nach glänzender Vorarbeit von Dinkci aus fünf Metern am linken Pfosten (90.+2). Und dank des Videobeweises wurde ein von Kabak im Strafraum geahndetes Handspiel von Schiri Stegemann aufgrund einer Abseitsstellung von Weiser wieder zurückgenommen (90.+4). Danach war Schluss. Die Hoffenheimer feierten mit ihren mitgereisten 350 Fans ausgelassen den dritten Auswärtssieg der Saison.
Zum Abschluss des 27. Spieltags empfängt die TSG Hoffenheim den FC Schalke 04. Das Kellerduell am Ostersonntag beginnt um 19:30 Uhr.

 Baumgartner (re.) erhöhte zwei Minuten später auf 2:0
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Stimmen zum Spiel:

Matarazzo (TSG-Trainer): „Der Teamspirit hat gestimmt, wir freuen uns sehr über den zweiten Sieg nacheinander. Aber wir sind noch lange nicht durch, das Spiel gegen Schalke in der nächsten Woche ist sehr wichtig. Eine Erleichterung spüre ich deshalb noch nicht.“
Werner (Trainer Werder Bremen): „Wir haben aber zwei spielentscheidende Fehler gemacht und haben zu wenig Effektivität auf den Platz gebracht. Deshalb haben wir verdient verloren.“
Kramaric (Torschütze zum 1:0): „Ich bin überglücklich, dass wir die drei Punkte geholt haben. Die Schlussphase war stressig, aber ich bin zufrieden. Als der Elfmeterpfiff kam, konnte ich nicht glauben, dass wir schon wieder Pech haben. Dann ist es aber gut für uns ausgegangen.“
Baumgartner (Torschütze zum 2:0): „Wir haben das Spiel gewonnen, das ist die Hauptsache. Nach unserem ersten Treffer war Bremen etwas unkonzentriert, da haben wir dann direkt nachgelegt, das war wichtig.“

 Torhüter Baumann verhinderte mit einigen Paraden einen möglichen Rückstand

Aufstellungen:

Werder Bremen: Pavlenka – Stark (75. Pieper), Veljkovic, Friedl – Weiser, C. Groß (75. Philipp), A. Jung (87. Dinkci), N. Schmidt (60. Bittencourt), Schmid (60. Stage) – Füllkrug, Ducksch
TSG Hoffenheim: Baumann – Vogt, Brooks, Akpoguma (75. Kabak) – Kaderabek, Geiger, Angelino (81. Nsoki) – Becker (67. Delaney, 81. Stiller), Kramaric – Baumgartner (67. Asllani), Bebou
Tore: 0:1 Kramaric (50.), 0:2 Baumgartner (52.), 1:2 Pieper (76.)
Schiedsrichter: Stegemann
Zuschauer: 41.000

Fotos: Kraichgaufoto

 

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TSG möchte gegen Bremen mit neuem Selbstvertrauen nachlegen
Hoffenheim gastiert am Sonntagabend beim SV Werder Bremen
Freitag, 31. März 2023

Nach der Länderspielpause setzt die Fußball-Bundesliga am Wochenende ihren Spielbetrieb fort. Die TSG Hoffenheim beendet diesen 26. Spieltag am Sonntagabend um 17:30 Uhr mit dem Auswärtsspiel beim SV Werder Bremen. Die abstiegsgefährdeten Kraichgauer konnten ihre Negativserie nach zuvor 14 sieglosen Bundesligaspielen mit einem 3:1-Heimsieg im Kellerduell über Hertha BSC Berlin beenden. Ob dieses Erfolgserlebnis nun der Knotenlöser ist, wird zeigen. TSG-Trainer Pellegrino Matarazzo zeigt sich optimistisch: „Wir haben von den Misserfolgen in den vergangenen Wochen gelernt, aber der Erfolg gegen Berlin hat gezeigt, dass das Selbstvertrauen durch Siege wächst. Darauf möchten wir aufbauen und im Angriffsmodus bleiben.“

Länderspielpause hat gutgetan

Für Matarazzo kam die Länderspielpause nicht ungelegen: „Die Jungs sind gesund von den Reisen zurückgekehrt und hinterlassen einen guten Eindruck. Auch die Spieler, die in Zuzenhausen trainiert haben, sprühen vor Vorfreude und haben hart gearbeitet. Die Länderspielphase hat uns gutgetan.“

 Fußball-Ballett-Einlage von Angelino und Weiser im Hinspiel in Sinsheim

Wiesendanger Bedachungen

Positive Bilanz an der Weser

Das Bremer Weserstadion war für die Blau-Weißen zuletzt ein gutes Pflaster, nachdem sie dort seit sieben Bundesligapartien (zwei Siege, fünf Unentschieden) ungeschlagen sind. Während die TSG alle ihre letzten sechs Auswärtsspiele verlor, kassierten die Norddeutschen bereits sieben Heimniederlagen. Bei neun Zählern Vorsprung auf den Tabellenfünfzehnten Hoffenheim dürften die Grün-Weißen neun Spieltage vor Saisonende wohl nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben.

Torgaranten Füllkrug und Ducksch

Ein wesentlicher Garant für den Bremer Erfolg ist Nationalmittelstürmer Niclas Füllkrug, der aufgrund seiner effizienten Torgefahr zu den Topstürmern der Liga zählt. Der Goalgetter bildet mit Sturmpartner Marvin Ducksch das treffsicherste Sturmduo aller Erstligisten, was 23 Tore eindrucksvoll untermauern. Ducksch traf in der Rückrunde bereits fünf Mal, Füllkrug vier Mal. Trainer Matarazzo findet viel Lob für die beiden Stürmer: "Sie haben eine hohe Durchschlagskraft, können den Ball festmachen und verteilen. Damit beide so gut funktionieren können, schafft das gesamte Team mit der offensiven Spielanlage Räume für die Stürmer.“

 Baumgartner kommt einen Schritt zu spät, Werder-Keeper Pavlenka klärt per Faustabwehr
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Offensive Ausrichtung

Matarazzo sieht Bremen unter Trainer Ole Werner offensiv in der Spielweise, wobei bewusst hohes Risiko in Kauf genommen wird. "Dafür belohnen sie sich häufig mit Punkten und einer bislang starken Saison. Werder hat die Energie vom Aufstieg mitgenommen. Wir werden die ein oder andere taktische Anpassung vornehmen, aber das bewegt sich innerhalb unserer Idee“, sagte der Hoffe-Coach bei der Spieltags-Pressekonferenz am Freitagvormittag in Zuzenhausen.

Die bisherigen Duelle

Die Werderaner rangieren aktuell mit 31 Zählern auf dem elften Rang, wobei sie aus den vergangenen sechs Spielen nur vier Punkte holen konnten. Im Direktvergleich stehen sich beide Mannschaften zum 28. Mal in der Bundesliga gegenüber. Dabei gewannen die Norddeutschen elf Partien, sechsmal setzte sich die TSG durch, zehn Partien endeten unentschieden.

 Prömel zog beim 1:2 im Hinspiel noch die Fäden im Hoffenheimer Mittelfeld
kfzzentrumfluehr

Prömel wieder im Training

Eine erfreuliche Nachricht gab es während der Länderspielpause zu vermelden. Mittelfeldspieler Grischa Prömel hat nach einem Bruch des Sprunggelenkes aus dem Spiel gegen RB Leipzig vor fünf Monaten erstmals wieder am Mannschaftstraining teilgenommen. Der 28-jährige war eine Stunde lang gemeinsam mit seinen Teamkollegen auf dem Rasen und machte erste Passübungen und Spielformen ohne Gegnerkontakt mit. „Es hat Spaß gemacht. Darauf habe ich lange hingearbeitet. Ich freue mich extrem und will Schritt für Schritt zurück zur Mannschaft“, sagte der zu Saisonbeginn von Union Berlin in den Kraichgau gewechselte Prömel in einem Vereinsvideo. Wenn es weiterhin gut verläuft, kann der Mittelfeldspieler gegen Schalke eine Option fürs Aufgebot sein. Dies gilt auch für Kasper Dolberg, der weiterhin an den Folgen einer Gehirnerschütterung leidet. Er ist wie auch Jacob Bruun Larsen keine Option für Bremen. Ansonsten sind alle Spieler einsatzfähig.

Fotos: Kraichgaufoto

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Rosen feiert 10-Jähriges - Rückblick auf Höhen, Besonderheiten und Tiefen
„Wir haben zusammen Geschichte geschrieben”
Donnerstag, 30. März 2023

Am 2. April 2013 wurde Alexander Rosen aus der TSG-Akademie befördert und im Alter von nur 33 Jahren der jüngste Sportdirektor der Bundesliga. Am Sonntag feiert der gebürtige Augsburger und zweifache Familienvater sein zehnjähriges Dienstjubiläum. Im Interview mit tsg-hoffenheim.de, das wir hier veröffentlichen möchten, spricht der 43 Jahre alte Direktor Profifußball der TSG vor dem Spiel in Bremen (Sonntag, 17:30 Uhr) über besondere Momente seiner Amtszeit, die Hoffenheimer Entwicklung in der vergangenen Dekade und die aktuelle sportliche Situation.

Alex, am Sonntag feierst Du Dein zehnjähriges Jubiläum. Du bist am 2. April 2013 zum Direktor Profifußball bei der TSG Hoffenheim aufgestiegen. Wie fühlt es sich nun, zehn Jahre später, an?
Alex Rosen: „Es fühlt sich immer noch sehr gut an und ich bin unfassbar dankbar, dass ich diese Chance seinerzeit von Dietmar Hopp erhalten habe. Das war und ist alles andere als selbstverständlich. Wenn mir jemand diese zehn Jahre als Perspektive damals so hingemalt hätte, mit all den Höhen, den Besonderheiten und auch den vorhandenen Tiefen, dann sage ich heute, wenige Tage vor dem Jubiläum: Fantastisch, was für eine Reise, die würde ich gerne genauso mitgehen. Es war und ist großartig, diese Story hier mitgeprägt zu haben und weiter prägen zu dürfen. Auch in einer herausfordernden Zeit wie der aktuellen.”

 Das Handy am Ohr, den Ball am Fuß - der Kontakt zum runden Leder ist stets vorhanden

Gedankenwelt ist häufiger mit Negativem behaftet

Du sprichst es an. Die TSG liegt neun Spieltage vor Saisonende auf dem 15. Tabellenplatz, am Wochenende geht es nach Bremen. Schläfst Du angesichts der Situation schlecht?
Rosen: „Mein Schlaf ist erfreulicherweise unverändert gut, was extrem wichtig ist in diesen Zeiten, weil ich in der Nacht regenerieren und die Aufgaben am nächsten Tag dann wieder frisch angehen kann. Ich will es auch nicht zu groß machen. Natürlich ist die Situation auch für mich anstrengend und heraufordernd, aber auf der anderen Seite darf ich hier nach wie vor im Umfeld Bundesliga arbeiten. Ich glaube, wenn wir nach links und rechts in die Gesellschaft blicken, gibt es zahlreiche Menschen, die vor ganz anderen Herausforderungen stehen. Was sich in diesen Phasen definitiv verändert, ist die Gedankenwelt tagsüber, da man viel häufiger mit negativ behafteten Themen konfrontiert ist. Ich habe nach zehn Jahren aber einen relativ großen Erfahrungsschatz, auch was sportliche Extremsituationen und teilweise extreme Bewertungen betrifft. Ich achte auf mich und konnte mir die Fähigkeit aneignen, trotz aller Verantwortung auch immer private Räume zu finden, um dann für den Moment abzuschalten. Wenn am Abend Familienzeit ist, die letzte Stunde der Kinder vor dem Zubettgehen, dann sollte man nicht mit den Gedanken dauernd woanders sein. Man muss sich immer wieder ausklinken und wenn das mentale Immunsystem funktioniert, bleibt man bei den zu bewältigenden Aufgaben auch klar.”

"Man wirkt immer - im Guten wie im Schlechten"

Es ist derzeit eine sportlich extrem angespannte Situation. Was kann der Sportdirektor da beisteuern?
Rosen: 
„Alle haben eine Wirkung, alles bedingt sich wechselseitig. Natürlich müssen es am Wochenende letztlich die Spieler auf dem Platz richten, aber ich habe als Sportdirektor, der die Entscheidung für jeden einzelnen Spieler mitgetroffen hat, eine besondere Rolle. Ich glaube, dass man als Führungskraft über Kommunikation, Ausstrahlung, Resilienz und Erfahrung einen erheblichen Einfluss nehmen kann und situativ auch muss. Ich kann zwar weder die Flanke aus dem Sechzehner köpfen noch den letzten Ball über die Linie drücken, aber viele Dinge kann ich beeinflussen, gute Rahmenbedingungen schaffen und einen guten Geist etablieren. Dieser Wirkung darf man sich bewusst sein und das gilt nicht nur für mich. Man wirkt nämlich immer - im Guten wie im Schlechten.”

 Alex Rosen (re.) zusammen mit dem jungen Trainer Julian Nagelsmann auf dem Trainingsgelände

Ritzhaupt

Zusammenhalt und Glaube da vorhanden

Wie nimmst Du das Team und Trainer Pellegrino Matarazzo in dieser Situation wahr?
Rosen: 
„Ich bin täglich mit Rino im Austausch, mal kürzer, mal länger, und ich sehe viele Trainingseinheiten, um ein Gefühl für das Team und die aktuellen Umstände zu bekommen. Ich möchte, dass die Jungs wissen, dass da noch jemand anderes für sie da ist, der keinen Trainingsanzug anhat. Ich nehme seit Wochen wahr, dass sich etwas tut im Klub - auf dem Trainingsplatz, in der Geschäftsstelle, im Umfeld. Es ist Zusammenhalt und es ist Glaube da, die Situation wird anerkannt und akzeptiert. Das ist die Basis, um da wieder herauszukommen. Nach dem Sieg gegen Hertha BSC ist unser aller Aufgabe, nun dauerhaft Leistung und Ergebnis übereinzubringen, um dann von August an in unsere 16. Bundesliga-Saison starten zu können. Das ist ja für sich genommen schon eine großartige Leistung.”

"Sind gescheitert, aufgestanden und haben weitergemacht"

Du hast elf Spielzeiten davon mitgemacht, hast auch zweimal, 2013 und 2016, den Abstiegskampf erlebt. Lassen sich die Situationen vergleichen?
Rosen: 
„Eigentlich nicht. 2013 ging es für Markus Gisdol als neuen Trainer und mich als damals neuen Manager beim Amtsantritt eigentlich eher darum, eine bessere Planungsmöglichkeit für den wahrscheinlicheren Fall der zweiten Liga zu schaffen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt keine persönliche Verantwortung für diese Situation und konnten unvorbelastet reingehen. Mit wahnsinnig viel Herzblut, mit viel Engagement, mit Geschick und auch mit ein bisschen Fortune haben wir dann diese großartigen Wende geschafft. 2015/16 war von Beginn an irgendwie Sand im Getriebe, nachdem wir in der Vorsaison die mögliche Europacup-Teilnahme verpasst hatten. Da lief wenig rund und nach der mutigen und besonderen Lösung mit Julian Nagelsmann als neuem Trainer, kamen wir relativ schnell auch wieder in ein Fahrwasser, in dem jeder spüren konnte, dass es nach oben geht. Nun ist die Situation so, dass noch ein Viertel der Saison zu spielen ist und wir nur knapp über dem Strich stehen. Wir sind mitten in einer sehr anspruchsvollen Phase, aber ich habe eine absolute Überzeugung in mir, dass wir es schaffen werden. Die Mannschaft ist intakt, das Trainerteam mit Rino an der Spitze geht mit viel Energie voran und ich nehme trotz der Umstände eine stetig wachsende Stabilität und einen großartigen Zusammenhalt wahr. Ich freue mich wahnsinnig über das Erfolgserlebnis gegen Hertha BSC, das hart erarbeitet werden musste, vielleicht viel härter als manches andere. Wir hätten schon vorher bessere Ergebnisse verdient gehabt, aber wir haben sie nicht bekommen, sind gescheitert und gescheitert und gescheitert, aber wir sind aufgestanden und haben weitergemacht. Auch diese Tatsache verleiht mir große Zuversicht.”

 Alex Rosen präsentiert 2014 Neuzugang Pirmin Schwegler (re.), der jetzt als Leiter Lizenzfußball und Fußballkooperationen bei der TSG verantwortlich ist

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Selbstreflexion und Wachheit, aber auch zukunftsorientiertes Denken

Gibt es in der Rückschau dennoch Entscheidungen, die Du bereust?
Rosen: 
„Man tut sich manchmal keinen Gefallen, wenn man Entscheidungen mit großer Zeitverzögerung wieder und wieder bewertet. Es geht immer um den Moment, in dem diese Entscheidungen getroffen wurden. Wichtig ist, dass man sie damals mit bestem Wissen und Gewissen sorgfältig geprüft und aus voller Überzeugung getroffen hat. Dann gehört anschließend auch eine gewisse Akzeptanz dazu - egal, wie das Ergebnis ausfällt. Ich finde es gut, wenn man sich verantwortlich fühlt und ich fühle mich verantwortlich. Wenn man weiß, dass man nicht in der Opferrolle, sondern in der Verantwortung ist, dann hat man auch die Chance etwas zu ändern. Es kann schlicht nicht alles richtig gewesen sein, aber das ist es nie. Das ist mir bewusst. Aber man darf sich auch nach Fehlentwicklungen weder dauerhaft selbst demontieren noch sollte man in der Vergangenheit oder im Konjunktiv leben. Ich reflektiere mich, aber ich muss am nächsten Tag auch die nächste Entscheidung treffen. Selbstreflexion und Wachheit ja, aber man sollte so viel Energie wie möglich in zukunftsorientierte und positive Lösungsszenarien stecken und als Führungskraft mit Zuversicht, Überzeugung und auch einer gewissen Ruhe vorangehen.”

Resultat folgt immer der Leistung

Nun ist das kurzfristige Ziel, die Klassenzugehörigkeit zu sichern.
Rosen: 
„Natürlich, aber um an diesem Ziel anzukommen, müssen wir verinnerlichen, dass der Weg dahin ein Prozess ist und dass das Resultat immer der Leistung folgt, wenn die Entwicklung nachhaltig sein soll, nicht andersherum. Natürlich verlief diese Saison nach dem 10. Spieltag im Hinblick auf die Ergebnisse katastrophal, aber vielleicht hilft in der grundsätzlichen Bewertung der TSG Hoffenheim hin und wieder auch die Draufsicht, um wieder etwas mehr Ruhe zu erlangen. Wir sind wirtschaftlich im Mittelfeld der Liga und wir haben in den sechs Spielzeiten zwischen 2016 und 2022 fünfmal wirklich bis zum Schluss um Europa gespielt, uns sogar dreimal qualifiziert. Wir haben hier alle zusammen Geschichte geschrieben. Das ist eine wahnsinnige Bilanz, eine coole Story für den mit Abstand kleinsten Standort der Liga. Aktuell stehen wir nach vielen Jahren wieder einmal im unteren Tabellendrittel. Das ist alles andere als schön und entspricht auch in keiner Weise unserem Anspruch, aber jetzt geht es um Akzeptanz und das feste Zutrauen, diese Herausforderung meistern zu können. Ich glaube, diese Bodenständigkeit ist wichtig, um die Leistungen der Vergangenheit einzuordnen, intern wie extern.”

Familiärer Dorfverein mit herausragender Jugednarbeit sollte im Mittelpunkt stehen

Was wünscht Du Dir für die TSG in den nächsten fünf Jahren?
Rosen: „Ich wünsche mir, dass wieder für mehr Menschen da draußen sichtbarer wird, was hier geleistet wurde und wird. Die TSG bedeutet den Leuten in der Region unheimlich viel und die Dinge, für die dieser Klub steht, das Familiäre, das Dorf, die herausragende Jugendarbeit, das Innovative, das Miteinander, die sportlichen Leistungen - das sollte immer im Mittelpunkt stehen. Wenn wir ein stabiles Mitglied in der Bundesliga bleiben, mit unserem Fokus, dass wir immer offen sind für Neuerungen, mit diesem Geist der Jugend und des Nach-Vorn-Denkens und wenn wir es dann dabei schaffen, immer wieder auch mal für sportliche Highlights zu sorgen, dann wäre das ein hehres Ziel.”

PM: TSG Hoffenheim
Fotos: BWA

Weitere Fotos zum Bericht
     
Befreiungsschlag: Hoffenheim siegt im Abstiegsduell 3:1 über Hertha BSC
Erleichterung für Matarazzo & Co. - Erster Sieg seit 155 Tagen
Samstag, 18. März 2023

Für die TSG Hoffenheim war es der große Befreiungsschlag. Nach sieben Rückrundenniederlagen in Folge feierten die Kraichgauer am 25. Bundesligaspieltag einen verdienten 3:1-Heimerfolg über Hertha BSC Berlin und machten einen großen Sprung vom Tabellenende auf Platz 15. Exakt 155 Tage lagen zwischen dem letzten Bundesliga-Sieg über den FC Schalke 04 und dem Erfolg über die Hertha. Die Berliner offenbarten erneut ihre Auswärtsschwäche, indem sie über die gesamten 90 Minuten viel zu harmlos und wenig torgefährlich agierten.

Kramaric trifft gegen seinen Lieblingsgegner doppelt

Der Kroate Kramaric brachte die TSG mit zwei verwandelten Strafstößen in Führung (24, 37.), Bebou erhöhte in der zweiten Hälfte auf 3:0 (51.), ehe Jovetic in der Nachspielzeit (90.+2) der Ehrentreffer gelang. Die Hoffenheimer konnten mit dem siebten Sieg im neunten Heimspiel gegen den Hauptstadtklub ihre makellose Bilanz weiter ausbauen, während Rekordtorschütze Kramaric gegen seinen Lieblingsgegner die Treffer elf und zwölf erzielte.

 Kramaric trifft vom Elfmeterpunkt zur 2:0-Führung
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"Spüre eine enge Bindung im Team"

Für Matarazzo war es der erste Sieg im sechsten Spiel als Hoffenheim-Trainer. Bei der Pressekonferenz sagte der 45-Jährige sichtlich erleichtert: „Der Sieg heute war verdient. Wir haben eine Leistung gezeigt, die es uns ermöglicht hat, endlich drei Punkte zu holen. Ich freue mich natürlich für die Jungs, dass sie sich endlich belohnt haben. Ich spüre, dass wir eine enge Bindung im Team haben, das freut mich sehr.“ Nebenan zeigte sich Trainerkollege Schwarz enttäuscht von der Leistung seiner Mannschaft: „Es ist ein völlig verdienter Sieg für Hoffenheim. Wir haben keine gute Leistung gezeigt und zwei Geschenke verteilt. Beide Elfmeter waren berechtigt. Nach den Gegentoren haben wir keine Reaktion gezeigt. Die Leistung ist enttäuschend.“

Zwei berechtigte Strafstöße brachten Hoffe auf die Siegerstraße

Zum Spiel: Der Druck auf den Gastgebern war nach 14 sieglosen Partien enorm, alles andere als ein Erfolg über die „Alte Dame“ hätte vieles in Frage gestellt, unter anderem auch Trainer Matarazzo. Die TSG übernahm nach einer durchwachsenen Anfangsviertelstunde die Initiative und erspielte sich einige gute Tormöglichkeiten. Die Beste bot sich Kramaric, der an Torhüter Christensen scheiterte (20.). Der erste Torjubel ließ nicht lange auf sich warten. Nachdem ein Kopfball des Ex-Berliners Brooks an die Hand von Cigerci ging, entschied Schiri Willenborg zu Recht auf Strafstoß, den Kramaric lässig in die Tormitte verwandelte (22.). Die TSG war erstmals seit dem 24. Januar im Spiel gegen den VfB Stuttgart wieder in Führung gegangen. Nachdem Kaderabek aus kurzer Distanz die Möglichkeit zum 2:0 vergab (32.), zeigte der Unparteiische kurz darauf erneut auf den Punk, nachdem Uremovic TSG-Stürmer Bebou im Strafraum unkontrolliert zu Fall gebracht hatte. Erneut schnappte sich Kramaric den Ball und ließ Torhüter Christensen mit einem platzierten Schuss ins rechte Eck keine Chance (38.).

 Brooks Kopfball geht an die Hand des Berliners Cigerci, was zum ersten Elfmeter führte
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Bebou sorgt für die Vorentscheidung

In der zweiten Hälfte hatten die Gäste die erste Möglichkeit durch Lukebakio, doch TSG-Keeper Baumann parierte den Schuss aus kurzer Distanz reaktionsschnell (49.). Zwei Minuten später sorgte Bebou für die vorzeitige Vorentscheidung, als er sich im Sprint sich gegen zwei Gegenspieler durchgesetzt hatte und den Ball mit dem rechten Außenrist vorbei am herauseilenden Hertha-Keeper ins Tor zum vielumjubelten 3:0 einschob (51.). Die Gastgeber vergaben noch einige vielversprechende Torchancen zu einem höheren Sieg. So scheiterte Stiller mit einem Distanzschuss am glänzend parierenden Christensen (63.). Den einzigen Wehmutstropfen gab es in der 71. Minute, als der zwei Minuten zuvor eingewechselte Dabbur nach einem unnötigen Foulspiel in der Berliner Hälfte zurecht mit Rot vom Platz flog. Der Israeli stieg völlig übermotiviert von hinten mit offener Sohle in die Wade von Lukebakio. Der Berliner Ehrentreffer in der Nachspielzeit durch den eingewechselten Jovetic war nur noch Ergebniskosmetik (90.+2).

"Mannschaft steht voll hinter dem Trainer"

Der Österreicher Baumgartner sprach sich nach dem Spiel in der Mixed-Zone klar für den Trainer aus: "Wenn man heute das Spiel gesehen hat, wie sich jeder den Arsch aufgerissen hat, dann sagt das genug darüber aus, was wir vom Trainer halten. Er macht seine Arbeit sensationell gut, wir machen Schritte nach vorne. Die werden natürlich nicht gesehen, wenn du verlierst, das ist einfach so, das Ergebnis zählt. Aber die Mannschaft steht zu hundert Prozent hinter ihm, das haben wir heute gezeigt."

 Erleichterung bei Manager Rosen und Trainer Matarazzo (re.) nach dem ersten gemeinsamen Erfolgserlebnis

Kraichgaufoto

"Haben gezeigt, was wir können"

Doppeltorschütze Kramaric war überglücklich über den ersten Erfolg in diesem Jahr: „Für die Mannschaft, für die Fans – wir haben gezeigt, dass wir es können. Wir waren von Anfang an da und haben mit viel Energie gespielt. Ich habe bei den Strafstößen nicht viel nachgedacht, sondern war ganz fokussiert und mir sicher, dass ich die Elfmeter verwerte.“

Statistik:

TSG Hoffenheim: Baumann – Vogt (83. Bicakcic), Brooks, Akpoguma – Kaderabek, Stiller (83. Delaney), Geiger, Skov (83. Angelino) – Baumgartner (69. Dabbur), Kramaric (76. Becker) – Bebou
Hertha BSC: Christensen – Uremovic, Rogel, Plattenhardt (65. Boateng) – Richter (65. Kenny), Cigerci (46. Lukebakio), Mittelstädt – Tousart, Serdar (73. Kanga) – Ngankam, Niederlechner (46. Jovetic)
Tore: 1:0 Kramaric (24./Handelfmeter), 2:0 Kramaric (37./Foulelfmeter), 3:0 Bebou (51.), 3:1 Jovetic (90.+2)
Rote Karte: Dabbur (71.)
Schiedsrichter: Willenborg
Zuschauer: 25.027

In zwei Wochen gastiert die TSG Hoffenheim nach der Länderspielpause am 2. April (17:30 Uhr) beim SV Werder Bremen.

Fotos: Kraichgaufoto

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Duell der schwächsten Heim- gegen die schwächste Auswärtsmannschaft
Abstiegsgipfel: Hoffenheim empfängt Hertha BSC - Letzte Chance für Matarazzo?
Freitag, 17. März 2023

Jetzt gilt´s! Der Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga nimmt am 25. Spieltag richtig Fahrt und Spannung auf. Dabei empfängt Tabellenschlusslicht TSG Hoffenheim am Samstag um 15:30 Uhr in der Sinsheimer PreZero-Arena den Fünfzehnten Hertha BSC Berlin. Im  Duell „Dorfverein“ gegen „Hauptstadtklub“ treffen zwei Mannschaften aufeinander, die weit hinter ihren Saisonerwartungen liegen. Während die Berliner ligaweit mit 23 Gegentoren die meisten Gegentreffer kassierten und zugleich mit nur vier Punkten das auswärtsschwächste Team stellen, sind die Kraichgauer mit den zweitmeisten Gegentoren (22) das schwächste Heimteam der Liga.

 Können die Hoffenheimern gegen Berlin endlich ihre Abwärtsspirale stoppen?
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Außergewöhnliche Negativbilanzen

Allgemein liefern alle aktuellen Statistiken kein sonderlich positives Bild auf die beiden blau-weißen Teams: Während Hoffenheim bislang alle sieben Rückrundenpartien verlor, gingen die Herthaner in den letzten sieben Auswärtspartien jeweils als Verlierer vom Platz. Eine dieser Negativserien wird zumindest am Samstag enden, für beide sogar im Falle eines Unentschiedens.

Gelingt endlich der Befreiungsschlag?

Für die TSG wird nach dem deutlichen Negativtrend seit Oktober des vergangenen Jahres ein Heimsieg zur Pflichtaufgabe, frei nach dem Motte: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Der Druck auf die Mannschaft, Trainer Pellegrino Matarazzo und auch Sportchef Alexander Rosen wird mit jeder weiteren Niederlage größer. Die Hoffnung auf den längst überflüssigen Befreiungsschlag werden immer größer. Besonders ärgerlich aus Sicht der Hoffenheimer ist, dass man die letzten vier Partien allesamt mit nur einem Tor Unterschied verlor und am Ende teils unglücklich als Verlierer vom Platz ging. Dem soll jetzt ein Ende gesetzt werden, so zumindest vermitteln es die Stimmen der Beteiligten im Vorfeld des bevorstehenden Krisengipfels.

 Skov (re.) setzt sich im Zweikampf gegen seinen Berliner Gegenspieler durch

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Selbstvertrauen aus positiver Bilanz?

Auch wenn sich das Team von Trainer Matarazzo nicht auf Statistiken verlassen kann, so dürfte die bisherigen positive Bilanz gegen die „Alte Dame“ etwas Mut machen. Gegen keinen anderen aktuellen Bundesligisten gelang bei sieben Erfolgen mehr Heimsiege als gegen Berlin. Von den vergangenen acht Duellen in Sinsheim gewann die TSG sechs. Großen Anteil daran hatte Rekordtorjäger Andrej Kramaric, der mit zehn Treffern gegen kein anderes Bundesligateam öfters traf. So auch in der Hinrunde beim 1:1-Unentschieden im Olympiastadion.

 Ratloser Blick bei Angelino - rechts Trainer Matarazzo, der bereits angezählt ist

Matarazzo vor dem vorzeitigen Aus?

Die Trainerdiskussion bei der TSG nimmt bereits wieder deutlich an Fahrt auf. Laut verschiedener Medienberichten könnte die Amtszeit von Trainer Matarazzo bei einer weiteren Niederlage am Samstag vorzeitig enden. Nach Informationen der Bild und Sky sollen sich die Kraichgauer bereits mit Nachfolge-Kandidaten im Gespräch befinden. Als mögliche Kandidaten werden Ex-Hoffe-Coach Markus Gisdol und Kenan Kocak, der aktuell Co-Trainer der türkischen Nationalmannschaft unter Stefan Kuntz ist, genannt.

Fotos: Kraichgaufoto

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Die Meinung der TSG-Fans im Abstiegskampf ist geteilt
Fanumfrage zum Thema Klassenerhalt
Montag, 13. März 2023

Die sportliche Talfahrt der TSG Hoffenheim nimmt kein Ende. Die Kraichgauer unterlagen am 24. Bundesliga-Spieltag beim badischen Nachbarn SC Freiburg unglücklich 1:2 und rutschen nach einer Sieglosserie von 14 Ligaspielen auf den letzten Tabellenplatz. Auch wenn der Unmut und die Enttäuschung nach der siebten Niederlage in Serie immer mehr zunimmt, so steht die blau-weiße Anhängerschaft in der Mehrzahl weiterhin hinter der Mannschaft. Ein Großteil der 1.500 mitgereisten TSG-Fans brachte vor dem Derby in Freiburg den Zusammenhalt mit einer Choreographie „Gemeinsam für Hoffenheim“ deutlich zum Ausdruck. Als sich die Spieler nach Abpfiff in die Fankurve begaben, gab es dort statt Pfiffe vielmehr Anerkennung und Aufmunterung für die gezeigte Leistung - trotz der erneuten Niederlage. bwa-sport.de befragte nach dem Spiel einige Hoffe-Fans über die aktuelle sportliche Situation und die Aussichten im Abstiegskampf. Dabei gab es recht unterschiedliche Meinungen und Ansichten.

 Die TSG-Fans demonstrieren in Freiburg den "gemeinsamen Zusammenhalt"
Ferwagner IT- Systeme

„Wir schaffen das“

Dieter Feßler (Fan und ständiger TSG-Begleiter aus Steinsfurt): „Wir sind noch nicht abgestiegen. Es wird auf alle Fälle bis zum Schluss ganz eng werden. Das Restprogramm ist anspruchsvoll. Die Leistungen in Freiburg stimmen mich etwas optimistisch. Diese Niederlage war nicht nötig, ein Unentschieden hätte dem Spielverlauf eher entsprochen. Mentalität und Einstellung stimmen meiner Meinung nach, deshalb glaube ich fest an den Klassenerhalt. Dafür sind jedoch alle Anstrengungen vonnöten.“

„Zu viel junges Blut im Abstiegskampf“

Wolfgang Bauer (langjähriger bekennender Hoffe-Fan aus Sinsheim): „In Freiburg war deutlich mehr drin. In der Summe war es gegen einen Gegner, der nicht die Form der Hinrunde spielte zu wenig. Ein Sieg war durchaus möglich. Bei den Einwechslungen war ich etwas irritiert, dass erfahrene Spieler wie Kramaric nicht zum Zuge kamen, dafür eher die jungen Spieler vorgezogen wurden. Ich habe nichts gegen die jungen Talente, aber zu viel junges Blut im Abstiegskampf in den letzten 15-20 Minuten muss nicht sein. Auch hatten wir bei der Schiedsrichterleistung kein Spielglück. Unterm Strich sind sieben Niederlagen in der Rückrunde enttäuschend und langsam unfassbar.“

„Unvermeidbarer Abstieg“

Andreas Schüle (1. Vors. Fussballfreunde Blau-Weiss): „Die Leistung in Freiburg hat gestimmt. Wenn man in den letzten Wochen so wie heute gespielt hätte, wären 15 Punkte mehr auf dem Konto. Jetzt haben wir endlich die Rote Laterne, um die wir so lange gebettelt haben, und jetzt können wir das Feld von hinten aufrollen. Aber ob dies wirklich gelingt, glaube ich weniger. Ich denke, dass der Abstieg am Saisonende unvermeidbar ist.“

„Trainerwechsel brachte nichts“

Petra Z. (Dauerkartenbesitzerin aus Neckargemünd): „Wenn sich nicht endlich ein Erfolgserlebnis einstellt, muss man sich erneut die Trainerfrage stellen. Unter Matarazzo hat sich nichts zum Positiven entwickelt. Die Verantwortlichen um Manager Rosen müssen sich selbstkritisch hinterfragen, ob sie in der Nachfolge von Trainer Breitenreiter die richtige Entscheidung getroffen haben.“

 Die Südkurve steht hinter der Mannschaft

„Pech klebt an den Füßen“

Ulrich Kuhmann (TSG-Fan aus Rohrbach a. G.): „Wir haben uns in Freiburg durch den Platzverweis von Kabak selbst unnötig geschwächt. Was dann dabei herauskam, konnten wir alle sehen. Die Niederlage war völlig unnötig. Wichtig ist jetzt gegen Hertha BSC Berlin drei Punkte zu Hause einzufahren und auch gegen Bremen und Schalke zu punkten. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass uns das Pech an den Füßen klebt.“

„Spieler überschätzen sich“

Gert Zorn (Hoffe-Fan seit Regionalligazeiten aus Rohrbach/S.): „Um den Abstieg zu vermeiden, benötigt die TSG sehr viel Glück. Meiner Auffassung nach überschätzen sich viele Spieler extrem, glauben sie haben Champions League-Niveau, obwohl sie nur Durchschnitt sind. Diese fehlerhafte Selbsteinschätzung kann sich am Ende böse rächen. Ich habe zehn Spieltage vor Saisonende kein gutes Gefühl, dass die Klasse noch gehalten werden kann.“

„Werden es am Ende schaffen“

Michael Kraus (1. Vors. Fanclub Kraichgau Brasilianer): „Das Auftreten in Freiburg war positiv und hätte mindestens einen Punkt verdient gehabt. Ein Erfolgserlebnis vor dem nun folgenden ganz wichtigen Heimspiel gegen Berlin hätte der Mannschaft gutgetan. Trotz dem letzten Tabellenplatz glaube ich, dass die Spieler nun begriffen haben, dass sie kämpfen und beißen müssen. Der Spielerkader ist gut bestückt und wird es am Ende schaffen. Doch bis dahin wird es ein ganz schwerer und mühsamer Weg.“

 Die Region ist stolz auf die Bundesligazugehörigkeit
Global Invest

„Den Ernst der Lage nicht erkannt“

Peter Zimmermann (TSG-Fan aus Heidelberg): „Es ist schon kurios und schwer vermittelbar, dass diese Mannschaft nach dem tollen Saisonstart von einem Champions League-Platz am 8. Spieltag in rasendem Tempo auf den aktuell letzten Platz abrutschen konnte. Man hat meiner Auffassung nach dem Negativlauf nicht entschlossen entgegengewirkt, den Ernst der Lage nicht erkannt oder wahrhaben wollen. Spätestens jetzt sollte allen klar sein, was auf dem Spiel steht und dass es nur mit voller Hingabe und Leidenschaft da unten wieder herausgeht. Es wird bis zum letzten Spieltag eine ganz enge Kiste bleiben.“

„Fehlende Identifikation und drohende negative Folgen“

Helmut Müller (TSG-Fan aus Mosbach): „Erst Hoeneß, dann Breitenreiter, jetzt Matarazzo. Die Probleme sind bei allen Trainern nahezu identisch. Viele der Spieler überschätzen sich, haben viel zu spät den Ernst der Lage erkannt. Was mir schon länger auffällt, dass bis auf einige wenige Ausnahmen, wie Baumgartner, Baumann und Bicakcic, die hundertprozentige Einstellung und Identifikation zum Verein und den Fans fehlt. Wenn die Mannschaft jetzt nicht bedingungslose Leidenschaft, Einsatz und Wille in den verbleibenden zehn Spieltagen an den Tag legt, wird es zum erstmaligen Bundesligaabstieg der Vereinsgeschichte führen. Das wäre für die weitere Zukunft der TSG fatal und hätte langfristige negative Folgen.“

„Zusammenhalt ist jetzt ganz wichtig“

Sandra Schmidt (Südkurvenfan aus Mannheim): „Die Leistung in Freiburg war in Ordnung, am Ende fehlte uns etwas das Spielglück. Doch dafür können wir uns in der aktuellen Situation nichts kaufen, wir müssen endlich diese Negativserie beenden und gegen den drohenden Abstieg punkten. Da helfen auch keine Ausreden, Schuldzuweisungen und Ausflüchte mehr. Spieler und Trainer sind jetzt gefordert, endlich den Bock umzustoßen. Noch ist dafür Zeit. Ein Sieg gegen Berlin wird zur Pflichtaufgabe. Der Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft muss weiter bedingungslos vorhanden sein, sonst droht der bittere Abgang in die Zweitklassigkeit.“

Fotos: BWA und Kraichgaufoto

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TSG übernimmt nach Derby-Niederlage in Freiburg die "Rote Laterne"
Ein Auswärtspunkt wäre durchaus verdient gewesen
Sonntag, 12. März 2023

Die TSG Hoffenheim verlor am 24. Bundesligaspieltag 1:2 beim SC Freiburg und schlittert weiterhin ungebremst in Richtung 2. Liga. Anders kann man die aktuelle Situation nach der siebten Niederlage in Folge nicht umschreiben. Während die seit 14 Ligaspielen sieglosen Kraichgauer mit 19 Zählern die Rote Laterne in der Tabelle übernommen haben, konnten die Freiburger nach dem elften Heimspiel in Folge ohne Niederlage ihre Chancen auf eine nächstjährige Champions League-Teilnahme wahren. Im direkten Vergleich feierten die Südbadener nun schon den sechsten Sieg aus den vergangenen neun Derbys gegen die TSG.

Punkt wäre verdient gewesen

Dabei wäre für die Gäste aus Nordbaden, die eine ansprechende und mutige Herangehensweise an den Tag legten, stabil in der Defensive standen und einige gute Offensivaktionen hatten, in ihrem 500. Bundesligaspiel durchaus etwas möglich gewesen. Anerkennende Worte gab es nach dem Spiel daher auch von Freiburgs Trainer Streich: „Aber wenn ich mir die beiden Mannschaften anschaue, war es ein Duell auf Augenhöhe. Aus Hoffenheimer Sicht muss man sagen, dass ein Punkt hier verdient gewesen wäre. Wenn man so auftritt, wie das Team von Pellegrino heute, geht es am Ende der Saison gut.“

 Totale Gegensätze: Hier niedergeschlagene Hoffenheimer, dort glückliche Freiburger
Gardinen Schlenker

Frühe Führung durch Eggestein

Der SCF, der drei Tage zuvor noch im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League bei Juventus Turin 0:1 unterlag, ging bereits nach fünf Minuten nach einem Abstimmungsfehler von Torhüter Baumann und Abwehrspieler Brooks durch Eggestein 1:0 in Führung. Trotz eines couragierten Auftretens konnten die Blau-Weißen in der Folge bis auf zwei Aktionen von Bebou (23., 29.) wenig Torgefahr erzeugen. Freiburg tat nicht mehr als nötig und brachte die knappe Führung clever in die Halbzeitpause.

Stiller gleich aus

Im zweiten Abschnitt erwischen die Gäste den besseren Start und konnten nach vier Minuten durch einen 16-Meter-Schuß von Stiller auf Vorarbeit durch Dabbur zum 1:1 ausgleichen (49.). Hoffenheim war wieder im Spiel, übernahm zeitweise die Spielkontrolle und vergab durch Dabbur die mögliche Führung (56.). Zwei Minuten später verhinderte Baumann nach einem Gregoritsch-Kopfball mit toller Parade den erneuten Rückstand (58.). Die Partie nahm deutlich an Fahrt auf und entwickelte sich zu einem engen Match, indem sich beide Mannschaften nichts schenkten.

 Tolle Choreo der Hoffe-Fans im Gästeblock vor dem Anpfiff

Hütter GmbH

Kabaks unnötigem Platzverweis folgt der SC-Siegtreffer

In der hektischen Schlussphase dezimierten sich die Hoffenheimer nach einer unüberlegten Aktion von Kabak völlig unnötig. Der bereits gelb-vorbelastete Defensivspieler warf nach einem Foulspiel von Brooks, der dafür zurecht die gelbe Karte sah, einfach den Ball weg (84.). Die Freiburger nutzten ihre numerische Überzahl kurz darauf mit der späten 2:1-Führung durch Doan, der eine Weißhaupt-Flanke artistisch flach ins rechte Eck vollendete (89.). In der Nachspielzeit verpasste der eingewechselte junge Aslani den nicht unverdienten Ausgleich, als er im Fünfmeterraum den Ball um wenige Zentimeter verpasste (90.+1).

"Rote Karte war der Knackpunkt"

TSG-Kapitän Baumann sah trotz der Niederlage viele positive Ansätze seiner Mannschaft: „Das Spiel war gut, wir waren stabil und haben gute Akzente nach vorn gehabt. Die Rote Karte war der Knackpunkt, dann musst du aber auf Biegen und Brechen den Punkt sichern. Wir werden weiter hart arbeiten und uns hoffentlich weiter so steigern, um den Negativlauf zu beenden. Du brauchst, wenn es so läuft, viel Arbeit und die Details müssen einfach stimmen.“ Für Torschütze Stiller war am Ende der Platzverweis mit ausschlaggebend: „Wir haben ein gutes Spiel abgeliefert. Wir haben alles gegeben und waren phasenweise die bessere Mannschaft. Mit ein bisschen mehr Spielglück schießen wir ein, zwei Tore mehr und es sieht hier ganz anders aus. Dass wir am Ende eine unnötige Rote Karte bekommen und dann das 1:2 kriegen, ist unfassbar bitter.“

 TSG-Trainer Matarazzo steht bereits mit dem Rücken zur Wand
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Was brachte der Trainerwechsel?

Nach der fünften Niederlage in Folge und dem Sturz erstmals seit sieben Jahren wieder ans Tabellenende stellt sich berechtigt die Frage, was der Trainerwechsel von Breitenreiter zu Matarazzo ergebnistechnisch überhaupt gebracht hat? Am nächsten Spieltag steht am Samstag (Beginn 15:30 Uhr) für die TSG im Abstiegskampf ein äußerst wichtiges Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin auf dem Programm. Sollten die Gastgeber hier erneut leer ausgehen, dürfte sich die Trainerfrage vor der bevorstehenden Länderspielpause womöglich erneut stellen.

Statistik:

SC Freiburg: Flekken – Kübler (65. Sildillia), Ginter, Gulde, Günter – Eggestein, Höfler – Doan (90.+3 Keitel), Grifo (65. Weißhaupt) – Höler (80. Jeong), Gregoritsch (80. Gregoritsch)
TSG Hoffenheim: Baumann – Ozan Kabak, Brooks, Akpoguma – Kaderabek, Geiger, Skov (75. Angelino) – Stiller (87. Tohumcu), Becker (75. Damar) – Bebou (78. Asllani), Dabbur (87. Bicakcic)
Tore: 1:0 Eggestein (5.), 1:1 Stiller (49.), 2:1 Doan (89.)
Besonderes Vorkommnis: Gelb-Rote Karte: Kabak (84.)
Schiedsrichter: Osmers
Zuschauer: 33.500

Fotos: BWA und Kraichgaufoto

 

Weitere Fotos zum Bericht
  
Platzt bei der TSG endlich der Knoten? Hoffenheim zu Gast in Freiburg
Völlig unterschiedliche Vorzeichen beim Baden-Derby am Sonntag
Donnerstag, 9. März 2023

Die Vorzeichen beim bevorstehenden Baden-Derby am Sonntag um 15:30 Uhr zwischen dem gastgebenden SC Freiburg und der TSG Hoffenheim gingen selten weiter auseinander. Während die Breisgauer nach 23 Bundesligaspieltagen als aktuell Tabellenfünfter weiter von einer Champions League-Teilnahme träumen, geistert in 159 Kilometern Luftlinie Entfernung das Abstiegsgespenst durch den Kraichgau. Die seit 13 Ligaspielen sieglosen Hoffenheimer stecken mit 19 Zählern punktgleich mit Schlusslicht FC Schalke 04, dem Vorletzten VfL Bochum und dem Fünfzehnten VfB Stuttgart tief im Tabellenkeller.

Noch kein Punktgewinn in der Rückrunde

Die Bilanz im Jahr 2023 ist erschreckend: Die TSG ist erst die dritte Mannschaft, die die ersten sechs Spiele der Rückrunde allesamt verlor. Das passierte in der Bundesligageschichte zuvor nur Hannover 96, das in der Saison 2009/10 sieben und 1985/86 sogar neun Niederlagen nacheinander kassierte.

 TSG-Stürmer Andrej Kramaric versucht sich gegen Freiburgs Matthias Ginter durchzusetzen
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Heimmacht SC Freiburg

Während die südbadische Heimmacht seit zehn Spielen in Folge im neuen, schmucken Europa-Park-Stadion ungeschlagen ist, wird beim nordbadischen Rivalen nach zuletzt sechs Niederlagen in Folge die Verunsicherung Woche für Woche größer. Im direkten Aufeinandertreffen zogen die Blau-Weißen meist den Kürzeren. Die Truppe von SC-Kulttrainer Streich verlor nur eines der letzten acht Derbys, ging dabei fünfmal als Sieger vom Platz. Das torlose Hinrundenspiel war das Duell zwischen dem Zweiten (Freiburg) und dem Vierten (Hoffenheim) - jetzt steht der SCF elf Ränge besser da als 1899.

Mehrfachbelastung

Ein Vorteil für die Hoffenheimer ist sicherlich, dass die Freiburger am heutigen Donnerstagabend (21 Uhr) im Achtelfinale der Europa League bei Juventus Turin antreten müssen. Während der SCF sein größtes internationale Spiel der Vereinsgeschichte bestreitet, können die Kraichgauer gemütlich vor dem Bildschirm die Beine hochlegen und sich die Vorstellung des nächsten Gegners entspannt anschauen.

"Müssen uns Selbstvertrauen erarbeiten"

TSG-Winterneuzugang Delaney zur aktuellen Situation beim Dorfverein: „Uns fehlt ein Erfolgserlebnis, das haben wir lange nicht erlebt. Stattdessen sind wir in einer Negativspirale. Die aktuellen Ergebnisse haben etwas mit dem Selbstvertrauen zu tun. Natürlich haben wir die Serie im Kopf.“ Der bundesligaerfahrende Mittelfeldspieler hofft auf eine Trendwende am Sonntag: „Wir müssen wieder anfangen zu punkten und uns das Selbstvertrauen erarbeiten. Die Qualität ist in der Mannschaft vorhanden, das müssen wir nun auf den Platz bringen.“

Standards entscheiden Spiele

Eine Spezialität der Gastgeber sind die Standards. Während die Schwarzwälder mit bislang 16 Saisontreffern den Ligaspitzenwert belegen, konnte die TSG nur drei Treffer nach einem ruhenden Ball erzielen. Gleichzeitig kassierte das Team von Trainer Matarazzo bei zuletzt drei 0:1-Niederlagen alle Gegentreffer nach gegnerischen Standards. In Augsburg und in Mainz nach Ecken, gegen Dortmund nach einem Freistoß. Neun Gegentore nach Eckbällen ist zumindest ein negativer Ligahöchstwert für die TSG. Die Erkenntnis des bislang erfolgslosen Hoffe-Coaches: „Es ist zum dritten Mal hintereinander und es ist das gleiche Muster. Das ist eine reine Haltungssache, Disziplin, Wille zu verteidigen.“

 Kopfballduell zwischen Hoffenheims Kevin Akpoguma und Michael Gregoritsch

Kraichgaufoto

Offensivschwäche

Im Angriff ist die Hoffenheimer Offensivpower früherer Tage nur noch ein laues Lüftchen. Null Treffer aus den letzten drei Partien, sieben in den bisherigen acht Ligaspielen im Jahr 2023 sind vielsagend für den aktuellen harmlosen Zustand an vorderster Front. Der Unmut der Fans wird inzwischen immer größer.

Fan-Wut nimmt zu

Nach dem Spiel in Mainz beschimpften aufgebrachte TSG-Anhänger die Spieler, pfiffen sie aus und stellten sie nach der späten Bus-Ankunft vor dem Eingangsbereich des Trainingszentrums in Zuzenhausen zur Rede. Der in Freiburg gelbgesperrte Baumgartner, der in der Fanszene einen hohen Stellenwert genießt, zeigt für den Fan-Frust volles Verständnis: „Die Fans wollten uns ihre Meinung sagen, das ist absolut berechtigt. Sie fordern hundertprozentig bedingungslosen Einsatz“. Sportchef Rosen nimmt die Profis mahnend in die Pflicht: „Wer jetzt die Situation negiert und nicht akzeptiert, ist fehl am Platz. Wir müssen akzeptieren, selbst reflektieren, Verantwortung übernehmen und aus der Opferrolle rauskommen.“

Was möchte Matarazzo verändern?

Matarazzos Vorstellung, den weiteren Absturz zu stoppen und am Sonntag in Freiburg eine Trendwende zu schaffen, steht auf wackligen Beinen und ist schwer vermittelbar: „Gewinnbringend könnte sein, dass man grundsätzlich etwas verändert. Was die Struktur angeht, wie man das Spiel anlegt. Es muss etwas passieren, man hat eine neue Chance“.

 Die Enttäuschung bei den Hoffe-Fans nach der langen Sieglosserie wird zunehmend größer

Metallbau Rath

Es ist eng im Keller

Elf Spieltage vor Saisonende war in der 60-jährigen Bundesliga-Historie der Abstiegskampf nach 23 Spieltagen noch nie so eng und spannend. Im weiteren Saisonverlauf spielt jeder der aktuell am stärksten vom Abstieg bedrohten Klubs noch mindestens zwei direkte Abstiegsduelle. Die TSG und Hertha BSC Berlin treffen sogar dreimal noch auf direkte Konkurrenten. Nach dem Baden-Derby stehen mit Hertha BSC, SV Werder Bremen und dem FC Schalke 04 ganz wichtige, vorentscheidende Partien im Abstiegskampf für die Hoffenheimer bevor, ehe es Mitte April zum Rekordmeister nach München geht. Es ist durchaus vorstellbar, dass eine endgültige Entscheidung über den Klassenerhalt erst am letzten Spieltag fällt, wenn sich die Kraichgauer dem ungeliebten schwäbischen Nachbarn und ehemaligen Matarazzo-Club in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena gegenüberstehen.

Die nächsten Gegner der TSG Hoffenheim: 

Freiburg (A), Hertha BSC (H), Bremen (A), Schalke (H), FC Bayern (A), Köln (H), Leipzig (A), Frankfurt (H), Wolfsburg (A), Union Berlin (H), Stuttgart (A)

Fotos: Kraichgaufoto

Weitere Fotos zum Bericht
 
TSG ist nach siebter Niederlage in Folge punktgleich mit den Abstiegsrängen
Talfahrt hält an - Hoffenheim unterliegt 0:1 in Mainz
Samstag, 4. März 2023

Die Talfahrt der TSG Hoffenheim nimmt kein Ende. Die TSG kassierte am 23. Bundesligaspieltag beim FSV Mainz 05 ihre dritte 0:1-Niederlage in Folge. Weil Schlusslicht FC Schalke 04 beim VfL Bochum siegte, belegen die Kraichgauer nach ihrer siebten Niederlage in Serie punktgleich mit den beiden Abstiegskonkurrenten den Relegationsplatz. Der Negativlauf mit nunmehr 13 sieglosen Partien hält auch nach dem Trainerwechsel unter Matarazzo weiter an.

„Es muss etwas passieren“

Die Enttäuschung beim österreichischen Nationalspieler Baumgartner war entsprechend groß: „Wir haben nun drei Spiele kein Tor gemacht, das ist zu wenig, keine Frage. Da sind wir Offensivspieler alle gefordert. Es kann auch nicht sein, dass wir das dritte Spiel nacheinander ein Standardgegentor kassieren. Wenn wir dreimal so ein Tor bekommen, dann passt irgendetwas nicht. Wir müssen uns bewusst sein, dass diese Situationen spielentscheidend sind und müssen sie besser verteidigen.“

 Baumgartner sprach nach dem Abpfiff deutliche Worte
Anpfiff ins Leben

Mainz feiert vierten Heimsieg in Folge

Die Mainzer hingegen feierten nach einer sehr konzentrierten Leistung den vierten Heimsieg in Folge und kletterten in der Tabelle auf Platz 7. Den Treffer des Tages erzielte der Luxemburger Barreiro in seinem 100. Bundesligaspiel.

Aggressives Pressing der Nullfünfer

Die Gastgeber kamen besser in die Partie und machten den Blau-Weißen mit ihrem intensiven Anlaufverhalten in vorderster Front reichliche Probleme beim Spielaufbau. Die Nullfünfer waren griffiger und aggressiver in den Zweikämpfen, laufstärker und torgefährlicher. Wie schon in den letzten Spielen konnten die Hoffenheimer wenig Torgefahr ausstrahlen. Bis auf einen abgeblockten Schuss von Angelino (18.) und einer Aktion von Dolberg (20.) kam in der ersten Hälfte trotz mehr Ballbesitz nichts Gefährliches aufs Mainzer Tor.

Barreiro bringt FSV in Führung

Die zielstrebigeren und flinkeren Rheinhessen gingen nach etwas über einer halben Stunde verdient in Führung. Nach einer Ecke parierte TSG-Keeper Baumann zunächst einen Volleyschuss von Bell, doch beim Nachschuss von Barreiro war er dann machtlos (33.). Die TSG-Hintermannschaft wirkte in dieser Aktion viel zu passiv.

 Unter dem neuen Trainer Matarazzo bleiben die Hoffenheimer weiter ohne Punktgewinn
lacuisine

TSG-Angriffe werden weiter früh gestört

In der zweiten Hälfte hatten die Gäste die erste Möglichkeit durch Geiger, dessen Distanzschuss Torhüter Zentner entschärfte (50.). Die Mainzer setzten dem Gegner mit ihrem Gegenpressing weiter zu und störten so unnachgiebig ihr Aufbauspiel. Nachdem die Rot-Weißen viele Offensivaktionen ungenutzt ließen, blieb es bei der knappen Führung bis zum Schluss spannend.

Mehr Schwung durch frische Stürmer

Nachdem ein Treffer von Ingvartsen wegen Abseits nicht zählte (60.), entwickelten die Gäste durch die beiden neuen Offensivkräfte Dabbur und Bebou, die nach einer Stunde für die enttäuschenden Kramaric und Dolberg ins Spiel kamen, etwas mehr Torgefahr. Die bis dahin größte Möglichkeit bot sich Bebou in seinem 100. Bundesligaspiel für die TSG, als er auf Vorarbeit von Baumgartner sich gegen zwei Gegenspieler durchgesetzt hatte und sein Torabschluss aus der Drehung von Zentner im Nachfassen pariert wurde  (76.).

„Sind in einer Negativspirale“

In der Schlussphase ging es zwar zunehmend hektischer zur Sache, aber am Ergebnis änderte sich nichts mehr. Winterneuzugang Delaney brachte es nach dem Abpfiff auf den Punkt: „Uns fehlt ein Erfolgserlebnis. Stattdessen sind wir in einer Negativspirale. Natürlich haben wir die Serie im Kopf. Wir müssen wieder anfangen zu punkten und uns das Selbstvertrauen erarbeiten. Die Qualität ist in der Mannschaft vorhanden, das müssen wir nun auf den Platz bringen.“

 Enttäuschung bei Defensivspieler Akpoguma
silvio

Enttäuschung bei den Fans wird immer größer

Deutlich war die Reaktion der mitgereisten Hoffe-Fans nach dem Abpfiff, die „Wir haben die Schnauze voll“ skandierten. Mittelfeldspieler Baumgartner, der nach seiner fünften gelben Karte am nächsten Spieltag gesperrt ist, hatte Verständnis für den Fan-Frust: „Dass die Fans sauer sind, ist verständlich. Sie versuchen, Woche für Woche Gas zu geben, sind bei den Spielen da und unterstützen uns. Es tut uns leid, wir versuchen ihnen zu vermitteln, dass wir weiterhin alles geben. Das ist das, was sie von uns verlangen, dass jeder alles gibt. Jeder weiß, wo wir sind. Das ist der Abstiegskampf.“

Jetzt gehts zum Baden-Derby

Am nächsten Spieltag spielt die TSG Hoffenheim erneut auswärts. Das Team von Trainer Matarazzo trifft dabei im badischen Nachbarschaftsduell auf den SC Freiburg. Die Partie im Europa-Park Stadion wird am kommenden Sonntag um 15:30 Uhr angepfiffen.

Statistik:

FSV Mainz 05: Zentner – Hanche-Olsen, Bell, Fernandes – da Costa (73. Widmer), Barreiro, Kohr (46. Stach), Caci – Ingvartsen (73. Barkok), Lee (84. Weiper) – Ajorque
TSG Hoffenheim: Baumann – Ozan Kabak, Vogt, Akpoguma (69. Skov) – Kaderabek, Geiger (69. Becker), Angelino – Delaney (46. Rudy), Baumgartner – Kramaric (59. Bebou), Dolberg (59. Dabbur)
Tor: 1:0 Barreiro (33.)
Schiedsrichter: Stegemann
Zuschauer: 28.100

Fotos: Kraichgaufoto

Weitere Fotos zum Bericht
 
Kraichgauer müssen im Abstiegskampf endlich punkten
TSG Hoffenheim vor schwerer Aufgabe bei formstarken Mainzern
Donnerstag, 2. März 2023

Die TSG Hoffenheim gastiert am 23. Bundesligaspieltag am Samstag um 15:30 Uhr beim FSV Mainz 05. Bevor wir auf diese Partie eingehen, möchten wir kurz zurückblicken:  Heimstarke Hoffenheimer klettern nach 4:1 über Mainz auf Platz 2 -TSG mit neuem Vereinsrekord! So titelte bwa-sport.de nach dem 4:1-Hinspielerfolg der TSG über die Rheinhessen. Weiter hieß es im Bericht: Was für eine tolle Momentaufnahme nach dem 6. Bundesligaspieltag: Die TSG Hoffenheim feiert vor 20.114 Zuschauern im dritten Saisonheimspiel mit einen 4:1-Sieg über den FSV Mainz 05 den dritten Heimsieg und rangiert in der Tabelle punktgleich mit dem FC Bayern München, dem SC Freiburg und Borussia Dortmund auf dem zweiten Platz.

TSG beendet Heimfluch gegen Mainz

Während für die Kraichgauer drei Heimsiege in Folge zum Saisonstart ein neuer Vereinsrekord ist, kassierten die Rheinhessen erstmals nach drei Auswärtssiegen in Folge die erste Saison-Auswärtsniederlage. Und die positiven Meldungen wollten nicht enden: Es gab durchweg freudestrahlende und glückliche Gesichter bei den Anhängern der TSG Hoffenheim. Bezeichnend der Kommentar von Stadionmoderator Mike Diehl nach dem Abpfiff: „Der Mainzer Heimfluch ist damit beendet!“

 Pavel Kaderabek erzielt den 4:1-Endstand im Hinspiel in Sinsheim
Anpfiff ins Leben

Von der Euphorie ist nichts mehr übrig

Leider ist von dieser Euphorie im März 2023 nicht mehr viel übrig. Die Blau-Weißen stürzten in der Tabelle von weit oben nach weit unten, kämpfen um den Klassenerhalt. Wer hätte das noch am 10. September des vergangenen Jahres für möglich gehalten.

„Sind konkurrenzfähig“

Aufgrund der deutlichen Leistungssteigerung am letzten Spieltag, trotz einer 0:1-Heimniederlage gegen Borussia Dortmund, glaubt TSG-Trainer Pellegrino Matarazzo an ein Ende der Erfolgslosigkeit: „Gegen Dortmund hat man eine Intensität und den Mut gesehen, der für uns Standard werden soll. Mit dieser Einstellung ist man immer konkurrenzfähig. Wir müssen aber die Chancen, die wir hatten, besser nutzen.“ Der Hoffe-Coach sieht seine Jungs trotz der Negativserie in aufsteigender Form: „Ich habe das Gefühl, dass die Jungs alle an Bord sind. Wenn ich das Training der beiden vorherigen Tage anschaue, sehe ich eine bemerkenswerte Intensität. Die Bereitschaft und der Einsatz stimmen.“

 Kevin Vogt (re.) zählte im Hinspiel zu den Aktivposten der Kraichgauer
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Mainz in Top-Form

Dass es in Mainz nicht einfach wird, verdeutlicht die bisherige Bilanz der Rot-Weißen, die vier der fünf Partien in diesem Jahr gewonnen haben. Im heimischen Stadion schlugen sie zuletzt Bochum (5:2), Augsburg (3:1) und Mönchengladbach (4:0). Matarazzo findet viel Lob für die 05er: „Mainz wird mit einer breiten Brust auftreten. Sie stehen für ein ausgeprägtes Pressing und gute Umschaltbewegungen in beide Richtungen. Sie sind statistisch eine der besten Gegenpressing-Mannschaften der Liga.“

Zweitbeste Rückrundenmannschaft

Mainz zählt mit aktuell 32 Punkten nach Borussia Dortmund zur zweitbesten Rückrundenmannschaft, hat mit dem Koreaner Lee den erfolgreichsten Torschützen mit fünf Treffern in diesem Jahr. Mit insgesamt sieben Treffern und drei Torvorlagen ist er Topscorer der 05er in dieser Bundesliga-Saison.

Körperlichkeit der Mainzer spiegeln

Über die taktische Herangehensweise seiner Mannschaft sagte Matarazzo: „Wir müssen es schaffen, das Spiel in die gegnerische Hälfte zu verlagern. Wir müssen die Tiefe erkennen und die Räume, die uns angeboten werden, sehen. Wir brauchen eine gute Restverteidigung und müssen die Körperlichkeit der Mainzer spiegeln. Das wird sehr wichtig sein.“

 Kramaric (Nr. 27) jubelt nach seinem 1:0-Führungstreffer im Hinspiel gegen Mainz

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Mehrere personelle Alternativen

In der Personalsituation hat sich einiges zum Positiven verändert: Obwohl hinter den Einsätzen von Tom Bischof , Angelo Stiller und Ihlas Bebou Fragezeichen stehen, sind die zuletzt angeschlagenen Robert Skov, Thomas Delaney, Dennis Geiger, Stanley Nsoki und Ozan Kabak gegen Mainz Optionen für den Kader.

Bilanz spricht deutlich für die 05er

Die bisherige Bilanz gegen die Rheinhessen ist aus Hoffenheimer Sicht durchaus verbesserungswürdig, schließlich konnte man in den bisherigen 27 Duellen nur acht Siege erringen, zwölftmal verließ man als Verlierer den Platz.

Jetzt müssen Punkte her

Es steht außer Frage, die Nordbadener müssen im Abstiegskampf endlich punkten und den freien Fall stoppen. Sowohl was den Klassenerhalt als auch den neuen Trainer anbelangt, sind Ergebnisse gefragt. Den vielen aufmunternden Reden müssen endlich Taten folgen, sonst wird es immer düsterer an der Elsenz.

Fotos: Kraichgaufoto

Stimmrechtsmehrheit soll wieder bei der TSG 1899 Hoffenheim e.V. liegen
Dietmar Hopp will auf Sonderstatus verzichten
Mittwoch, 1. März 2023

Die Stimmrechtsmehrheit an der Fußball-Spielbetriebs GmbH soll wieder beim Mutterverein, dem TSG 1899 Hoffenheim e.V., liegen. Der bisherige Mehrheitsgesellschafter, Dietmar Hopp, möchte auf die zum 1. Juli 2015 wirksam gewordene Ausnahmegenehmigung verzichten und die Mehrheit seiner Stimmrechtsanteile ohne Entschädigung zurück an den Verein übertragen. Die TSG Hoffenheim würde damit wieder zum Kreis der „50+1“-Regelklubs gehören.

 Dietmar Hopp möchte für die TSG klare Verhältnisse im Sinne der geltenden Regularien schaffen

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Ausnahmegenehmigung wurde erteilt

Acht Jahre ist es her, dass die Mitglieder des TSG 1899 Hoffenheim e.V. auf ihrer Versammlung am 9. Februar 2015 den Beschluss fassten, Dietmar Hopp die Mehrheit der Stimmrechte an der TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH zu übertragen. Ermöglicht hatte dies eine am 18. Dezember 2014 vom Vorstand des Ligaverbandes erteilte und wenige Tage später durch das DFB-Präsidium bestätigte Ausnahmegenehmigung für die in den Statuten von Deutscher Fußball Liga (DFL) und Deutschem Fußball-Bund (DFB) festgeschriebene so genannte „50+1“-Regel. Diese sieht die Stimmrechtsmehrheit beim Mutterverein vor.

Engagement wurde gewürdigt

Mit der Erteilung einer Ausnahme von der 50+1-Regel wurde das seit mehr als 20 Jahre bestehende erhebliche finanzielle Engagement von Dietmar Hopp für den Profi- und Amateurfußball sowie den Breitensport des Klubs gewürdigt.

 Die Mitgliederversammlung der TSG 1899 Hoffenheim e.V.

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Immer im Sinne von 50+1 gehandelt

„Mir ging es nie um Macht“, sagt Dietmar Hopp heute. „Ich habe das Privileg, das der Ligaverband und die Mitglieder mir damals eingeräumt haben, immer als Wertschätzung meines Engagements erachtet. Dafür bin ich noch heute dankbar“, erklärt der 82 Jahre alte TSG-Gesellschafter und betont: „Wir haben vor und nach der Erteilung der Ausnahmegenehmigung immer im Sinne von 50+1 agiert. Der Sonderstatus diente nie dazu, diese Regelung aushöhlen oder unterwandern zu wollen.“ Hopp erinnert auch daran, dass „meine Mehrheitsbeteiligung immer wieder für Misstrauen und Anfeindungen gesorgt hat. Ich weiß, dass die 50+1-Regelung, die ich immer befürwortet habe, ein hohes Gut im deutschen Fußball darstellt.“

Verfahren beim Bundeskartellamt

Gerade in den vergangenen Monaten ist das Thema wieder verstärkt kontrovers diskutiert worden. Das führte bis zu einem Verfahren beim Bundeskartellamt. „All dies hat mich nun dazu veranlasst, die mir gewährte Sonderrolle aufgeben zu wollen, um wieder den Status herbeizuführen, in dem wir schon vor dem 1. Juli 2015 erfolgreich und vertrauensvoll zusammengearbeitet haben“, erklärt Hopp. Dazu werden in den nächsten Tagen die Voraussetzungen geschaffen und abschließende Fragen zur Abwicklung mit den beteiligten Gremien, Institutionen sowie der Finanzbehörde geklärt. Ein Kapital-Abfluss ist mit dem Schritt nicht verbunden.

 Die Entscheidung ist ein bemerkenswerter Schritt von Dietmar Hopp
Clubhaus

Wichtig für klare Verhältnisse zu sorgen

Für mich stand es stets außer Frage, alle wesentlichen Entscheidungen im Einklang und im Einvernehmen mit dem Verein abzustimmen. Mit dem leider viel zu früh verstorbenen Präsidenten Peter Hofmann verband mich nicht nur eine enge Freundschaft. Ich hatte immer hohen Respekt vor seiner Arbeit, die ebenso wie bei seinem Nachfolger, Kristian Baumgärtner, stets den Willen der Mitglieder widerspiegelte“, sagt Dietmar Hopp. „Im Zuge der Debatten ist es mir jetzt wichtig, für die TSG klare Verhältnisse im Sinne der geltenden Regularien zu schaffen, denen ich mich immer verpflichtet gefühlt habe.“

Ausbilden junger Menschen

„So außergewöhnlich die Entscheidung damals war, so bedeutend ist der nun von Dietmar Hopp angekündigte Schritt, den gewährten Sonderstatus wieder aufgeben zu wollen. Das sagt viel über die Person aus. Jeder im Verein, in der Region und darüber hinaus weiß, was wir Dietmar Hopp zu verdanken haben, nicht nur im Fußball“, würdigt TSG-Klubchef Kristian Baumgärtner das vielfältige Wirken von Hopp, der den Klub auch weiterhin unterstützen wird. „Es geht hier bei der TSG vor allem um das Ausbilden junger Menschen, sportlich wie menschlich. Die Infrastruktur und Energie, die wir dafür seit vielen Jahrzehnten nutzen können, gehen allein auf das Engagement von Dietmar Hopp zurück“, ergänzt Baumgärtner.

PM: TSG

Fotos: Kraichgaufoto

Eine Niederlage die besonders schmerzt - TSG unterliegt BVB 0:1
Stark verbesserte Hoffenheimer rutschen auf den Relegationsplatz ab
Samstag, 25. Februar 2023

Die TSG Hoffenheim verlor am 22. Bundesligaspiel vor 30.150 Zuschauern in der erstmals seit langem wieder ausverkauften Sinsheimer Arena gegen Borussia Dortmund mit 0:1 und rutschte in der Tabelle nach dem zwölften sieglosen Ligaspiel in Folge auf Relegationsplatz 16 ab. Die Dortmunder übernahmen nach dem Siegtreffer von Brandt (43.) und ihrem nunmehr neunten Sieg des Jahres zumindest über Nacht die Tabellenführung. Hoffenheims Trainer Matarazzo sah trotz der Niederlage eine deutliche Steigerung seiner Mannschaft: „Wir nehmen die Leistung mit, sie war positiv und eine Steigerung. Wir arbeiten weiter daran, dass wir uns noch weiter steigern. Im Fußball geht es immer um Ergebnisse. Heute war es ein Schritt nach vorn, gegen Mainz greifen wir wieder an.“

 Großchance für die TSG: Kabak scheitert an Kobels Fingerspitzen

TSG mit starker Anfangsphase

In einer tempo- und abwechslungsreichen Partie verpassten die Kraichgauer zwar die Trendwende, konnten aber aufgrund einer leidenschaftlichen und kämpferisch sehr anspruchsvollen Leistung gegenüber den letzten Wochen deutlich zulegen. Dabei spürte man nichts von der Verunsicherung der letzten Spiele, denn die Gastgeber waren den Westfalen in der ersten halben Stunde mehr als auf Augenhöhe. Nach der ersten Chance der Partie durch Bynoe-Gittens, der am starken TSG-Keeper Baumann scheiterte (4.), wären die Blau-Weißen beinahe in Führung gegangen, doch nachdem Baumgartners Schuss von Schlotterbeck geblockt wurde, entschärfte Torhüter Kobel den Kopfballabpraller von Kabak mit den Fingerspitzen (16.).

Brandt trifft mit dem Rücken zur BVB-Führung

Die Gäste wirkten in dieser starken Hoffenheimer Drangphase jedoch konzentriert und geduldig und übernahmen immer mehr die Spielkontrolle. Nach einer halben Stunde verhinderte Baumann mit zwei tollen Paraden einen möglichen Rückstand, als er zwei Mal gegen Haller reaktionsschnell zur Stelle war. Nachdem Rudy in seinem 350. Bundesligaspiel auf der anderen Seite mit einem 20-Meter-Schuss das BVB-Tor nur knapp verfehlte (35.), gingen die Gäste kurz vor der Halbzeitpause in Führung. Dabei verlängerte Brandt einen Reus-Freistoß von halblinks mit dem Rücken ins Tor zum 0:1 (43.). Der BVB drückte und hatte in der Nachspielzeit von Hälfte 1 noch durch Reus (45.) und Wolf (45.+2) weitere hochkarätige Chancen. So blieb es bei der knappen Pausenführung der Borussen, die statistisch mit 14:2 Torschüssen, 65:35% Ballbesitz, 56% gewonnenen Zweikämpfen und 9:3 Ecken deutlich die besseren Werte aufwiesen.

 Eine von vielen packenden Strafraumszenen beim Duell Hoffenheim - Dortmund

Ritzhaupt

Zwei knifflige VAR-Entscheidungen

Im zweiten Abschnitt wurden die Gastgeber immer stärker und erspielten sich einige hochkarätige Torchancen. Dabei stand in zwei diskussionswürdigen Szenen Schiedsrichter Petersen im Mittelpunkt. Nachdem Dortmunds Can Gegenspieler Akpoguma an der Strafraumgrenze am Fuß trifft, entschied der Unparteiische zunächst auf Freistoß. Dann erkannte er auf Signal des VAR, dass der Kontakt innerhalb des Strafraums war. Doch statt Elfmeter entschied er sich nach Überprüfung durch die TV-Bilder für kein Foulspiel und gab Schiedsrichterball (50.). Nur vier Minuten später stand Petersen erneut in der Review-Area. Wolf hatte nach einem Konter das vermeintliche 2:0 erzielt, doch nachdem Schlotterbeck vor dem Konter Bebou in die Hacke trat, zählte der Treffer nicht (58.).

Beide Keeper in Top-Form

Nachdem Kramaric mit einem Schuss aus zwölf Metern am starken Torhüter Kobel scheiterte (59.), verhinderte auf der anderen Seite Baumann bei einem Guerreiro-Schuss das womöglich vorentscheidende 0:2 (65.). So ging es in einer munteren und spannenden Partie weiter hin und her. Und erneut bewahrte der Ex-Hoffenheimer Kobel sein Team vor einem nun nicht mehr unverdienten Ausgleich, als er einen Distanzschuss des starken Baumgartners zur Ecke abwehrte (67.). Nur fünf Minuten später war er erneut zur Stelle, als er bei einem Dolberg-Schuss glänzend parierte (72.). Auch sein Gegenüber Baumann konnte sich mehrfach auszeichnen, als er innerhalb von Sekunden gegen Brandt und Bellingham stark klärte (76.). Hoffenheim drückte, angetrieben durch seine Fans, in der Schlussphase verstärkt auf den Ausgleich. Die größte Chance bot sich dem jungen Asllani, der nach einer Angelino-Flanke den Ball aus kurzer Distanz neben das Tor köpfte (87.). Die Gäste hatten Pech, als Bellingham in der Nachspielzeit aus spitzem Winkel am Pfosten scheiterte (90.+3).

 Baumgartner kommt frei vor dem BVB-Tor zum Abschluss

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Sind auf einem guten Weg

Während Hoffenheims Akpoguma den vielen vergebenen Chancen nachtrauerte: „Beide Mannschaften hatten viele Chancen, um Tore zu erzielen. Wir haben aber leider keins gemacht, das tut weh. Wenn wir eine Leistung wie heute in den nächsten Wochen wiederholen, dann werden die Punkte kommen“, sah Kapitän Baumann einen großen Schritt nach vorn: „Ich freue mich darüber, dass wir wieder Schritte nach vorn machen und besseren Fußball spielen, wir waren gegen Dortmund konkurrenzfähig. Es ist aber enttäuschend, nichts geholt zu haben.“
Am nächsten Spieltag gastiert die TSG Hoffenheim auswärts beim 1. FSV Mainz 05. Anstoß ist um 15:30 Uhr.

Statistik:

TSG Hoffenheim: Baumann – Ozan Kabak (29. Bicakcic), Vogt, Akpoguma – Kaderabek, Rudy (78. Stiller), Angelino – Tohumcu (65.Asllani), Baumgartner – Bebou (65. Dolberg), Kramaric
Borussia Dortmund: Kobel – Wolf, Süle, Schlotterbeck, Guerreiro – Can – Brandt, Reus (88. Hummels), Bellingham, Bynoe-Gittens (64. Malen) – Haller (77. Özcan)
Tore: 0:1 Brandt (43.)
Schiedsrichter: Petersen (Stuttgart)
Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)

Fotos: Kraichgaufoto

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Ein Duell der Unterschiede – TSG Hoffenheim empfängt Borussia Dortmund
Kraichgauer gehen als klarer Außenseiter ins Heimspiel
Donnerstag, 23. Februar 2023

Krasser war der tabellarische Unterschied vor der Bundesligapartie TSG Hoffenheim gegen Borussia Dortmund noch nie. Wenn am Samstag um 15.30 Uhr die Partie des 22. Spieltags in der mit 30.150 Zuschauern ausverkauften Sinsheimer PreZero-Arena angepfiffen wird, trennen beide Vereine 13 Tabellenplätze und 24 Punkte (!). Während die gastgebende TSG auf Platz 15, punktgleich mit Bochum auf dem Relegationsplatz, ganz dick im Abstiegskampf steckt, haben sich die Dortmunder nach sechs Bundesligasiegen im Jahr 2023 punktgleich mit den Bayern und Union Berlin auf Platz 2 vorgearbeitet. Am Samstagnachmittag kommt es folglich zum Duell der Unterschiede: Dortmund ist Erster der Jahrestabelle 2023 (sechs Siege in sechs Bundesliga-Spielen), Hoffenheim Letzter (ein Unentschieden, fünf Niederlagen).

Reißt die Serie ausgerechnet gegen die starken Borussen?

Die Westfalen, die sich in der Vergangenheit schon des Öfteren in Sinsheim schwertaten und in zwölf Partien nur zweimal erfolgreich waren, konnten ihre letzten drei Bundesligaduelle gegen die Kraichgauer allesamt, wenn auch nur mit einem Tor Differenz (3:2, 3:2, 1:0), für sich entscheiden. TSG-Cheftrainer Pellegrino Matarazzo hofft auf ein Ende des Negativlaufs: „Dortmund lag uns in der Vergangenheit schon häufiger. Natürlich kann das Spiel für einen Befreiungsschlag sorgen, denn nicht viele werden an uns glauben. Jede Serie reißt irgendwann ab – in beide Richtungen.“

 TSG-Abwehrchef Kevin Vogt geht konsequent zur Sache. Nach seiner Verletzung gegen Augsburg steht er gegen Dortmund wieder zur Verfügung.

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Dortmunder Offensivwucht

Matarazzo erwartet einen offensivstarken Gegner: „Der BVB ist offensiv sehr gut besetzt. Wir brauchen eine geschlossene Abwehrleistung, es wird anspruchsvoll sein, das zu verteidigen. Es wird aber auch Momente und Phasen geben, wo wir unsere Stärken einbringen können. Darauf fokussieren wir uns.“ Der neue Hoffe-Coach, der seine beiden ersten Partien gegen Leverkusen und Augsburg verlor, blickt auf eine herausfordernde Aufgabe: „Ich erwarte ein intensives Spiel, in dem wir hoffentlich fighten und konkurrenzfähig sind. Wir geben alles dafür, dass unsere Leistung auch in Ergebnisse umgewandelt wird. Wir gehen das Spiel mit voller Wucht und Energie an. Das Spiel fängt bei 0:0 an. Dass wir das Spiel am Samstag auch gewinnen können, sollte jedem klar sein.“

Negativrekord kann eingestellt werden

Die letzten Ergebnisse sprechen jedoch deutlich in eine andere Richtung: Nach 17 Punkten aus den ersten zehn Saisonspielen holten die Blau-Weißen aus den folgenden elf Partien nur noch zwei Zähler. Sollte es gegen den BVB wieder nicht zum Sieg reichen, würde die TSG ihren Negativrekord von zwölf sieglosen Bundesliga-Spielen aus der Saison 2008/09 unter Trainer Ralf Rangnick einstellen.

 Ihlas Bebou (li.) im Zweikampf mit dem Dortmunder Dan-Axel Zagadou beim letzten Aufeinandertreffen in Sinsheim

Hoffen auf Kramaric

Doch bei den Hoffenheimern ist man zuversichtlich, dass die lange Negativserie endlich ihr Ende findet. Die Hoffnungen ruhen dabei auf dem kroatischen Nationalspieler Andrej Kramaric, der gegen die Schwarz-Gelben ganz besonders gerne trifft. Der TSG-Rekordtorschütze erzielte acht Bundesligatore gegen die Borussia - mehr als jeder andere aktuelle Bundesligaspieler.

Einige Akteure stehen besonders im Mittelpunkt

Weitere Spieler stehen am Samstag im Mittelpunkt: TSG-Neuzugang Thomas Delaney lief 88-mal für die Dortmunder auf und gewann mit dem BVB 2021 den DFB-Pokal. Obwohl er erst seit Januar wieder in der Bundesliga spielt, traf er in dieser Spielzeit schonmal auf seinen ehemaligen Klub: In der Champions League mit dem FC Sevilla stand er in einem der beiden Duelle sogar auf dem Rasen. BVB-Torhüter Gregor Kobel, der zu Hoffenheimer Zeiten nicht an Stammkeeper Oliver Baumann vorbeikam, zählt mittlerweile zu den besten Torhütern Europas. Die Statistik bescheinigt ihm im Saisonverlauf mit 76 % abgewehrten Torschüssen (in der Rückrunde sogar 91 %) Top-Werte. In überragender Verfassung ist auch dessen Mannschaftskollege Julian Brandt. Der Mittelfeldspieler kommt in den letzten sieben Bundesliga-Spielen auf sechs Scorer-Punkte (vier Tore, zwei Torvorlagen) - er ist in dieser Spielzeit Dortmunds Topscorer und Top-Torschütze.

 Andrej Kramaric entwischt hier Dortmunds Marco Reus (re.)
Gardinen Schlenker

Personelle Fragezeichen

Personell müssen die Gastgeber weiter auf Jacob Bruun Larsen, Grischa Prömel und Robert Skov verzichten. Die Einsätze von Thomas Delaney und Tom Bischof sind fraglich. Die Gesamtbilanz spricht für den BVB: In 29 Bundesliga-Duellen gewannen sie zwölfmal, siebenmal ging die TSG als Gewinner vom Feld.

Minimalchance

Die Hoffnungen im blau-weißen Fanlager, dass sich diese Negativbilanz am Samstag etwas verbessern könnte, ist nicht all zu groß. Die Voraussetzungen sind zu deutlich. Dortmund ist in Top-Form, spielt seit Wochen überragend. Anders die Gastgeber, bei denen sich Niederlage an Niederlage reiht. Hoffenheims einzige Chance liegt darin, dass der BVB sie unterschätzt und nicht voll konzentriert an die Aufgabe herangeht. Doch angesichts des spannenden Dreikampfs an der Tabellenspitze dürfte auch dies ausgeschlossen sein.

Fotos: Kraichgaufoto

Weitere Fotos zum Bericht
Hoffenheims Abstiegssorgen werden immer größer
TSG unterliegt nach spätem Gegentreffer 0:1 in Augsburg
Freitag, 17. Februar 2023

Die TSG Hoffenheim hat das im Abstiegskampf so wichtige Auswärtsspiel beim Tabellennachbarn FC Augsburg 0:1 verloren. Während bei der TSG nach der vierten Niederlage im vierten Rückrundenspiel und dem insgesamt zwölften sieglosen Pflichtspiel in Folge die Sorgen um den Klassenerhalt immer größer werden, konnten sich die Fuggerstädter nach dem dritten 1:0-Heimerfolg in Serie den Abstand zu den Kraichgauern auf fünf Punkte vergrößern.

Zu wenig Offensivpower

Die Hoffnungen von Hoffenheims neuem Trainer Pellegrino Matarazzo vor dem Spiel erfüllten sich nicht: „Jedes Spiel zählt. Wir greifen an, um dort dreifach zu punkten. Wir sind in der Lage, dieses Spiel zu gewinnen.“ Seine Mannschaft war zwar kämpferisch bemüht, konnte aber im Spiel nach vorne nur wenig Akzente setzen. Die größte Gästechance datiert aus der 82. Minute durch Andrej Kramaric, der am FC-Keeper Gikiewicz scheiterte. Ansonsten glich der Gästesturm eher einem lauen Lüftchen.

 Enttäuschung bei TSG-Keeper Baumann nach der fünften Niederlage in Folge

Kraichgaufoto

Augsburgs erster Treffer wird nicht gegeben

Augsburg erwies sich als der erhoffte unbequeme Gegner, der zwar technisch einiges vermissen ließ, dafür aber in kämpferischer Hinsicht alles gab. Genau diese Tugenden sind es letztendlich, die im Abstiegskampf entscheidend sind. Verständlich, dass jetzt nach fünf Niederlagen in Folge das Selbstvertrauen bei den Blau-Weißen völlig abhandengekommen ist. Wie erwartet gingen die Gastgeber aggressiv zur Sache und störten den Gegner energisch früh im Spielaufbau. Nach acht Minuten ertönte der erste Torschrei in der Arena, doch Engels abgefälschtem Treffer ging ein Handspiel des Torschützen bei der Ballannahme zuvor und so wurde der Treffer zurecht nicht anerkannt (8.). In der ersten Hälfte gab es wenig spielerische Höhepunkte. Beide Mannschaften neutralisierten sich gegenseitig und ließen im Offensivspiel vieles vermissen.

Augsburgs zweiter Treffer wird nicht gegeben

In der zweiten Hälfte erwischten die Gastgeber den besseren Start und gingen in Führung. Doch erneut wurde der Treffer richtigerweise nicht anerkannt, weil Yeboah vor Demirovics Treffer Kevin Vogt mit der Hand im Gesicht getroffen hatte (47.). Hoffenheims Abwehrchef musste darauf verletzungsbedingt vom Platz, obwohl er dies nur widerwillig tat. Kurz darauf die nächste Aufregung: Nachdem Delaney seinen Gegenspieler Demirovic im Strafraum leicht im Gesicht touchierte, ließ der Unparteiische Schiri Patrick Ittrich weiterspielen, was die Augsburger völlig aus der Fassung brachte (58.).

 Vogt musste nach starker Leistung zu Beginn der 2. Hälfte verletzungsbedingt vom Feld

Später Siegtreffer nach einer Standardsituation

Die Hektik wurde größer und es entwickelte sich eine dramatische Schlussphase. Nachdem der eingewechselte Kramaric mit einer Direktabnahme an Gikiewicz scheiterte (82.), führte eine Standardsituation zur Augsburger Führung. Gouweleeuw verlängerte einen Engels-Eckball auf den eingewechselten Jensen, der den Ball mit einem langen Bein aus einem Meter Entfernung völlig freistehend zum Siegtreffer über die Linie drückte (88.). Dabei blieb es. Der FCA feierte nach dem sechsten Sieg in einem Freitagabend-Spiel in Folge überschwänglich drei wichtige Punkte um den Klassenerhalt, während die TSG mit hängenden Köpfen vom Platz ging.

"Es war ein 50:50-Spiel"

Trainer Matarazzo sah ein ausgeglichenes Match: „Es war ein 50:50-Spiel, es hätte auch für uns ausgehen können. Wir haben nicht immer die Räume gesehen und nicht die Tiefe gefunden. Ich glaube nicht, dass die Mannschaft heute verunsichert gewirkt hat.“

 Redebedarf nach dem Abpfiff bei Delanyi (li.) und Trainer Matarazzo
Gardinen Schlenker

Steigerung gegenüber letzter Woche erkennbar

Die Enttäuschung bei Winterneuzugang Thomas Delaney war verständlich: „Es ist schwer zu verkraften. Es war ein Kampfspiel. Es tut richtig weh, so spät das Gegentor zu bekommen. Wir waren besser im Spiel als letzte Woche, aber dennoch nehmen wir nichts mit. Wir brauchen ein Erfolgserlebnis, wir müssen Punkte holen.“ Und Teamkollege Christoph Baumgartner: „Wir haben uns vor allem in der ersten Halbzeit gegenüber den letzten Spielen gesteigert. Die zweite Halbzeit war dann purer Kampf. Wir waren leider nicht cool genug, um das Spiel zu beruhigen, aber das ist auch unserer Situation geschuldet.“ Doch der Österreicher zeigt sich kämpferisch: „Nächste Woche spielen wir gegen Dortmund, eine der besten Mannschaften der Liga. Vielleicht gelingt es uns dann ja mal, zurückzuschlagen. Wir werden weiter hart arbeiten.“
Am nächsten Spieltag empfangen die Nordbadener am Samstag, den 25. Februar um 15:30 Uhr in Sinsheim Borussia Dortmund.

Statistik:

FC Augsburg: Gikiewicz – Gumny, Gouweleeuw, Uduokhai, Renato Veiga (86. Baumgartlinger) – Engels, Rexhbecaj (76. Jensen) – Maier, Demirovic (76. Beljo)– Yeboah (76. Iago), Berisha (90.+5 Bauer)
TSG Hoffenheim: Baumann – Ozan Kabak, Vogt (53. Bicakcic), Brooks – Kaderabek (78. Akpoguma), Delaney, Angelino – Baumgartner (63. Bischof), Tohumcu – Bebou (63. Kramaric), Dolberg (46. Asllani)
Tor: 0:1 Jensen (88.)
Schiedsrichter: Patrick Ittrich
Zuschauer: 25.872

Fotos: Kraichgaufoto

Platz der Knoten gegen den Lieblingsgegner? TSG gastiert in Augsburg
Flutlichtduell zweier Tabellennachbarn am Freitagabend
Donnerstag, 16. Februar 2023

In der Freitagabendpartie des 21. Bundesligaspieltages gastiert die TSG Hoffenheim beim Tabellennachbarn FC Augsburg. Wenn um 20.30 Uhr in der WWK Arena die Partie angepfiffen wird, geht es für beide Mannschaften um drei wichtige Punkte im Abstiegskampf.

Wichtige Punkte im direkten Vergleich

Während die Fuggerstädter bei zwei Punkten mehr auf der Habenseite sich auf dem aktuellen 13. Tabellenplatz mit einem Heimsieg auf fünf Zähler von den Kraichgauern absetzen könnten, bieten sich diesen die große Chance, sich ebenfalls mit einem Dreier vorbei am FCA etwas aus den Tabellenniederungen zu entfernen. Hoffenheims neuer Trainer Pellegrino Matarazzo über die aktuelle Situation: „Jedes Spiel zählt. Eine gute Leistung und drei Punkte würden unseren Prozess beschleunigen. Wir greifen an, um dort dreifach zu punkten. Wir sind in der Lage, dieses Spiel zu gewinnen.“

"Sehr gutes Zeichen"

Über seine erste vollständige Trainingswoche sagte der 45-Jährige: „Die Mannschaft macht einen sehr guten Eindruck und ist sehr willens, zu lernen. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Wir sind mitten im Prozess. Für die kurze Trainingswoche haben wir wirklich intensiv gearbeitet.“

 Hoffenheims Baumgartner setzt sich energisch gegen seinen Augsburger Gegenspieler durch
kfzzentrumfluehr

Hoffen auf den Lieblingsgegner

Die Stimmungslage bei den Gästen ist angesichts der Sieglosserie von zehn Bundesligaspielen in Folge äußerst getrübt. Die Verunsicherung aufgrund der fehlenden Erfolgserlebnisse sowie der Druck des Gewinnen-müssens nehmen Woche für Woche deutlich zu. Jetzt hofft man bei den Nordbadenern, dass der Knoten bei einem ihrer Lieblingsgegner, gegen den man in 23 Partien 14 Mal erfolgreich war, endlich platzt. Acht Siege aus den letzten zehn Duellen mit den bayerischen Schwaben stimmen zwar hoffnungsvoll, doch mit Blick auf die letzten enttäuschenden Vorstellungen der Blau-Weißen im Ligawettbewerb kommt dabei sicherlich keine Euphorie auf. 

Unbequemer Gegner

Die Augsburger sind ein sehr unbequemer Gegner, vor allem aufgrund ihrer besonderen Zweikampfstärke. Kein Bundesligist spielt weniger Pässe als die Augsburger, deren Passquote die niedrigste aller Erstligisten ist. Dafür suchen sie eher das direkte Duell, wo sie ligaweit die zweitmeisten Zweikämpfe führten.TSG-Cheftrainer Matarazzo sagte bei der Spieltags-PK über den nächsten Gegner: „Augsburg spielt sehr intensiv. Sie haben zwei Varianten in der Verteidigung: Teilweise gehen sie stark in die Manndeckung und pressen, sie können aber auch tief stehen und als Block verteidigen. Augsburg spielt dazu direkt nach vorn.“

 Kevin Vogt (li.) - hier im Kopfballduell mit Augsburgs Florian Niederlechner - steht nach überstandener Verletzung der TSG wieder zur Verfügung
volkerhotel

Heimschwache Fuggerstädter

Augsburg tat sich in den vergangenen Jahren vor allem in der heimischen Arena gegen die Hoffenheimer besonders schwer. Bei sechs Niederlagen aus den letzten sieben Heimspielen kassierten sie gegen kein anderes Team so viele Heimpleiten wie gegen Hoffenheim. In der laufenden Saison konnten sie nur drei ihrer zehn Heimspiele gewinnen, fünf Mal gingen die Gäste als Sieger vom Platz. Das ist der zweitschlechteste Ligawert.

Freitagabendspezialisten

Die Hoffnungen auf den dritten Heimsieg in Folge, nach zuletzt zwei 1:0-Erfolgen gegen Gladbach und Leverkusen, ruhen auf der Tatsache, dass das Team von Trainer Enrico Maaßen seine letzten fünf Freitagabendspiele in der Bundesliga alle gewinnen konnte. Der FCA outet sich im Gegensatz zu den Hoffenheimern eher als Flutlichtspezialist.

Anfällig bei Kontern

Es ist zu erwarten, dass die Gastgeber auch am Freitagabend der TSG die Spielkontrolle überlassen und dann mit schnell vorgetragenen Kontern versuchen werden, zum Torabschluss zu kommen. Gerade hier liegt eine Schwachstelle bei den Gästen, die bereits acht Konter-Tore (Ligahöchstwert) im bisherigen Saisonverlauf hinnehmen mussten.

 Angelino - umringt von drei Augsburgern - beim Flanken
Gardinen Schlenker

Kaderabek und Vogt wieder einsatzfähig

Personell hat sich die Lage bei den Kraichgauern in den letzten Tagen etwas verbessert. Nachdem die beiden  Langzeitverletzten Jacob Bruun Larsen und Grischa Prömel weiter nicht zur Verfügung stehen, kehren mit Kevin Vogt und Pavel Kaderabek zwei zuletzt mit Oberschenkelproblemen behaftete Routiniers im Defensivbereich wieder in den Kader zurück. Beide konnten zuletzt wieder am Mannschaftstraining teilnehmen. Während Kaderabek auf der Außenbahn für den zuletzt formschwachen Angelino eine Alternative wäre, liegen die Stärken beim 31-jährigen Abwehrchef Vogt vor allem in der Spieleröffnung. Vor allem im Kombinationsspiel nach vorne mangelte es in den letzten Wochen besonders bei den Blau-Weißen. Trainer Matarazzo muss weiterhin auf die Verletzten Robert Skov und Angelo Stiller sowie auf den gelbgesperrten Dennis Geiger verzichten.
Rund 400 Hoffe-Fans werden die Mannschaft am Freitagabend in die 250 km entfernte Geburtsstadt der Augsburger Puppenkiste begleiten.

Fotos: Kraichgaufoto

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Vom dreizehnjährigen Vorlagengeber als Balljunge hin zum Fußballprofi
Hoffenheims Talent Umut Tohumcu gilt als ruhiger Leader
Mittwoch, 15. Februar 2023

In diesem Winter absolvierte Umut Tohumcu die Vorbereitung mit der Bundesliga-Mannschaft der TSG Hoffenheim. Der Mittelfeldspieler zeigt auf und neben dem Rasen zwei unterschiedliche Gesichter: Auf dem Platz ist der 18-jährige der ehrgeizige Spieler, der in den Jugendteams auch häufiger die Kapitänsbinde trägt und vorangeht, neben dem Platz ist er eher zurückhaltend. Nun möchte er sich im Kader der Profis etablieren.

Kindheitstraum wurde wahr

Umut Tohumcu lächelt, nein, er lacht aus tiefstem Herzen. Der 18-Jährige genießt die Trainingseinheit bei frühlingshaften Temperaturen im portugiesischen Albufeira spürbar, ja für alle sichtbar. Sein Kindheitstraum ist wahr geworden: Er steht im Kader eines Fußball-Bundesligisten. Doch wenn das Training vorbei ist, zeigt der Mittelfeldspieler eine andere Seite. Vom selbstbewussten und ehrgeizigen Tohumcu ist nicht mehr viel zu sehen, stattdessen wirkt der Nachwuchs-Akteur im gern und oft zitierten „Haifischbecken“ Profifußball zurückhaltend, fast schon schüchtern. Die volle Aufmerksamkeit im SPIELFELD-Gespräch kurz darauf erscheint ihm sogar unangenehm. Umut Tohumcu lässt viel lieber Taten sprechen.

 Umut Tohumcu beim Einwurf

CNC Technik Lange

Es dreht sich alles nur um Fußball

Es ist der Ball, der ihn seit der Kindheit begleitet und ihn in seinem Verhalten so verändert. „Mein Vater hat mir damals schon als Baby einen Ball ins Bett gelegt. Wir reden immer über Fußball und gehen auch manchmal zusammen kicken. Dieser Sport ist alles für uns“, sagt Tohumcu. Seit seiner Jugend träumt der gebürtige Offenburger vom Profifußball. Und für diesen Traum hat er einiges aufgegeben. Mit 13 Jahren verließ er das Elternhaus und wechselte ins Internat der TSG Hoffenheim. Und das, obwohl sich der Bruder von vier Geschwistern selbst als ausgewiesenen Familienmenschen bezeichnet: „Ich hatte Zweifel, ob ich es packen werde, weil ich als Kind immer etwas ängstlich und schüchtern war. Nach einem Jahr hatte ich auch etwas Heimweh, aber meine Eltern haben mich super unterstützt und ich bin froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung.“

Einer, der vorangeht

Seit seinem Wechsel 2017 hat sich der Mittelfeldspieler zu einem Führungsspieler in den Nachwuchsteams entwickelt. In dieser Saison könnte Tohumcu als 2004er-Jahrgang noch bei den A-Junioren spielen, doch der Mittelfeldspieler war zunächst fest für die U23 eingeplant, ehe er nach der Winterpause zu den Profis hochgezogen wurde. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat ihn gestärkt und auch auf dem Platz lauter werden lassen. „Ich bin nicht mehr so schüchtern wie früher. Und auf dem Rasen fühle ich mich ohnehin einfach wohler“, sagt Tohumcu und bekommt dafür die Anerkennung seiner Trainer. Teilweise führte er „Hoffe zwo“ sogar als Kapitän auf den Rasen. Eine Rolle, die ihm gefällt: „Es entspricht meiner Persönlichkeit auf dem Platz, dass ich vorangehe. Ich trage auch bei der U19-Nationalmannschaft die Kapitänsbinde. Es ehrt mich, dass mir die Trainer vertrauen. Ich bin sehr ehrgeizig und will meine Mitspieler auf dem Rasen unterstützen.“

 Tohumcu im Zweikampf mit Gladbachs Kouadio Koné

Ritzhaupt

Immer defensiver geworden

Bei der zweiten Mannschaft der TSG hat sich Tohumcu nicht nur wegen der Spielführerbinde zu einer Führungsfigur und einem Leistungsträger entwickelt. Im zentralen Mittelfeld zieht der Junioren- Nationalspieler die Fäden und weiß mit zehn Scorerpunkten zu überzeugen - trotz defensiverer Position. Früher agierte er deutlich offensiver, war teilweise sogar Stürmer. „Ich bin Jahr für Jahr defensiver geworden und unter dem damaligen Trainer Marcel Rapp war ich dann bei der U19 auf einmal auf der Doppelsechs gegen den Ball eingeplant. Natürlich vermisse ich es ab und zu, offensiver zu agieren und mehr Tore zu schießen. Aber ich glaube, dass es meine beste Position ist, ich meine Zweikampfstärke einbringen kann und mehr Einfluss aufs Spiel habe“, sagt Tohumcu.

Hat sich wie eine Stimmungsexplosion angefühlt

Und seine Leistungen blieben nicht unbemerkt. In diesem Winter absolvierte der Mittelfeldspieler die gesamte Vorbereitung bei den Profis. Es war der Lohn für jahrelange gute Arbeit in der TSG-Akademie. Bereits im vergangenen Sommer hatte er sein Bundesliga-Debüt gefeiert. Am 34. Spieltag der vergangenen Saison sammelte Tohumcu seine ersten Minuten – im Alter von gerade einmal 17 Jahren wurde er in der Partie bei Borussia Mönchengladbach kurz vor Schluss eingewechselt. „Als der Trainer mir gesagt hat, dass ich reinkommen werde, habe ich alles ausgeblendet. Es war auf einmal ganz still und ich wurde ganz nervös. Es hat sich wie eine Stimmungsexplosion angefühlt. Auch wenn wir verloren haben und ich nur wenige Minuten gespielt habe, war es ein unfassbar schöner Moment.“

 Gegen Leverkusen durfte Tohumcu in der zweiten Halbzeit ran
silvio

Torbeteiligung als Balljunge

Sein erstes großes Highlight erlebte Tohumcu schon vor knapp sechs Jahren. Am 10. September 2017 rückte das Talent in den Fokus von Fans und Journalisten, obwohl er noch weit weg war von seinem ersten Profi-Einsatz: Beim 2:0-Sieg gegen den FC Bayern München reagierte der damalige Balljunge namens Tohumcu geistesgegenwärtig und warf die Kugel blitzschnell zu Andrej Kramarić. Der Stürmer führte den Einwurf schnell aus, bereitete damit den Treffer von Mark Uth zum 1:0 vor – und bescherte Umut Tohumcu seine erste Torbeteiligung in der Bundesliga, knapp fünf Jahre vor dem ersten Spiel. „Das war schon unglaublich. Der Ball ist ins Aus gerollt, Andrej kam auf mich zu und wollte meinen Ball haben. Dann ging es ganz schnell und auf einmal ist das Tor gefallen“, beschreibt der heutige Mitspieler des Kroaten die Szene. Was danach auf Umut Tohumcu, der türkische Wurzeln hat, zukam, überstieg sein Vorstellungsvermögen: „Schon in der Halbzeit kamen Journalisten zu mir, wollten ein Foto machen und meine Kontaktdaten haben. Nach dem Spiel gab es unglaublich viele Artikel über die Szene und auch in der Schule haben mich meine Freunde darauf angesprochen. Das war schon enorm.“

Für weitere Aufgaben empfehlen

Doch Umut Tohumcu ist viel mehr als nur der Balljunge mit dem kurzen Moment im Rampenlicht. Der talentierte Mittelfeldspieler will sich im Training bei den Profis beweisen und für weitere Aufgaben empfehlen. Es passt zu seiner Art, dass Umut Tohumcu auch nach einer gemeinsamen Vorbereitung den neuen Teamkollegen noch nicht auf die Szene im September 2017 angesprochen hat. „Ich weiß ja nicht, ob sich Andrej überhaupt an die Szene erinnert und noch weiß, dass ich es war“, sagt er zurückhaltend. Doch mittlerweile ist er nicht mehr der Balljunge, der sich einen Assist mit Andrej Kramarić teilt, sondern trainiert und spielt mit dem kroatischen WM-Finalisten von 2018 und WM-Dritten von 2022 zusammen. Die Zeiten haben sich geändert. Und nun hofft Tohumcu, dem TSG-Rekordtorschützen einen Bundesliga-Treffer aufzulegen. Und nicht nur den Ball zuzuwerfen.

PM: TSG Hoffenheim
Foto: Kraichagufoto

TSG bekommt beim 1:3 gegen Leverkusen ihre Grenzen aufgezeigt
Hoffenheims Niederlagenserie nimmt eine Fortsetzung
Samstag, 11. Februar 2023

Am 20. Bundesligaspieltag empfing die TSG Hoffenheim in der Sinsheimer Arena das Team von Bayer 04 Leverkusen. Die nach dem Trainerwechsel von André Breitenreiter zu Pellegrino Matarazzo erhoffte sportliche Wende nach zehn sieglosen Partien und dem Abrutschen in unmittelbare Nähe der Abstiegsregion blieb jedoch aus. Die Kraichgauer verloren am Ende verdient mit 1:3 und stecken weiter im Abstiegskampf.

Frühe Gegentore

Die TSG geriet bereits in der sechsten Minute durch den Treffer von Robert Andrich in Rückstand. Kurz nach dem Anpfiff der zweiten Hälfte erhöhte das Werksteam auf 2:0 durch Moussa Diaby (46.) und wenig später machte Adam Hlozek mit dem 3:0 alles klar (56.). Der Anschlusstreffer durch Stanley Nsoki (77.) zum 1:3 kam jedoch für eine Aufholjagd zu spät. Winterneuzugang Thomas Delaney: „Wir haben in beiden Hälften keine gute Anfangsphase gehabt. So kann man nicht viele Spiele gewinnen. Wir sind nicht da, wo Hoffenheim zuletzt war, stehen ganz unten und müssen nun Mentalität zeigen. Uns fehlt das Selbstvertrauen und das bekommen wir nur durch Siege.“

"Nicht unser Anspruch"

Für den neuen Trainer Pellegrino Matarazzo war vieles nicht der Anspruch, den man an sich hat: „Wir sind nicht gut reingekommen, unser Auftreten war sehr verhalten. Das frühe Gegentor hat dann natürlich nicht gutgetan. Sowohl offensiv als auch defensiv wurde vieles nicht unserem Anspruch gerecht. Erst nach dem 0:3 war es fußballerisch eine Leistung, auf der wir aufbauen können.“

 Leverkusens Frimpong (li.) stellte die Hoffenheimer mit seiner Schnelligkeit vor große Probleme

CNC Technik Lange

Leverkusen mit starkem Beginn

Die Rheinländer, die zuvor zwei Spiele in Folge verloren hatten, begannen druckvoll und drängten die Gastgeber gleich in die Defensive. Mit Erfolg, denn bereits nach sechs Minuten ging das Werksteam in Führung. Nach einer Hereingabe von links konnte Florian Wirtz den Ball ungestört an der 16-Meterlinie für Robert Andrich auflegen und dieser schlenzte den Ball unhaltbar für Torhüter Oliver Baumann flach ins rechte Eck zur 1:0-Gästeführung. In der Anfangsphase dominierten die Gäste bei deutlich höherem Ballbesitz das Geschehen, während die TSG meist nur hinterherlief.

Hoffenheim ohne Offensivaktionen

Die nächste Torchance ließ dann etwas auf sich warten. In der 23. Minute köpfte Jeremie Frimpong nach einer weiten Flanke aus spitzem Winkel aufs Hoffenheimer Tornetz. Drei Minuten später war es erneut der wieselflinke Rechtsverteidiger, der Hoffenheims John Anthony Brooks davonlief und aus fünf Metern an Baumann scheiterte (26.). Bayer machte weiter das Spiel und ließ Hoffenheim erst gar nicht ins Spiel kommen. Die Verunsicherung der letzten erfolgslosen Wochen war, trotz allem kämpferischen Einsatz, deutlich erkennbar. Vor allem im Spiel nach vorn fehlte es an Präzision und Durchschlagskraft.

Unmut der Fans macht sich deutlich

In der Fankurve machte ein Teil der Hardcorefans auf sich aufmerksam, indem sie ihrenihren Unmut über den Trainerwechsel mit Transparenten kundtan: „Wenn Dietmar senkt den Daumen, muss auch André daran glauben!“ Und an die Geschäftsführer adressierten sie: „Wer Angst um den Job mit Loyalität zu Hopp verwechselt!“ Bis zur Pause tat sich vor beiden Toren wenig, das Geschehen spielte sich meist im Mittelfeld ab, wobei festzuhalten ist, dass die Gastgeber über die gesamte erste Hälfte sich keine einzige zwingende Torchance erspielten konnten. Die knappe Gästeführung entsprach daher auch voll und ganz dem bisherigen Spielverlauf.

 Kopfballduell zwischen Bebou (li.) und Tah

Blitzstart von Bayer

Im zweiten Abschnitt erwischten die Gäste erneut einen Traumstart und gingen nach einem Konter über Wirtz und Frimpong, der quer auf Diaby auflegte und der Franzose nur noch einzuschieben brauchte, 2:0 in Führung (46.). Wiedermal wirkte die Hoffenheimer Hintermannschaft dabei unorientiert und schläfrig. Das Bayerteam nutzte diese Schwachstellen eiskalt aus und sorgte bereits zu einem frühen Zeitpunkt für eine beruhigende 2-Tore-Führung. Man konnte den Blau-Weißen Wille und Einsatz zwar nicht absprechen, doch ihr Spiel nach vorn wirkte viel zu umständlich.

Erste Torchance in der 53. Minute

Es dauerte bis zur 53. Minute bis die Hoffenheimer ihre erste gefährliche Toraktion besaßen. Nach einem Konter kam Kevin Akpopguma in Mittelstürmerposition aus 16 Metern frei zum Torabschluss, doch sein Schuss mit gemessenen 90 km/h ging deutlich neben das Tor. Auf der anderen Seite waren die Gäste deutlich effektiver und spielten weiter eiskalt im Stile einer Spitzenmannschaft. Und wieder ging es im Blitztempo über die Außenbahn, wo erneut der quirlige und schnelle Frimpong seinen Gegenspielern enteilte und im Strafraum quer auf Adam Hlozek legte und dieser auf 3:0 erhöhte (56.). Der deutliche Rückstand nach knapp einer Stunde hatte die Partie entschieden. Die wendigen und schnellen Sprinter Diaby und Frimpong konnten von der TSG-Hintermannschaft nie gestoppt werden und waren an fast allen gefährlichen Offensivaktionen beteiligt.

 TSG-Keeper Baumann in erwartung einer Hereingabe von Frimpong
volkerhotel

Zu spätes Aufbäumen

Die zweite Hoffenheimer Toraktion bot sich dem eingewechselten Kasper Dolberg in der 68. Minute, doch sein Torschuss stellte Bayer-Keeper Lukas Hradecky vor keine Probleme. Drei Minuten später kam Andrej Kramaric zu seiner ersten Torchance, als er aus spitzem Winkel an Hradecky scheiterte (71.). Die TSG war zwar trotz des deutlichen Rückstandes weiter bemüht sich Chancen zu erspielen, doch wirkten die Aktionen zu umständlich und nicht zielorientiert. Trainer Matarazzo reagierte und brachte mit den jungen Eigengewächsen Fisnik Asllani, Umut Tohumcu und Tom Bischof frischen Wind ins Spiel. Das sollte sich zunächst auszahlen, denn in der 77. Minute konnten die Gastgeber durch Stanley Nsoki, der aus kurzer Distanz aus dem Gewühl heraus den Ball über die Torlinie drückte, auf 1:3 verkürzen. Eine Doppelchance gab es in der 83. Minute durch Ozan Kabak und im Nachschuss durch Kramaric, doch beides Mal war Torhüter Hradecky zur Stelle. Leverkusen brachte in der Schlussphase den nie gefährdeten Auswärtssieg souverän über die Zeit.

TSG geht schweren Zeiten entgegen

Während das Team von Trainer Xabi Alonso sich mit dem achten Saisonsieg in die obere Tabellenhälfte schob, rangieren die Kraichgauer weiterhin mit 19 Punkten auf Platz 14, drei Zähler vor dem Relegationsplatz. Für den neuen Cheftrainer Matarazzo steht noch reichlich Arbeit bevor, um aus einer verunsicherten Truppe wieder eine wettbewerbsfähige Mannschaft zu formen. Elf sieglose Pflichtspiele nagen natürlich am Selbstvertrauen. Am nächsten Spieltag gastiert die TSG am Freitagabend um 20.30 Uhr beim FC Augsburg.

"Wir brauchen jetzt alle Zuschauer"

TSG-Kapitän Baumann hofft in den nächsten wichtigen Spielen auf mehr Unterstützung von den Rängen. Nach dem Abpfiff sagte er im Interview: „Wir brauchen in dieser Situation zudem nicht nur die Südkurve, wir brauchen die Haupttribüne, die Gegengerade. Wenn die Zuschauer dir helfen, dich tragen, das macht nochmal fünf Prozent aus. Das ist auch ein Appell, nicht an die Südkurve, die versuchen alles, aber an alle anderen. Wir brauchen nicht nur Zuschauer, wir brauchen Unterstützer, lautstarke Fans. Das braucht die Mannschaft, wir müssen irgendwie jedes Prozent gemeinsam rauskratzen.“

Statistik:

TSG Hoffenheim: Baumann – Ozan Kabak, Brooks, Nsoki – Akpoguma, Delaney (64. Tohumcu), Angelino (64. Bischof) – Baumgartner, Geiger (46. Dolberg) – Bebou (73. Asllani), Kramaric
Bayer 04 Leverkusen: Hradecky – Tapsoba, Tah, Hincapie, Sinkgraven (81. Bakker) – Andrich, Demirbay (81. Adli) – Frimpong (86. Bellarabi), Wirtz, Diaby (73. Palacios) – Hlozek (73. Amiri)
Tore: 0:1 Andrich (6.), 0:2 Diaby (46.), 0:3 Hlozek (56.), 1:3 Nsoki (77.)
Schiedrichter: Tobias Stieler (Hamburg)
Zuschauer: 20.619

Fotos: Kraichgaufoto

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Das Vertrauen in die defensive Kompaktheit, Offensivstärke und Mut
Matarazzo zeigt sich bei seiner Vorstellung optimistisch
Donnerstag, 9. Februar 2023

Das mediale Interesse an der TSG Hoffenheim hat in den vergangenen Tagen außergewöhnlich stark zugenommen. Es waren jedoch keine Erfolgsmeldungen, die über den Dorfverein verbreitet wurden, sondern es stand vielmehr die sportliche Talfahrt mit der Folge der Entlassung von André Breitenreiter und der Trainerneubesetzung durch Pellegrino Matarazzo im Mittelpunkt. Im beschaulichen Zuzenhausen ging es daher am Donnerstag zur Mittagszeit im Presseraum ziemlich eng zu, denn anders als sonst üblich versammelten sich deutlich mehr Vertreter von TV-, Print und Onlinedienstleistern, um live vor Ort und auch virtuell am Bildschirm bei der Vorstellung des neuen TSG-Cheftrainers dabei zu sein.

"Willkommen zurück"

Man hätte die 37-minütige Vorstellung, die auch zugleich als Spieltags-PK für das bevorstehende Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen Bayer 04 Leverkusen diente, unter dem Motto „Willkommen zurück“ durchgehen lassen können. Dabei wurde mehrfach, auch von Alexander Rosen, dem Direktor Profifußball bei den Hoffenheimern, der mit auf dem Podium saß, der Neue eher als ein Alter oder besser formuliert ein Zurückgekehrter präsentiert.

 Alex Rosen (li.) und Pellegrino Matarazzo strahlen Zuversicht aus
Global Invest

Beginn des nächsten Kapitels

Über seine Rückkehr zur TSG, wo er 2017 zunächst als U17-Trainer und dann als Co-Trainer der Profimannschaft bis zu seinem Wechsel im Dezember 2019 zum VfB Stuttgart tätig war, sagte der 1,98 Meter große gebürtige US-Amerikaner: „Ich freue mich, viele bekannte Gesichter zu sehen. Ich lebe seit mehreren Jahren in dieser Region, auch daher habe ich eine emotionale Verbindung zum Verein und zur Region. Ich habe hier bereits mit sehr vielen Personen zusammengearbeitet und freue mich auf mein nächstes Kapitel bei der TSG.“

Situation richtig einschätzen und vorwärts gehen

Für Rosen ist es ein großer Vorteil, dass der Neue genau weiß, wie der Verein tickt und wie die Strukturen sind: „Rino kennt den Verein. Es wird immer ein Teil der TSG-DNA sein, Talente zu entwickeln. Die jungen Spieler wurden auch in den vergangenen Wochen eingesetzt – das ist Teil der Identität. Unter all diesen Umständen hat Rino schon hier gearbeitet. Aber es gilt auch das Prinzip des maximalen Ehrgeizes. Nach diesem Absturz geht es erstmal nur darum, die Situation einzuschätzen und vorwärts zu gehen.“

 Kramaric (Mitte) im Zweikampf mit Leverkusens Aranguiz

Die Stärke liegt in der Offensive

Nach den ersten Trainingseindrücken und Gesprächen mit der Mannschaft hat er gleich verspürt, dass „die Bereitschaft, den nächsten Leistungsschritt zu gehen, deutlich erkennbar ist. Man sehr aufnahmebereit und offen für Input ist und die Spieler sehr energisch sind.“ Zur Herangehensweise im aktuellen Abstiegskampf sagte der neue Chefcoach: „Wir müssen den Ball laufen lassen, immer mit großer Zielstrebigkeit. Wir wollen keine 65 Prozent Ballbesitz – wir wollen schnell zum Tor kommen. Die Stärke dieses Teams liegt in der Offensive.“

Klassenerhalt steht an erster Stelle

Matarazzo charakterisiert sich als Trainer in einer Mischung aus Analyse und guter Menschenführung, wobei er bestrebt ist, die Antennen auszufahren um die Energie innerhalb des Teams richtig zu steuern. Bei der Zielausrichtung steht der Kampf um den Klassenerhalt zunächst an erster Stelle, ehe man anschließend mit der Mannschaft, bei der großes Potenzial vorhanden ist, der nächste Entwicklungsschritt geplant ist. Mit dem aktuellen Trainerteam um David Scholtysik und Frank Fröhling ist der 45-Jährige sehr zufrieden, dennoch schloss er nicht aus, „dass noch jemand hinzukommt, was sich in den nächsten 24 Stunden entscheiden werde“.

Eine herausfordernde Lage

Die aktuell sportlich unbefriedigende Situation sieht Rosen als eine "herausfordernde Lage, in der niemand hier etwas auf die leichte Schulter nimmt. Jeder muss schauen, was er tun kann, damit wir Ergebnisse erzielen.“
Am besten gleich am Samstag gegen das Bayer-Werksteam. Matarazzo zur Herangehensweise gegen den mit fünf Punkten besser platzierten Tabellenzehnten Leverkusen: „Wir müssen zunächst die defensive Kompaktheit wiederherstellen. Wir dürfen nicht vergessen, wo unsere Stärken sind. Wir dürfen mutig sein, wir dürfen auch Fehler machen, aber die Reaktion muss dann dazu passen. Wenn die Köpfe frei sind und wir auch wieder mutiger agieren, werden wir wieder Spiele gewinnen.“

 Dabbur (li.) im Duell mit Leverkusens Tath

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Jeder muss Verantwortung übernehmen

Hierfür will der neue Trainer seiner Mannschaft einen guten Matchplan an die Hand geben, um gegen einen zu erwartenden defensiv stabilisierten Gegner, der sehr kompakt steht und nach Ballgewinnen sehr gut umschaltet, erfolgreich zu sein. Über den Mangel an Führungsspielern wollte er sich nicht beklagen: „Es sind wirklich viele, die das Team führen wollen und können. Wichtig ist, dass jeder Verantwortung übernimmt, dann werden wir Leistung zeigen.“ Dabei sollte man seiner Auffassung nach nicht vergessen, wo man aktuell steht, denn die aktuelle Tabelle nach 19 Spieltagen ist vielsagend. Dies gilt es auf alle Fälle zu korrigieren.

Ausbaufährige Bilanz gegen das Werksteam

Mit Leverkusen treffen die Blau-Weißen auf einen aus ihrer Sicht unbequemen Gegner, gegen den man in den bisherigen 29 Duellen bereits 16 Niederlagen kassierte. Nach zwei Siegen zum Jahresstart in Mönchengladbach (3:2) und gegen Bochum (2:0) kam das Team von Trainer Xabi Alonso etwas aus der Erfolgsspur und verlor die letzten beiden Partien gegen Dortmund (0:2) und Augsburg (0:1).
Personell müssen die Kraichgauer am Samstag weiterhin auf die Langzeitverletzten Jacob Bruun Larsen und Grischa Prömel sowie auf Pavel Kaderabek und Robert Skov verzichten. Ob Abwehrorganisator Kevin Vogt wieder einsatzfähig ist, ist noch fraglich. Im Vorfeld der Partie wurden, laut Aussage von Pressesprecher Jörg Bock, bislang 18.000 Tickets, darunter 700 ins Rheinland, abgesetzt. Tendenz deutlich steigerungsfähig.

Fotos: BWA und Kraichgaufoto

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Hoffenheims "Bessermacher" wechselt zum FC Bayern
Torwarttrainer Rechner verlässt nach eineinhalb Jahrzehnten die TSG
Mittwoch, 8. Februar 2023

Michael Rechner verlässt den Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim und wechselt zum Liga-Konkurrenten FC Bayern München. Der 42 Jahre alte Mosbacher arbeitete seit 2008 als Torwart-Trainer bei der TSG. „Mit dem Wechsel von Michael nach München geht hier nicht weniger als eine Ära zu Ende“, sagt TSG-Direktor Profifußball Alexander Rosen über den Abgang eines langjährigen Weggefährten.

 TSG-Torwarttrainer-Legende Rechner wechselt Nagelsmanns-Bayern
kfzzentrumfluehr

"Er ist ein Bessermacher"

„Michael war über eineinhalb Jahrzehnte eine Konstante in unserem Klub. Er formte Generationen von Torhütern durch seine Arbeit in U19, U23 und der Profi-Mannschaft. Seine Fachkompetenz, seine Kreativität und seine Hingabe machten ihn zu einem der renommiertesten Experten auf seinem Gebiet. Er ist ein Bessermacher“, lobt Rosen den scheidenden Rechner. „Wir bedauern seinen Abgang sehr. Am Ende aber hatten all unsere Bemühungen, ihn von einem Verbleib zu überzeugen, keinen Erfolg. Michael hat sich entschieden und unmissverständlich kommuniziert, dass er einen anderen Weg gehen will. Gerade in unserer aktuellen Situation benötigen wir von allen Teammitgliedern eine hundertprozentige Identifikation und Bereitschaft“, erläutert Rosen.

 Rechner beim Torschusstraining mit Baumann

Wiesendanger Bedachungen

Tägliche Überraschungen

„Ich danke Michael für acht außergewöhnliche Jahre. Er hat es verstanden, mich an nahezu jedem Tag unserer Zusammenarbeit zu überraschen. Über diese Zeit ist natürlich auch eine Freundschaft entstanden. Auch deshalb bedauere ich seinen Weggang. Aber ich freue mich auch für ihn, dass er sich einer neuen, spannenden Herausforderung stellen kann. Ich wünsche ihm nur das Beste“, sagt TSG-Schlussmann Oliver Baumann.

Stolz übernimmt bis auf Weiteres

Bis auf Weiteres wird Alexander Stolz die Torwartgruppe trainieren. Der 39 Jahre alte ehemalige TSG-Keeper arbeitet seit Jahren erfolgreich in der Akademie des Klubs. Schon in der Vergangenheit hat er Michael Rechner immer wieder vertreten, wenn dieser bei der türkischen Nationalmannschaft weilte.

 Stammkeeper Baumann (re.) hat seinem Torwarttrainer Rechner viel zu verdanken
lacuisine

Zahlreiche Bundesliga-Keeper trainiert

Michael Rechner beendete seine aktive Torhüter-Karriere 2009 beim FC Zuzenhausen. Zuvor stand er u.a. für den VfR und Waldhof Mannheim, Sachsen Leipzig, Schweinfurt 05 und die TSG Weinheim zwischen den Pfosten. Schon 2008 startet er seine zweite Karriere als Torhüter-Trainer bei der U19 der TSG Hoffenheim. Nach fünf Jahren wechselte er zur U23 des Klubs, schon 18 Monate später leitete er das Training der Profikeeper. Er entwickelte Schlussmänner wie Marvin Schwäbe, Koen Casteels oder Gregor Kobel – heute allesamt Stammkeeper in der Bundesliga. Darüber hinaus bereitete er Talente wie Luca Philipp (22), Nahuel Noll (19, beide TSG Hoffenheim) oder Daniel Klein (21, FC Augsburg) auf den Sprung in die Eliteklasse vor. Seine Fähigkeiten weckten auch international Begehrlichkeiten. Als Stefan Kuntz im Herbst 2021 sein Amt als Nationalcoach der Türkei antrat, berief er Rechner in sein Trainerteam. Die TSG gab ihm die Freigabe für diesen Nebenjob.

PM: TSG
Fotos: Kraichgaufoto

Matarazzo soll die TSG wieder in die Erfolgsspur führen
Trainersuche in der Breitenreiter-Nachfolge ist entschieden
Mittwoch, 8. Februar 2023

Nach der offiziell verkündeten Trennung von Cheftrainer André Breitenreiter am Montagmorgen präsentierte die TSG Hoffenheim zwei Tage später am Mittwochmorgen um 9:30 Uhr per Pressemitteilung dessen Nachfolger. Es gab dazwischen reichlich Spekulationen, wer für die Breitenreiter-Nachfolge alles in Frage kommen könnte: Pellegrino Matarazzo (ehemaliger Co-Trainer unter Julian Nagelsmann und zuvor von 2017 bis 2019 U17-Trainer bei der TSG), Florian Kohfeldt (Trainer in Bremen und Wolfsburg), Domenico Tedesco (TSG-Jugendtrainer, danach Cheftrainer in Aue, Schalke 04, Spartak Moskau und Leipzig), Adi Hütter (Trainer in Frankfurt und Gladbach) und Ralph Hasenhüttl (Trainer in Unterhaching, Aalen, Ingolstadt, Leipzig und Southampton) zählten zu den Top-Kandidaten. Die Verhandlungen dauerten lange und zogen sich  bis in den späten Dienstagabend hinein.

Matarazzo war von Beginn an Top-Favorit

Letztendlich entschieden sich die Hoffenheimer Verantwortlichen für den 45-jährigen Matarazzo, einem ehemaligen Weggefährten. Erste Gerüchte kamen bereits auf, als Matarazzo beim Heimspiel der TSG am 24. Januar gegen dessen Ex-Klub VfB Stuttgart (2:2) in der Sinsheimer Arena gesichtet wurde. Damals saß Breitenreiter zwar noch fest im Sattel, doch die Gerüchteküche begann bereits zu brodeln. 

"Passt mit seiner Art einhundert Prozent zur TSG"

„Rino kennt nicht nur unseren Klub, sondern auch einen Großteil der Mannschaft aus eigener Erfahrung. Umgekehrt kennen wir auch ihn und sind deshalb davon überzeugt, dass er der richtige Mann auf der Cheftrainer-Position ist. Mit seiner Spielphilosophie, seiner Auffassung von Fußball und seinem Umgang mit Menschen passt er zu einhundert Prozent zur TSG und ihrem Weg, weit über die aktuelle Situation hinaus“, sagt TSG-Direktor Profifußball Alexander Rosen.

Anspruchsvolle Situation

„Die Situation ist ohne Zweifel anspruchsvoll. Ich bin von der Qualität der Mannschaft überzeugt und gehe voller Elan und mit großer Zuversicht an die Aufgabe heran. Die TSG steht für einen offensiven, mutigen und frischen Fußball. Ich möchte mit der Mannschaft schnell wieder den Fußball spielen, der sie seit vielen Jahren auszeichnet und den sie in dieser Saison auch schon eindrucksvoll auf den Platz gebracht hat“, erklärt der neue Coach, der am Mittwoch seine erste Trainingseinheit leitet.

 Pellegrino Matarazzo tritt ab heute die Nachfolge von Trainer Breitenreiter in Hoffenheim an
Clubhaus

Nagelsmanns außergewöhnliche Vorstellung

Der US-Amerikaner mit italienischen Wurzeln wohnt bereits in der Region in Wiesenbach, nur wenige Kilometer vom Trainingszentrum in Zuzenhausen entfernt in der ehemaligen Nagelsmann-Wohnung. 2017 war Matarazzo für die U 17 der TSG verantwortlich. Ein gutes halbes Jahr später beförderte ihn der damalige Cheftrainer Julian Nagelsmann als Co-Trainer zur Profimannschaft. Beide kannten sich vom beim gemeinsamen Lehrgang zum Fußballlehrer. Unvergessen bleibt bei einigen Journalisten der Nagelsmann-Spruch vom Januar 2018 zur "Matarazzo-Vorstellung" hinsichtlich dessen Körpergröße von fast zwei Metern bei einer Pressekonferenz („Das Erste, was man von ihm erwartet, ist: Er kann aus der Dachrinne trinken!").

Abstiegskampferfahrung in Stuttgart gesammelt

Nach einer knapp halbjährigen Zeit als Co-Trainertätigkeit unter Alfred Schreuder wechselte der ambitionierte Coach im Dezember 2019 zum Zweitligisten VfB Stuttgart, wo er das Amt des Cheftrainers übernahm. Nach dem Erstligaaufstieg und zwei Spielzeiten folgte nach neun sieglosen Spielen zu Beginn der laufenden Bundesligasaison 2022/23 im Oktober das Aus bei den Schwaben. Für Mattarazzo spricht, dass er die Strukturen und Spielweise in Hoffenheim sehr gut kennt. Dennoch wird es für ihn keine leichte Aufgabe, die völlig verunsicherte Truppe wieder in die Erfolgsspur zu führen.

 Nach dem Trainerwechsel sind jetzt auch die Spieler in der Pflicht. Ähnliche Leistungen wie zuletzt in Bochum sind unakzeptabel.

CNC Technik Lange

Fußballerische Wurzeln in den Staaten

Pellegrino Matarazzo wurde am 28. November 1977 in Wayne, einer Stadt in New Jersey, geboren. Er wuchs bei seiner Familie in der Nähe seiner Geburtsstadt in Paterson auf. Seine Eltern stammen aus Kampanien, einer Region Italiens. Seinem ersten Fußballverein trat Matarazzo im Alter von zwölf Jahren bei. Nach dem Abschluss an einer örtlichen Highschool studierte er anschließend Angewandte Mathematik an der Columbia University in New York. Während seines Studiums agierte er als Spieler für die Columbia Lions. Im Anschluss an sein Studium zog Matarazzo im Jahr 2000 nach Deutschland. Unter anderem spielte der gebürtige Amerikaner für Eintracht Bad Kreuznach, den SV Wehen und Preußen Münster. Seine Spielerkarriere beendete er bei der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg. Nach seiner Spielerkarriere entschied er sich, erste Erfahrungen als Trainer zu sammeln. Er wurde Co-Trainer der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg. Kurzzeitig agierte er als Interimstrainer der Mannschaft. Zwischen 2012 und 2013 war er Cheftrainer der U17 des 1. FC Nürnberg, zwischen 2013 und 2017 trainierte er die U19 des 1. FC Nürnberg, ehe er dann zur 1899-Akademie nach Hoffenheim wechselte.

Co-Trainer bleiben im Amt

Die unter Breitenreiter tätigen Co-Trainer David Scholtysik (kam mit Breitenreiter vom FC Zürich) und Frank Fröhling (kam als Ersatz für Matthias Kaltenbach, den es nach Amsterdam zog) bleiben bei der TSG unter Vertrag. Sie haben am Dienstag das Mannschaftstraining geleitet, nach dem tags zuvor die Profis trainingsfrei hatten. Die Zeit drängt, schließlich steht am Samstag (15.30 Uhr) das Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen in der Sinsheimer Arena auf dem Programm. Die ersten Begegnungen werden für den neuen Chefcouch gleich zur großen Herausforderung. Mit Leverkusen (H), Augsburg (A), Dortmund (H), Mainz (A) und Freiburg (A) stehen für Matarazzo & Co. interessante und schwere Gegner auf dem Programm.

 Die beiden bisherigen Co-Trainer Frank Fröhling (li.) und David Scholtysik stehen dem neuen Cheftrainer zur Seite

Metallbau Rath

Der 14. Erstligatrainer

Das Cheftraineramt beim Kraichgauer Erstligisten gleicht bis auf die Ausnahmen Ralf Rangnick (53 Monate), Markus Gisdol (28 Monate) und Julian Nagelsmann (40 Monate) eher dem eines Schleudersitzes. Seit dem Bundesligaaufstieg versuchten sich bislang 13 Trainer den hochgesteckten Zielen des ambitionierten Dorfvereins gerecht zu werden. Hier eine Auflistung mit Verweildauer der bisherigen Bundesligatrainer bei den Kraichgauern:

07/2006-12/2010: Ralf Rangnick
01/2011-06/2011: Marco Pezzaiuoli
07/2011-02/2012: Holger Stanislawskli
02/2012-12/2012: Markus Babbel
12/2012-12/2012: Frank Kramer
12/2012-04/2013: Marco Kurz
04/2013-10/2015: Markus Gisdol
10/2015-02/2016: Huub Stevens
02/2016-06/2019: Julian Nagelsmann
07/2019-06/2020: Alfred Schreuder
06/2020-06/2020: Matthias Kaltenbach
07/2020-05/2022: Sebastian Hoeneß
07/2022-02/2023: André Breitenreiter
ab 02/2023: Pellegrino Matarazzo 

Fotos: Kraichgaufoto

TSG Hoffenheim trennt sich von Trainer André Breitenreiter
TSG reagiert auf sportliche Talfahrt - Mannschaft ist jetzt in der Pflicht
Montag, 6. Februar 2023

Es hat sich nach dem 2:5-Debakel in Bochum bereits abgezeichnet, doch für die endgültige Entscheidung haben sich die Verantwortlichen der TSG Hoffenheim dann doch etwas mehr Zeit übers Wochenende genommen. Das Ergebnis: André Breitenreiter, ausgestattet mit einem Vertrag bis zum 30.06.2024, wird von seinem Amt als Cheftrainer freigestellt. Der 49-Jährige kam zu Saisonbeginn vom FC Zürich, mit dem er überraschend die Schweizer Meisterschaft errungen hatte, zum Kraichgauer Bundesligisten. Die Hoffnungen und Erwartungen an den gebürtigen Langenhagener waren groß, zumal er bei seinen Bundesligastationen bei Hannover 96, FC Schalke 04 und SC Paderborn zuvor hervorragende Arbeit verrichtet hatte.

Die sportlichen Erfolge blieben aus

Die vorzeitige Trennung war der Negativserie der Blau-Weißen geschuldet, die keines ihrer jüngsten zehn Pflichtspiele gewinnen konnten. Im Pokal-Achtelfinale scheiterte man zudem an Titelverteidiger RB Leipzig, in der Liga hat der Tabellen-14. nur drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Der letzte dreifache Punktgewinn datiert vom 14. Oktober vergangenen Jahres (3:0 beim FC Schalke 04). Im eigenen Stadion verlor die TSG in dieser Saison bereits fünf Spiele. Breitenreiter saß in 22 Pflichtspielen auf der Bank der TSG.

 Nach nur sieben Monaten ist Schluss. Die Verantwortlichen der TSG Hoffenheim haben André Breitenreiter als Cheftrainer beurlaubt.

Wiesendanger Bedachungen

Trainer mit hoher Akzeptanz

„Wir haben in André einen Trainer verpflichten können, der vom ersten Tag an eine hohe Akzeptanz nicht nur in der Mannschaft hatte, sondern auch beim gesamten Staff, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle sowie allen Fans und Partnern. Wir danken ihm für die angenehme Zusammenarbeit und die vielen positiven Momente, gerade zu Beginn unserer gemeinsamen Zeit“, wird TSG-Direktor Profifußball Alexander Rosen in der Pressemitteilung der TSG am Montagmorgen um 11:30 Uhr zitiert.

Matarazzo oder Kohfeldt ?

Als heißer Kandidat für die Nachfolge von Breitenreiter ist Pellegrino Matarazzo im Gespräch. Er ist in Hoffenheim ein alter Bekannter: Vor seiner Zeit beim VfB war er von 2017 bis 2019 zunächst U17-Coach und später Assistent von Chef Julian Nagelsmann. Auch der ehemalige Bremer und Wolfsburger Bundesligatrainer Florian Kohfeldt wird als möglicher Nachfolger gehandelt.

Foto: Kraichgaufoto

Die Schuld nur beim Trainer zu suchen, wäre zu einfach
Auch die Mannschaft sollte sich hinterfragen
Samstag, 4. Februar 2023

Die Talfahrt der TSG Hoffenheim nimmt kein Ende. Die Kraichgauer stecken nach der 2:5-Auswärtspleite in Bochum tief im Abstiegskampf. Mit 19 Zählern ist die TSG auf Platz 14 punktgleich mit dem Fünfzehnten Bochum und kann sogar am Sonntag vom Sechzehnten Stuttgart bei einem Heimsieg über Bremen überholt werden. Hoffenheim im freien Fall! Was ist bloß los mit dieser Truppe, die am 10. Spieltag noch auf Champions League-Platz 4 stand und unter dem neuen Trainer André Breitenreiter mit tollem Offensivfußball begeisterte?

Am Trainer alleine liegt es nicht

Die Gründe sind vielseitig, schwer analysierbar und doch offenkundig. Natürlich wird - wie allgemein üblich im Profigeschäft - zuallererst der Negativlauf am Trainer festgemacht. Er steht vor der Mannschaft, gibt die Herangehensweise und Taktik vor und trägt die Hauptverantwortung bei Erfolg und Misserfolg. Trainer André Breitenreiter, der zu Saisonbeginn vom Schweizer Meister FC Zürich zur TSG kam, wollte eine neue Aufbruchstimmung erzeugen, die Fans wieder mehr ins Boot nehmen und ihnen begeisternden und erfolgreichen Fußball, ganz nach den hochgesteckten Zielen der Vereinsoberen, bieten.

 Breitenreiter steht immer mehr in der Kritik
silvio

Die Spieler stehen in der Pflicht

Was anfangs ganz gut lief, ist inzwischen nach etwas mehr als der Hälfte der Saison eine erschreckende Vorstellung und Darbietung, was die hochdotierten Profis in den kurzen Hosen Woche für Woche abliefern. Die ganze Misere für den sportlichen Leistungsabfall jetzt auf den Schultern des Trainers abzuladen, wäre zu einfach und schlichtweg falsch sowie nicht zielführend. Vielmehr sollten sich die Spieler selbst einmal hinterfragen, ob sie das, was sie von Spiel zu Spiel abliefern, wirklich erstligareif ist. Es mangelt bei vielen nicht nur im spielerischen sondern vielmehr auch im mentalen Bereich. Der Leistungsabfall in Bochum war nicht akzeptabel. Bei der Mannschaft war vor allem in der ersten Hälfte kein Aufbäumen, kein Biss und Einsatz erkennbar. Vielmehr wurde die allgemeine Verunsicherung von den leidenschaftlich kämpfenden Bochumern schonungslos aufgezeigt.

"Zeigen ein Champions-League-Gesicht und Absteiger-Gesicht"

Nach dem Abpfiff in Bochum sprach Alexander Rosen, Hoffenheims Direktor Profifußball, im Sky-Interview mit Ulli Potofski Klartext. „Die Fragen nach dem Trainer müssen gestellt werden. Die Ergebnisse geben uns allen keine Argumente mehr, da sage ich ausdrücklich „uns allen“. Wir werden natürlich mit allen Beteiligten sprechen. Hier gibt es keine grundsätzliche Frage, ob der Trainer seinen Job kann." Für Rosen ist die aktuelle Situation keine Eintagsfliege: "Wir waren am 10. Spieltag auf Platz 4, acht Monate davor waren wir mit Sebastian Hoeneß am 25. Spieltag auf Platz 4. Diesen Topplatz kriegt man nicht geschenkt, einen derartigen Absturz hinzulegen, dafür muss es Gründe geben. Wir zeigen ein Champions-League-Gesicht - das sicher nicht der Wahrheit entspricht, aber es entsprach dem Tabellenplatz. Jetzt zeigen wir ein Absteiger-Gesicht, das auch nicht der Wahrheit entspricht, aber dem Tabellenplatz der letzten neun Spieltage."

"Vielleicht müssen wir alles hinterfragen"

Der TSG-Manager bemängelt die Einstellung der Spieler: "Irgendwo dazwischen muss es Wahrheiten und Antworten geben. Vielleicht müssen wir alles hinterfragen. Die Art und Weise wie wir die Gegentore kassieren, ist indiskutabel. Kein Spieler ist in der Nähe des Torschützen, es liegt nicht an der taktischen Ausrichtung, sondern an der Einstellung. Dieser Gegner hat uns durchweg klargemacht, wie man solche Situationen verteidigt – mit Kampf, Leidenschaft und Geschlossenheit.“

 Manager Rosen sprach nach dem Abpfiff deutliche Worte in Richtung Mannschaft

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Qualität ist vorhanden

An der Qualität des vorhandenen Spielerkaders kann es nicht liegen, dieser ist ausgeglichen und auf verschiedenen Positionen doppelt besetzt. Die Gründe liegen in der Einstellung und Herangehensweise jedes Einzelnen. Torhüter Oliver Baumann stellt sich als einer der wenigen regelmäßig nach dem Spiel den Medien Rede und Antwort, auch wenn man es von ihm als Kapitän erwarten kann. Doch dies war in Hoffenheim in der Vergangenheit nicht immer selbstverständlich.

"Das reicht nicht, das ist zu wenig"

Hoffenheims Nummer 1: „Wir waren aus unerklärlichen Gründen die gesamte Partie nicht da. Wir reden die ganze Woche, sprechen über alles – und dann haben wir ein solches Zweikampfverhalten. Das reicht nicht, das ist zu wenig. Wir sind fast nur am Verlieren. Das geht mir auf den Sack und das das müssen wir abstellen. Wenn ich sehe, wie unsere Gegner um die Bälle kämpfen – bei uns gibt es einen Querpass und der Ball ist drin.“ Baumann sieht einen großen Unterschied zwischen Theorie und Praxis: „Wir kommunizieren in der Vorbereitung auf die Spiele viel, wir schauen auf die Situationen, aber es kommt einfach zu wenig. Wir haben im Trainingslager alles angesprochen und an allen Themen gearbeitet – und auf einmal ist alles komplett weg. Wir bekommen es nicht auf den Platz.“ Für den 32-Jährigen muss sich schnellstens etwas ändern: „Wir sind in der Verantwortung, es geht um uns auf dem Platz. Wir müssen uns in allen Feldern deutlich steigern und zwar schleunigst. Dieser Negativlauf muss endlich gestoppt werden. Ich habe keine Erklärung für unsere Leistung.“

 Kapitän Baumann sieht einen großen Unterschied zwischen Theorie und Praxis

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Mangel an der Einsatzbereitschaft

Auch Hoffenheims Rekordspieler Sebastian Rudy sucht nach Lösungsansätzen: „Ich weiß nicht, was wir hier gemacht haben. Wir schenken die Tore her, wir verlieren die Zweikämpfe und versauen uns so unsere Spiele.“ Dabei nimmt der ehemalige Nationalspieler Trainer Breitenreiten aus der Schusslinie: „Es ist ganz klar, dass es nicht an der Taktik liegt, sondern an der Einsatzbereitschaft, die wir in jeder Minute des Spiels auf den Platz bringen müssen. Das habe ich von uns heute sehr vermisst. Wenn man sieht, wie wir in die Saison gestartet sind, muss man klar sagen, dass es an uns liegt, da kann der Trainer nichts für.“

Wie lange manchen die Fans das noch mit?

Geredet wird Woche für Woche reichlich. Es wird versucht sich Mut zu machen, verspricht aus den Fehlern die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Man glaubt an Besserung und sich dem Ernst der Lage bewusst zu sein. Die Ergebnisse sagen jedoch etwas anderes. Die Frage stellt sich, wie lange machen die Fans das noch mit? Wie lange tolerieren sie Leistungen wie zuletzt in Bochum. Bisher forderten sie von der Mannschaft nur „Wir wollen Euch kämpfen sehen!“, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit in der Bundesliga sein sollte. Sollte gegen Leverkusen am nächsten Spieltag nicht eine deutliche Steigerung erkennbar sein und die Talfahrt endlich gestoppt werden, gehen die Hoffenheimer ganz schweren Zeiten entgegen. Es ist davon auszugehen, dass Trainer Breitenreiter gegen das Bayer-Team nochmals eine Chance bekommt. Bei der sechsten Niederlage in Folge dürfte er jedoch wohl kaum noch zu halten sein. Der Trainer ist austauschbar, die Mannschaft nicht!

Fotos: Kraichgaufoto

Weitere Fotos zum Bericht
TSG Hoffenheim nach 2:5-Pleite in Bochum weiterhin im freien Fall
Breitenreiter-Truppe streckt jetzt tief im Abstiegskampf
Samstag, 4. Februar 2023

Die TSG Hoffenheim schlittert ungebremst in den Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga. Kein Sieg aus den letzten zehn Spielen, fünf Niederlagen in Folge, das Aus im DFB-Pokal-Achtelfinale vor drei Tagen, dazu kam am 19. Spieltag der Negativhöhepunkt im so wichtigen und richtungsweisenden Abstiegsduell beim VfL Bochum, in dem die Kraichgauer sang und klanglos mit 2:5 untergingen. Bochum hat es dem Gegner schonungslos vorgemacht, wie man mit Entschlossenheit, Wille, Gier und Zweikampfstärke ein solch wichtiges Spiel angehen muss.

Bochumer Anschauungsunterricht

Der VfL hat es den Nordbadenern über 94 Minuten deutlich aufgezeigt, mit bedingungslosem Einsatz sich den Erfolg zu erarbeiten. Das Publikum hat dies von Beginn an gespürt und stand bedingungslos und lautstark wie ein 12. Mann hinter der Truppe. Die Zuschauer standen auf ihren Plätzen, das Ruhrstadion stand Kopf, es war Party-Time an der Castroper Straße. Es war zugleich ein historischer Sieg, denn erstmals seit 47 Jahren hat der Ruhrpottklub wieder fünf Heimspiele in Folge gewinnen können.

 Enttäuschung bei Hoffenheims Baumgartner, der in Bochum noch zu den Besten seiner Mannschaft zählte

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Der VfL wie im Rausch gegen einen überforderten Gegner

Und die Hoffenheimer? Sie schlichen mit hängenden Köpfen niedergeschlagen und wortlos nach dem 2:5-Debakel vom Platz. Die Luft wird im Tabellenkeller für das Team von Trainer Breitenreiter nunmehr auf Platz 14 immer dünner. Die Gastgeber spielten sich in den ersten 45 Minuten in einen Rausch und führten zur Pause deutlich mit 3:0. Maßgeblichen Anteil daran hatte besonders Antwi-Adjei, der an allen drei Treffern beteiligt war. Zunächst setzte er sich auf der linken Außenbahn gegen den desorientierten Kabak durch und passte in die Mitte, wo Hofmann völlig freistehend auf fünf Metern nur noch den Ball über die Linie zur 1:0-Führung drücken brauchte (22.). Nachdem wenig später Masovic an TSG-Torhüter Baumann scheiterte (28.), gelang Förster an seinem 28. Geburtstag nach Ablage von Antwi-Adjei mit einem platzierten Schuss aus 16 Metern das 2:0 (30.). Zu diesem Zeitpunkt beherrschten die Bochumer bei 9:2 Torschüssen und deutlich besserer Passquote die Partie, während bei den Gästen jegliches Selbstverständnis und Selbstvertrauen fehlte.

 Ratloser Blick bei Defensivspieler Angelino. Auch er spielte in Bochum völlig unter Form.

Mit dem 3:0-Halbzeitstand noch gut bedient

Nach einem weiten Ball in die Hoffenheimer Hälfte, wirkte die Defensive erneut völlig konfus und unorientiert, so dass Asano, wieder auf Vorarbeit von Antwi-Adjei, mühelos vorbei an Nsoki in den Strafraum dibbeln konnte und durch die Beine von Baumann auf 3:0 erhöhte (40.). Der VfL hatte aus fünf hochkarätigen Chancen drei Tore erzielt und die Partie vorzeitig entschieden. Trainer Breitenreiter reagierte auf die unterirdische Leistung seiner Mannschaft und nahm zur zweiten Hälfte vier Wechsel vor.

Mehr Gegenwehr in Hälfte 2

Dies sollte sich zunächst positiv auswirken, denn nach nur vier Minuten brachte der beste Hoffenheimer Baumgartner nach einer schönen Einzelaktion mit einem präzisen Schuss ins kurze Eck sein Team auf 1:3 heran (49.). Die TSG wirkte in der Folge deutlich präsenter und giftiger in den Zweikämpfen, auch wenn sie weiterhin keine Torgefahr ausstrahlte. Nachdem Masovic nach einer Ecke das 4:1 köpfte (69.) war die Partie endgültig entschieden. Daran änderte auch das 2:4 durch Dabbur nichts, der nach Vorarbeit von Kramaric seinen 5. Saisontreffer erzielte (77.). Den Schlusspunkt im Bochumer Hexenkessel setzte Broschinski mit einem satten Schuss aus der Drehung zum 5:2-Endstand (83.). Auch hier wirkte die TSG-Defensive desorientiert. Nachdem das Team von Trainer Letsch nun punktemäßig mit der TSG gleichzog, ist diese jetzt endgültig im Abstiegskampf angekommen.

 Dabbur (re.) kam zur zweiten Halbzeit und erzielte den zweiten Hoffenheimer Treffer
Gardinen Schlenker

Elf Totalausfälle

Für Trainer Breitenreiter war die unterirdische Leistung seiner Mannschaft unerklärlich: „Der Sieg für Bochum war heute mehr als verdient. Wir hatten in der ersten Hälfte elf Totalausfälle gegen eine Mannschaft mit Herz und Leidenschaft. Der VfL hat uns komplett den Schneid abgekauft. Was ich heute gesehen habe, kann ich nicht akzeptieren. Es muss was passieren, so wird es schwer, die Klasse zu halten. Ich bin in der Verantwortung, dass die Dinge, die wir uns vornehmen, auch funktionieren.“ Am nächsten Spieltag empfangen die Kraichgauer am Samstag um 15:30 Uhr in Sinsheim Bayer 04 Leverkusen.

Statistik:

VfL Bochum: Riemann – Janko, Ordets, Masovic, Soares – Losilla, Stöger (87. Osterhage) – Asano (84. Zoller), Förster (74. Schlotterbeck), Antwi-Adjei (84. Osei-Tutu) – Hofmann (74. Broschinski)
TSG Hoffenheim: Baumann – Kabak (46. Bicakcic), Brooks, Nsoki – Baumgartner, Delaney (79. Stiller), Geiger (46. Rudy), Angelino – Bischof (46. Kramaric) – Bebou (46. Dabbur), Dolberg
Tore: 1:0 Hofmann (22.), 2:0 Förster (30.), 3:0 Asano (40.), 3:1 Baumgartner (49.), 4:1 Masovic (69.), 4:2 Dabbur (77.), 5:2 Broschinski (83.)
Schiedsrichter: Dankert (Rostock)
Zuschauer: 23.700

Fotos: Kraichgaufoto

Können verunsicherte Hoffenheimer endlich den Bock umstoßen?
TSG zu Gast im Kellerduell bei heimstarken Bochumern
Freitag, 3. Februar 2023

Die prekäre Lage spitzt sich immer mehr zu. Die Sieglosserie der TSG Hoffenheim wird immer länger. Seit nunmehr acht Bundesligaspielen sind die Kraichgauer ohne Erfolgserlebnis. Zudem folgte am vergangenen Mittwoch nach einem 1:3 im DFB-Pokal-Achtelfinale bei RB Leipzig das Pokal-Aus. Der Abstand zum Relegationsplatz 16, den aktuell der VfL Bochum einnimmt, beträgt nur noch drei Zähler. Und ausgerechnet auf diesen VfL trifft die Breitenreiter-Truppe am Samstagnachmittag um 15.30 Uhr im Vonovia Ruhrstadion.

 Ratlose Blicke bei den Hoffenheimern nach der jüngsten 1:4-Heimniederlage gegen Mönchengladbach

Schreinerei Schock

Verunsicherung ist spürbar

TSG-Cheftrainer André Breitenreiter zur aktuellen Situation: Das haben wir uns anders vorgestellt. Wir sind uns der Situation bewusst. Es ist zu spüren, dass die Spieler verunsichert sind. Deshalb brauchen sie Unterstützung, wir versuchen etwas dagegen zu unternehmen. Wir stecken gemeinsam in der Situation und müssen uns gemeinsam da rauskämpfen. Alle wollen jetzt etwas verändern.“ Vor dem wichtigen Spiel an der Castroper Straße sagte der 49-Jährige: „Wir wollen dieses Spiel natürlich gewinnen und eine Wende einleiten. Ich bin überzeugt davon, dass wir das schaffen können. Wir haben eine gute Mannschaft, aber müssen uns manchmal auch mehr wehren.“

Auch der Suche nach Lösungen

Dass man bei der TSG immer unruhiger wird, nachdem man sich vom Saisonziel Woche für Woche immer weiter entfernt, ist verständlich und nachvollziehbar. Breitenreiter sieht sich (noch) nicht in der Schusslinie: „Es geht nicht um mich als Person. Das Wichtigste in dieser Situation ist es, mit Ruhe und Zuversicht voranzugehen. Für mich ist der Fußball nach der Familie das Schönste im Leben, trotzdem macht es mir aktuell auch keinen Spaß. Ich versuche immer wieder Lösungen zu finden. Dennoch will ich Ruhe ausstrahlen, auch wenn ich manchmal gern in einen Boxsack schlagen würde.“

 Nachwuchstalent Tom Bischof mit perfekter Schusshaltung, rechts in der Beobachterrolle Christoph Baumgartner
Anpfiff ins Leben

Unbequeme Gastgeber

Die Nordbadener wissen um die Bedeutung der Partie des 19. Spieltages. Bochum ist ein schwer bespielbarer, aggressiver Gegner mit großer Abstiegskampferfahrung. Mit Philipp Hofmann verfügen sie über einen Zielspieler, der in der Offensive die Bälle gut festmachen kann. Gerade in den Heimspielen hat sich der Ruhrpottklub unter Trainer Thomas Letsch enorm verbessert und gewann die vergangenen vier Partien in der eigenen Arena.

Hoffnung auf die drei Neuen

Bei den Gästen hofft man auf eine Verstärkung durch die drei Winterneuzugänge Thomas Delaney, Kasper Dolberg und John Anthony Brooks, die allein schon von ihrer Ausstrahlung Erfahrung und Präsenz der Mannschaft neue, zusätzliche Impulse verleihen sollen. Nicht zur Verfügung stehen weiterhin die beiden Langzeitverletzten Grischa Prömel und Jacob Bruun Larsen sowie  Angelo Stiller, Dennis Geiger, Kevin Vogt, Robert Skov und Pavel Kaderabek.

 TSG-Torjäger Andrej Kramaric (re.) hofft am Samstag auf seinen ersten Torerfolg gegen Bochum. Im Hinspiel vergab der Kroate beim 3:2-Heimsieg einen Strafstoß.

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Bochum mit viel Selbstvertrauen

Sieben Mal trafen beide Teams in der Bundesliga bisher aufeinander, wobei der VfL vier Mal als Sieger den Platz verließ, während die TSG drei Partien für sich entscheiden konnte. VfL-Trainer Letsch sieht sein Team, das mit 44 Gegentreffern bislang die meisten Gegentore aller Bundesligisten kassierte, nicht in der Favoritenrolle: „Hoffenheim hat natürlich extreme Qualität, sowohl individuell als auch als Mannschaft. Wir gehen nicht als Favorit ins Spiel, aber natürlich mit ganz viel Selbstbewusstsein. Wir wissen, dass wir uns alles hart erarbeiten müssen. Dass wir das können, haben wir gezeigt, deshalb haben wir eine breite Brust."

"Müssen total aufpassen"

Dieses Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr, schließlich lagen die Bochumer in dieser Saison bereits 13 Punkte hinter der TSG, jetzt könnten sie mit einem Heimsieg gleichziehen. Vor diesem richtungsweisenden Kellerduell warnt TSG-Kapitän Oliver Baumann: „Jetzt kommt ein extrem wichtiges Spiel, wir müssen total aufpassen, wir sind quasi im Abstiegskampf, wir sind da unten drin und müssen da schnellstmöglich wieder raus, sonst kommen wir richtig in Schwierigkeiten."

Fotos: Kraichgaufoto

Weitere Fotos zum Bericht
Die Talfahrt hält an - "Hoffe" fliegt nach 1:3 in Leipzig aus dem Pokal
Der erhoffte Befreiungsschlag blieb aus - TSG mit enttäuschender Vorstellung
Mittwoch, 1. Februar 2023

Die TSG Hoffenheim verpasste zum achten Mal nacheinander den Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale. Die Kraichgauer unterlagen bei RB Leipzig mit 1:3. Emil Forsberg brachte die Sachsen bereits nach acht Minuten in Führung, kurz vor der Halbzeitpause erhöhte Konrad Laimer auf 2:0 (41.). Nachdem Neuzugang Kasper Dolberg für die Gäste der Anschlusstreffer gelang (76.), sorgte Timo Werner mit dem 3:1-Endstand für die endgültige Entscheidung.

Schwache Vorstellung

TSG-Trainer André Breitenreiter: „Es war heute ein absolut verdienter Sieg von RB Leipzig. Wir haben heute einen defensiveren Ansatz gewählt. Wir haben das in der ersten Hälfte ganz gut gemacht, allerdings zu Lasten unserer Offensivbemühungen.“ Für die Hoffenheimer war es das neunte Pflichtspiel in Folge ohne Sieg. Beim Pokal-Aus blieben sie erschreckend schwach im Spiel nach vorn, schossen nur dreimal auf das gegnerische Tor. Die Kritik und der Unmut nehmen angesichts der gezeigten Leistungen und der Erfolgslosigkeit zu.

 Enttäuschung bei den Hoffenheimern, die nun seit neun Pflichtspielen sieglos sind

RB trifft mit der ersten Chance

Zum Spiel: Im Stadion war es das gesamte Spiel über auffallend still. Vor dem Anpfiff musste beim Stadioneinlass ein Fan wiederbelebt und schließlich ins Krankenhaus gebracht werden. Die Gastgeber hatten daraufhin selbst um die Fanblock-Ruhe gebeten, woraufhin die Fans den Support komplett eingestellt hatten. Die Hoffenheimer standen tief und überließen den Gastgebern das Geschehen. Diese nutzten gleich ihre erste Möglichkeit durch Forsberg, der ungestört in Position dribbeln konnte und mit einem Schuss in die linke Ecke sein Team 1:0 in Führung brachte (8.).

Laimer erhöht auf 2:0

Die Blau-Weißen waren im Spiel nach vorne viel zu harmlos, während RB Ball und Gegner kontrollierte. Kurz vor der Pause erhöhte Laimer mit einem Schuss aus der Drehung ins lange Eck auf 2:0 (41.). Auch hier wirkten die Hoffenheimer im Defensivverhalten viel zu fahrlässig. Das Spiel nahm auch in der zweiten Hälfte zunächst wenig Fahrt auf. Für den schwachen Kevin Akpoguma feierte Neuzugang Thomas Delaney fortan sein Debüt im TSG-Dress.

 Die Luft wird immer dünner, das weiß auch TSG-Coach André Breitenreiter

Schreinerei Schock

Kurzes Aufbäumen

Hoffnung keimte bei den etwas aktiveren Nordbadenern auf, als Winterneuzugang Dolberg nach Maßflanke von Angelino per Kopfball auf 1:2 verkürzte (76.). Der Debüttreffer des Dänen schien die Gäste wachzurütteln, denn fünf Minuten später bot sich Dabbur die große Ausgleichschance, doch der Israeli schoss aus spitzem Winkel etwas überhastet übers Tor (81.). Delaney sagte nach dem Abpfiff über diese kurze Drangphase: „Wir machen nach dem Tor von Kasper Dolberg Druck und pressen höher, aber lassen zu viele Chancen zu. Wir haben nicht die Kontrolle über das Spiel gehabt, daran müssen wir arbeiten.“ Nur drei Minuten nach dem Anschlusstreffer fiel die Entscheidung. Nach einem Konter über Poulsen kam Werner frei vor dem Hoffenheimer Tor zum Abschluss und ließ dabei Torhüter Oliver Baumann mit einem Schuss in den rechten Winkel keine Chance (84.).

Nsoki fliegt vom Platz

Hoffenheim war geschlagen. Dem nicht genug, versagten Verteidiger Nsoki die Nerven, als er vorverwarnt den Ball nach einem Freistoßpfiff gefrustet wegschlug. Schiedsrichter Dingert schickte ihn daraufhin mit Gelb-Rot vorzeitig vom Platz. Irgendwie passend zum Spiel.

 Kasper Dolberg (li.) gelang per Kopfball der 1:2-Anschlusstreffer
s#Badische_Restaurant

Aufstellungen:

RB Leipzig: Nyland – Simakan, Orban, Gvardiol (46. Henrichs), Halstenberg – Schlager (79. Kampl), Laimer – Szoboszlai, Forsberg (73. Haidara) – Silva (79. Poulsen), Werner (89. Klostermann)
TSG Hoffenheim: Baumann – Ozan Kabak, Brooks, Nsoki – Akpoguma (46. Delaney), Tohumcu (68. Dolberg), Baumgartner (57. Becker), Angelino – Bebou (79. Che), Kramaric (79. Bischof) – Dabbur
Tore: 0:1 Forsberg (8.), 0:2 Laimer (41.), 1:2 Dolberg (76.), 1:3 Werner (84.)
Gelb-Rot: Nsoki (86.)
Schiedsrichter: Dingert

Ganz wichtiges Spiel in Bochum

Am Samstag (15:30 Uhr) gastiert die TSG Hoffenheim in der Bundesliga beim VfL Bochum. Mittelfeldspieler Christoph Baumgartner blickt bereits voraus: „Das Spielglück müssen wir uns erarbeiten. Wenn wir ein Erfolgserlebnis sammeln, sieht die Welt schon wieder anders aus. Am Samstag steht ein wichtiges Spiel in Bochum bevor.“ Kapitän Baumann zur aktuelle unbefriedigenden Lage: „Die Mannschaft ist intakt. Wir wollten kompakt stehen und Akzente nach vorn setzen, aber wir bekommen zu einfache Gegentore. Wir müssen das extrem schnell abstellen, sonst kommen wir wirklich in Schwierigkeiten.“ Treffender kann es der TSG-Keeper nicht formulieren, denn bei einer weiteren Niederlage an der Castroper Straße wären die Hoffenheimer endgültig im Abstiegskampf dabei. 

Fotos: Kraichgaufoto